Elektroautos stehen an einer Ladesäuule für E-Autos und werden aufgeladen.

Rekordjahr bei Förderung Kaufprämie für Elektroautos boomt

Stand: 23.12.2021 10:27 Uhr

Die Anträge auf die staatliche Kaufprämie für Elektroautos haben einen neuen Rekordstand erreicht. Dennoch sind Neuwagen derzeit teuer wie nie. Auch das Tanken kostet so viel wie seit Jahren nicht mehr.

Bei der staatlichen Kaufprämie für Elektroautos hat es in diesem Jahr einen Boom gegeben. Die Zahl der Anträge stieg um mehr als das Doppelte auf einen Rekord von mehr als 585.000, wie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Ausgezahlt wurden mehr als drei Milliarden Euro an Fördermitteln für die Elektromobilität. Das sei das 4,7-Fache der ausgezahlten Summe 2020. Seit Beginn der Subvention im Jahr 2016 wurden insgesamt nun rund eine Million Anträge gestellt - der überwiegende Teil davon in den vergangenen zwei Jahren.

Mitte des vergangenen Jahres hatte der Bund die Kaufprämie (der sogenannte Umweltbonus) für reine E-Autos und Plug-in-Hybride über eine Innovationsprämie noch einmal verdoppelt. Das führte zu einer stark steigenden Nachfrage. Die Zahl der Neuzulassungen von rein elektrischen Autos erreichte 2021 den Rekordwert von über 300.000. Allein im November betrug sie mehr als 40.000 und machte damit gut 20 Prozent der gesamten Pkw-Neuzulassungen aus.

Kaufprämie verlängert - mit Einschränkungen

Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) kündigte kürzlich die Verlängerung der eigentlich bis Jahresende befristeten Innovationsprämie bis Ende 2022 an. Käufer von rein elektrisch betriebenen Elektrofahrzeugen bekommen damit weiter einen staatlichen Bonus von bis zu 9000 Euro. Bei Plug-in-Hybriden, die einen Elektro-Antrieb mit einem Verbrenner kombinieren, gibt es bis zu 6750 Euro. Ab 2023 ist nach den Plänen der Ampel-Regierung eine Reform der staatlichen Förderung vorgesehen. Dann sollen nur noch Elektrofahrzeuge gefördert werden, die nachweislich einen positiven Klimaschutzeffekt haben. Dieser soll über den elektrischen Fahranteil und eine elektrische Mindestreichweite definiert werden.

Vor allem Plug-in-Hybridfahrzeuge stehen bei Umwelt- und Klimaverbänden massiv in der Kritik. Umstritten ist, wie viel sie wirklich im rein elektrischen Betrieb gefahren werden. Dazu kommt die Kombination aus einem hohen Gewicht der Batterien für den Elektroantrieb und dem klimaschädlichen Verbrenner. Wer sein Plug-in-Hybrid-Fahrzeug nicht auflädt und den Elektromotor stattdessen nur als Ballast transportiert, produziert letztlich nicht weniger, sondern mehr Emissionen.

Von Januar 2022 an sind diese Autos, deren maximale CO2-Emission je gefahrenem Kilometer 50 Gramm übersteigt und die eine rein elektrische Reichweite von weniger als 60 Kilometern aufweisen, laut Bundesamt nicht mehr förderfähig. Bisher gilt als Grenzwert eine elektrische Reichweite von 40 Kilometern.

Nur noch niedrige Rabatte

Auch wenn die staatliche Innovationsprämie die Preise etwas abfedert, sind Neuwagen auf dem deutschen Automarkt gegenwärtig so teuer wie nie zuvor, wie eine heute vorgestellte Studie des Duisburger Center Automotive Research (CAR) zeigt. Nach Einschätzung des Studienleiters Ferdinand Dudenhöffer werden sich die Trends eines knappen Angebots und niedriger Rabatte in den ersten Monaten des neuen Jahres fortsetzen. Grund sind insbesondere Nachschubprobleme bei den Halbleiter-Bauteilen.

