Japanisches Gericht in einer Schüssel | AFP

Ernährungsmesse ANUGA Essen und dabei Gutes tun

Stand: 09.10.2021 08:10 Uhr

In Köln startet heute die ANUGA, die weltgrößte Messe für Ernährungswirtschaft und Nahrungsmittelindustrie. Zum ersten Mal seit Pandemiebeginn findet sie wieder in Präsenz statt. Die Aussteller setzen auf Nachhaltigkeit.

Von Jens Eberl, WDR

Der Wunsch in der Branche, wieder persönlich zusammenzukommen, scheint groß zu sein: Die diesjährige ANUGA ist mit mehr als 4600 Ausstellern aus 98 Ländern gut gebucht. Etwa zwei Drittel der Hallenflächen sind nach Messeangaben belegt. Im internationalen Vergleich - und nach den herausfordernden Zeiten der Pandemie - sei das ein sehr gutes Ergebnis, sagt Oliver Frese, Geschäftsführer der Koelnmesse.

Jens Eberl

Möglichst viel Normalität

Die Messe habe Maßnahmen ergriffen, um für die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher zu sorgen. Es gelten die 3G-Regeln. Der Eintritt erfolgt über ein neu entwickeltes Zutrittssystem, das den Zugang in Verbindung mit einem anerkannten digitalen Beleg über eine vollständige Impfung, Testung oder Genesung erlaubt. Es gibt ausschließlich digitale Tickets.

Auf der anderen Seite habe man versucht, für möglichst viel Messenormalität zu sorgen. Der obligatorische Mund- und Nasenschutz darf an Steh- und Sitztischen bei Gesprächen abgenommen werden, die Bestuhlung bei Kongressen und Foren läuft wie gewohnt, und sogar Standpartys sind unter Auflagen wieder möglich. Gleichzeitig gibt es ein digitales Angebot - für diejenigen, die in diesem Jahr noch nicht nach Köln kommen können.

Leitthema "Transform"

Das Leitthema lautet in diesem Jahr "Transform" - es soll nach Messeangaben mehr umfassen als das Thema Nachhaltigkeit allein. "Es geht um den gesamten Wandel in der Ernährungsindustrie. Die Pandemie hat die Schwächen des globalen Foodsystems noch einmal mehr sichtbar gemacht", so Frese. "Wir sehen, dass die Ernährungswende nicht nur in der Lebensmittel- und Getränkeproduktion oder in globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten stattfindet. Es entstehen auch neue Spannungsfelder verschiedener Systeme, etwa Globalisierung versus Deglobalisierung oder Convenience - also teilfertige Gerichte - versus Nachhaltigkeit."

Die ANUGA 2021 bietet daher eine Reihe neuer Formate, die diese  Transformationsprozesse sichtbar machen soll, beispielsweise organische Lebensmittel oder Halal-Food. Es werden zahlreiche Alternativen zu Milch oder Fleisch vorgestellt. Im Fokus stehen auch Lebensmittel, die für Menschen mit Unverträglichkeiten geeignet sind. Im Rahmen der New Food Conference auf der ANUGA wird erstmals zellbasiertes Fleisch, umgangssprachlich Laborfleisch, vorgestellt. Auch pflanzenbasierte Produkte und alternative Proteinprodukte sind nach Messeangaben voll im Trend.

Alternativen zu Fleisch

Es wird dieses Jahr sehr auf Gesundheit geachtet. Bei alternativen Fleischproteinen liegen weiter viele Produkte aus Erbsen- und Linsenproteinen im Trend. Aber auch Produkte aus Jackfruit sind dabei. Beim Thema Superfoods sind weiterhin Hanf, Granatapfel- und Maca-Wurzel-Produkte im Trend, etwa als Powerdrinks oder Fruchtriegel.

"Clean Labeling" ist ebenfalls ein großes Thema. Dabei geht es um das Bewerben von Lebensmitteln mit dem Hinweis auf die Nichtverwendung bestimmter Zutaten wie beispielsweise Lebensmittelzusatzstoffe oder Aromen.

Transparenz und Natürlichkeit

Neben dem Wunsch nach mehr Transparenz ist auch das Interesse an Natürlichkeit und Nachhaltigkeit bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern gestiegen. "Bei den Produktinnovationen der ANUGA sind vor allem Produkte mit naturbelassenen und regionalen Zutaten sowie mit einem gesundheitlichen Zusatznutzen, beispielsweise Kaffee oder Fitnessriegel mit Kollagen, im Trend", berichtet Messeveranstalter Frese. Mit 2000 Ausstellern spezialisiert sich knapp die Hälfte auf Bio-Angebote, regionale Produkte und fairen Handel.

Das Thema "Bio" hat mit dem wachsenden Gesundheits- und Umweltbewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher zusätzlich in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Die Corona-Pandemie hat den Trend hin zu gesunden, regionalen und natürlichen Produkten verstärkt. Laut einer Marktstudie von Global Industry Analysts Inc. (GIA) wird der internationale Markt für Bioprodukte, der im Jahr 2020 auf 198,1 Milliarden US-Dollar geschätzt wurde, bis 2027 voraussichtlich eine Größe von 495,9 Milliarden US-Dollar erreichen. Allein für das Segment Obst und Gemüse wird eine jährliche Wachstumsrate von 14,7 Prozent prognostiziert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Oktober 2021 um 14:00 Uhr.