Papst Benedikt XVI.

Nachfolgeentscheidung nach neun Monaten Papst macht deutschen Ritter zum Chef der Vatikanbank

Stand: 15.02.2013 11:32 Uhr

Kurz vor seinem Rücktritt hat Papst Benedikt XVI. noch eine wichtige Personalentscheidung getroffen. Er will einen deutschen Malteser-Ritter zum neuen Chef der Vatikanbank IOR machen. Das Institut kämpft seit langem mit dem Vorwurf, nicht genug gegen Geldwäsche zu tun.

Tilmann Kleinjung ARD-Studio Rom

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Eine der heikelsten Personalfragen hat Papst Benedikt XVI. noch vor Ende seiner Amtszeit vom Tisch. Ernst von Freyberg soll neuer Präsident der Vatikanbank werden. Der 54-jährige ist gelernter Jurist. Er war Chef einer auf den Mittelstand spezialisierten Investmentbank und Verwalter der familieneigenen Forstwirtschaft in Baden-Württemberg.

Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. setzt auf einen Deutschen an der Spitze der Vatikanbank.

Was neben der beruflichen Qualifikation für den Vatikan besonders wichtig ist: Freyberg ist Mitglied des katholischen Malteserritterordens. Als solcher hilft er auch bei den jährlichen Behindertenwallfahrten des Ordens ins französische Lourdes mit.

Vorgänger kämpfte mit Geldwäsche-Vorwürfen

In Rom hat der Ritter nun die undankbare Aufgabe, die skandalumwitterte Vatikanbank IOR aus den Negativschlagzeilen herauszubringen. Sein Vorgänger Ettore Gotti-Tedeschi ist daran gescheitert und wurde vom Vatikan zum Rücktritt gedrängt. Die genauen Gründe dafür sind bis heute nicht ganz klar. Es heißt, Gotti-Tedeschi sei mit der Aufgabe, die Vatikanbank gegen Geldwäsche zu immunisieren, überfordert gewesen.

Seit Jahrzehnten steht das vatikanische Institut im Verdacht, als Depot für Gelder ungeklärter Herkunft zu dienen. Der Vorwurf, dass das "Institut für die religiösen Werke" (so der offizielle Titel) eine regelrechte "Geldwaschanlage" ist, trifft wohl nicht zu. Allerdings scheinen die tatsächlichen Besitzer einiger Konten immer noch nicht geklärt zu sein.

Kartenzahlung im Vatikan wieder möglich

Die italienische Nationalbank schaut mit Argusaugen auf das kleine Kreditinstitut im Vatikanstaat. Die Banca d'Italia hatte der Partnerbank des IOR, der Deutschen Bank Italien, zum 1. Januar die Genehmigung für deren EC-Automaten im Vatikan entzogen. Seitdem konnten die Besucher der Vatikanischen Museen nicht mehr mit Karten zahlen. Seit dieser Woche ist dies wieder möglich. Die Schweizer Aduno Sa Bank soll künftig den bargeldlosen Betrieb im Vatikan abwickeln.

Dieser Beitrag lief am 15. Februar 2013 um 11:49 Uhr auf InfoRadio.

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KOMMENTARE

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Scipio Americanus 15.02.2013 • 14:19 Uhr

Und wieder mal die Deutsche Bank involviert...typisch

"Die Banca d'Italia hatte der Partnerbank des IOR, der Deutschen Bank Italien, zum 1. Januar die Genehmigung für deren EC-Automaten im Vatikan entzogen." Das sagt doch schon alles. Wo man überall hinschaut, ob nach Amerika oder sonstwo. In fast jedem Banken-Skandal ist die Deutsche Bank mitinvolviert. Es wird Zeit, dass den Ackermännern nun endlich mal Einhalt geboten wird und man sie endlich für ihre Machenschaften zur Verantwortung zieht. Doch nach den Razzien in den Frankfurtern Zwillingstürmen schwindet die Hoffnung immer mehr, denn schon fast alle vorübergehend festgenommenen Verdächtigen befinden sich schon mittlerweile wieder auf freiem Fuss. Welch' Schande für das Hessische Innenministerium.