Der Untersuchung zufolge deuteten auch im Dezember nahezu alle Indikatoren auf steigende Verbraucherpreise bei Neuwagen hin. Im Einzelnen wurden die im Internet angebotenen Rabatte für die 30 beliebtesten, frei konfigurierbaren Neuwagen auf den Niedrigstand von durchschnittlich 16,7 Prozent des Listenpreises zurückgefahren. Die höchsten Nachlässe von knapp unter 25 Prozent gab es auf verschiedene Modelle von Ford und Renault sowie auf den Fiat 500.

Zudem ließen Hersteller und Händler weniger Fahrzeuge auf eigene Rechnung zu, um sie später als Sonderangebote an den Markt zu bringen. Der Anteil der Eigenzulassungen ging vom November noch einmal um 1,4 Punkte auf 22,5 Prozent zurück, wie CAR berichtete. Die Hersteller setzen offenbar immer mehr auf Abo-Modelle, die im Schnitt etwas billiger geworden seien. Die Anzahl der Angebote stieg um 14 auf 314. Die Kunden dieser noch vergleichsweise jungen Leasing-Form einschließlich Wartung und Versicherungsleistung mussten jedoch zwischen acht (reine Elektroantriebe) und fast 16 Wochen (Plug-in-Hybride) auf ihre Autos warten.

Große Preisunterschiede an den Tankstellen

Auch das Tanken kostete in diesem Jahr so viel wie lange nicht mehr. Nach Angaben des ADAC war es das teuerste Tankjahr seit 2013. Bis Ende November lag der Durchschnittspreis für Superbenzin der Sorte E10 im laufenden Jahr bei 1,514 Euro pro Liter im bundesweiten Durchschnitt. Bei Diesel waren es 1,373 Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Jürgen Albrecht etwas höhere Endstände, denn im Dezember waren Diesel und E10 noch einmal teurer. Grob überschlagen läuft es also bei E10 auf ein Plus um 26 bis 27 Cent im Vergleich zum Vorjahr hinaus, bei Diesel dürften es um die 27 Cent werden.

Der November war sogar der teuerste Tankmonat aller Zeiten. Die teuersten Tage fielen bei Diesel auf den 11. November mit dem Allzeithoch von 1,572 Euro pro Liter. E10 kostete am 14. November 1,701 und schrammte damit nur knapp am Rekord von 1,709 aus dem Jahr 2012 vorbei. Billigster Tanktag war der 1. Januar mit 1,324 Euro für E10 und 1,215 für Diesel. "Bei E10 waren es fast 40 Cent Unterschied zwischen dem teuersten und den billigsten Tag, das ist schon außergewöhnlich", sagte ADAC-Experte Albrecht.

Für viele Autofahrer machte sich der Anstieg der Spritpreise im laufenden Jahr im Geldbeutel bemerkbar. Vergleicht man die Kosten für einen typischen Benzin-Pkw mit einer Fahrleistung von etwas mehr als 10.500 Kilometern im Jahr und acht Litern Verbrauch pro 100 Kilometern, mussten Autofahrer über 200 Euro mehr zahlen als im vergangenen Jahr. Bei einem typischen Diesel-Pkw mit fast 20.000 Kilometern im Jahr und sechs Litern Verbrauch liegen die zusätzlichen Kosten sogar über 300 Euro. Das liegt aber auch daran, dass 2020 ungewöhnlich günstig war.

Wohin steuert der Ölpreis?

Wichtigster Treiber für die hohen Kosten beim Tanken war die Entwicklung des Ölpreises. Die sinkenden Corona-Beschränkungen sorgten für steigende Nachfrage, doch das Angebot blieb knapp, weil große Förderländer wie Saudi-Arabien und Russland ihre Produktion nur vorsichtig ausweiteten. So legten die Preise 2021 deutlich zu: Von 50 Dollar je Fass (159 Liter) zu Jahresbeginn auf zeitweise mehr als 85 Dollar im November.

Wie es 2022 weitergeht, ist aus Sicht des ADAC schwer vorherzusagen. Zu viele Faktoren beeinflussten den Ölpreis als wichtigsten Faktor für die Kosten für Diesel und Benzin, so Albrecht. "2022 wird spannend", glaubt der Experte. Die Rohstoffexperten der Commerzbank rechnen mit bedingter Entspannung: So könnten die Preise zwar tendenziell nachgeben, aber auf einem höheren Niveau bleiben als vor Corona, heißt es.