Nahaufnahme eines Zauns | rbb

Afrikanische Schweinepest Ein Zaun ist nicht genug

Stand: 10.07.2021 09:35 Uhr

Brandenburg rüstet auf gegen die Afrikanische Schweinepest: Entlang der Grenze zu Polen werden die Schutzmaßnahmen verschärft. Landwirte vor Ort fürchten um ihre Existenz und drücken aufs Tempo.

Von Andreas König, RBB

"Da machen wir ihn mal zu", sagt Karina Dörk, Landrätin des Kreises Uckermark im Nordosten Brandenburgs. Dann schiebt sie das 1,20 Meter hohe Zaunfeld in die dafür vorgesehene Halterung. Neun Monate nachdem die ersten mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infizierten Wildschweine in Brandenburg entdeckt worden sind, ist die Barriere entlang der Flüsse Oder und Neiße fertig, 255 Kilometer Zaun allein in Brandenburg. Die Abschnitte in den benachbarten Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen sind bereits fertig.

Andreas König

Insgesamt ist im Osten Deutschlands - Stand 1. Juli - bei 1466 Wildschweinen ASP nachgewiesen worden. In den betroffenen Landkreisen sind drei Kilometer rund um die Fundorte sogenannte Kernzonen eingezäunt und die Gegend in einem Umkreis von 25 Kilometern zu gefährdeten Gebieten erklärt worden. Hier gelten Begehungs- und Befahrungsverbote, Landwirte dürfen ihre Flächen nur sehr eingeschränkt bewirtschaften, und Schweinehalter müssen die Tiere in den Ställen einsperren. Die Jagd ist nur zur Seuchenbekämpfung erlaubt, und es wird intensiv nach Wildschweinkadavern gesucht.

Letztes Bollwerk Brandenburg?

"Derzeit ist Brandenburg das letzte Bollwerk gegen eine weitere Ausbreitung der ASP nach Westen" - das stellte die Leiterin des dortigen Krisenstabes und Verbraucherschutzstaatssekretärin Anna Heyder-Stuffer Ende Juni in einer Pressemitteilung ihres Ministeriums fest.

Außerdem sei mit einer wirksamen Eindämmung des ASP-Seuchengeschehens in Polen derzeit nicht zu rechnen. Weiter hieß es, alle Bemühungen auf polnischer Seite, ebenfalls eine gemeinsame Barriere zu errichten, hätten bisher zu keinem Erfolg geführt. Im Nachbarland sind seit Anfang des Jahres mehr als 1700 Ausbrüche der Schweinepest gemeldet worden.

Nahaufnahme eines Wildschutzzauns | rbb

Die Schutzwirkung des bestehenden Zauns an der Grenze nach Polen soll durch einen zweiten Zaun verstärkt werden. Bild: rbb

Deshalb will Brandenburg einen zweiten Zaun bauen - in mindestens 500 Metern Abstand zum ersten. So soll ein Korridor entlang der Grenze entstehen, in der die dort lebenden Wildschweine erlegt und infizierte Tiere gesucht werden sollen. Die Leiterin des Brandenburger Krisenstabes hofft, dass die Schutzzone möglichst bis zum Herbst fertig werden kann. Finanziert werden soll das Ganze mit Mitteln aus der EU und Geldern aus allen anderen Bundesländern. Wie, das werde gerade erarbeitet, so die Staatssekretärin.

Kam der Zaun zu spät?

Norbert Meene streut Maiskörner in eine etwa drei mal vier Meter große Gitterfalle. Damit geht der Landwirt und Jäger aus dem uckermärkischen Criewen seit dem jüngsten Auftreten der Schweinepest auf Wildschweinfang. Hausschweine hält der Bauer keine, er kümmert sich um die Wisente im Nationalpark. Den Schutzzaun hätte Meene sich viel eher gewünscht. "Wir sind in Deutschland schon wieder in der Phase: Wir bekämpfen die ASP nicht, wir verwalten sie." sagt er. "Als es hieß, 40 Kilometer rückt die ASP an die Oder ran, da hätte der Zaun zack, zack gebaut werden müssen."

Eine Rotte Wildschweine läuft an einem Gewässer entlang. | rbb

Jäger gehen auf Wildschweinfang, um die Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Bild: rbb

Eine Ansicht, die vor allem die betroffenen Schweinehalter in der Region teilen. 13 Betriebe sind es laut Brandenburger Landesbauernverband direkt in den Kerngebieten, sie haben insgesamt rund 7200 Hausschweine. Dazu kommen in den gefährdeten Zonen drumherum noch einmal 156 Halter mit etwa 44.000 Tieren.

Im April musste der erste Schweinebauer des Verbandes aufgeben. Für Karsten Ilse sei es unwirtschaftlich gewesen, den Betrieb weiterzuführen. Sein Hof liegt mitten im von der ASP betroffenen Teil des Landkreises Märkisch-Oderland. Die Schweine ist der Landwirt kaum noch losgeworden - und wenn, dann nur mit erheblichen Preisabschlägen. Lediglich ein Schlachthof in Schleswig-Holstein hat überhaupt noch Vieh aus den ASP-Sperrzonen angenommen.

Früher Hilferuf an die Kanzlerin

Der Brandenburger Bauer ist nicht der Einzige. "Etliche landwirtschaftliche Betriebe mussten wegen der Folgen der ASP schon aufgeben, viele weitere stehen vor dem Ruin", heißt es in einem Schreiben, das die ostdeutschen Schweinehalter-Verbände bereits im Frühjahr an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschickt hatten. Sie solle den Kampf gegen die Schweinepest zur Chefsache machen, es fehle ein schlüssiges Konzept. Ein Überspringen der Seuche auf die Hausschweinbestände müsse unbedingt verhindert werden. Durch den Preisverfall und die Ausfuhrverbote in Nicht-EU-Staaten - besonders nach China - drohten der Branche Verluste in Milliardenhöhe.

Ein totes Wildschwein liegt am Boden. | rbb

Wildschweine, die an der Afrikanischen Schweinepest verenden, sind eine große Gefahr für alle Wild- und Hausschweine im Umkreis. Bild: rbb

Bundesrat appelliert an Bundesregierung

Unter anderem auf Initiative Brandenburgs hat der Bundesrat unmittelbar vor der Sommerpause eine Entschließung verabschiedet, in der die Länder die Bundesregierung um Hilfe bitten für die betroffenen tierhaltenden Betriebe. Es geht unter anderen um ein Förderprogramm, um Unterstützung für die Forschung bei der Tierseuchenbekämpfung und um das Bemühen, mit der polnischen Regierung doch noch zu gemeinsamen, wirksamen Schritten zur Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest zu kommen.

Über dieses Thema berichtete Antenne Brandenburg am 01. Juli 2021 um 10:30 Uhr in den Regionalnachrichten und am 07. Juli 2021 um 15:40 Uhr.