Das Weingut Miraval | picture alliance / dpa

Promi-Weine aus Frankreich Mehr als nur ein Werbegag

Stand: 17.09.2022 12:33 Uhr

Immer mehr Promis aus Frankreich und Übersee gehen in der Provence oder der Champagne unter die Winzer. Für sie und die Regionen ist das ein einträgliches Geschäft. Doch was taugen ihre Weine?

Von Stefanie Markert, ARD-Studio Paris 

Schauspieler Gérard Dépardieu - bekannt für hohen Eigenbedarf - ist schon vor Jahrzehnten an der Loire unter die Winzer gegangen. Genau wie Kollege Pierre Richard im mediterranen Corbières-Gebirge. Sänger Patrick Bruel kam erst vor drei Jahren auf den Geschmack.

Stefanie Markert ARD-Studio Paris

Er packt bei Avignon mit an und fachsimpelt schon: "Der Cabernet-Sauvignon hat ein bisschen unter der Hitze gelitten. Der neue Rosé scheint zu halten, was wir uns versprochen haben. Er trägt den Namen meiner Mutter Augusta. Aber das Produkt ist mir wichtiger als die bekannten Persönlichkeiten, die es machen", sagte Bruel im französischen Radio France Info.

Er hat nicht gepokert, sondern sich Rat beim einst Besten Sommelier der Welt geholt: bei Philippe Faure-Brac. Der schmeckt Pfirsich, Zitrusfrüchte, Kräuter heraus. "Der Schlüsselfaktor für die Stars ist nicht nur, sich eine Freude mit dem Wein zu machen, sondern mit ihnen an ihrem Image zu arbeiten", sagt er. Deshalb wollten sie Qualität. "Dafür holen sie sich Profis. Das Ganze hat einen Preis, den das Publikum bereit ist zu zahlen. Denn die Stories sind außergewöhnlich."

Brad Pitt eröffnete Promi-Reigen

Es ist ein rentables Geschäft. Selbst exzellenter Wein kostet in der Herstellung nur wenige Euro. Mit der Geschichte aber gern 20 bis 30. Etwa mit der von Brad Pitt. Er hat den ausländischen Promi-Reigen 2011 mit eröffnet und damals das Gut Miraval rund 60 Kilometer östlich von Aix-en-Provence gekauft.

Brad Pitt | REUTERS

Oscar-Gewinner Brad Pitt hat sich für den Weinbau Unterstützung von renommierten Winzern geholt. Bild: REUTERS

Im Schloss zwischen Terrassen-Weinbergen, Olivenhainen und Kiefern hat er wenig später Angelina Jolie geheiratet. Heute gibt es Zoff, denn Jolie hat ihren Anteil an einen Weinkonkurrenten verkauft, hinter dem ein russischer Oligarch stehen soll. Pitt macht unbeirrt weiter - mit immer mehr Bio und Rebsorten wie Grenache, Cinsault, Syrah oder Rolle und der renommierten Winzerfamilie Perrin.

"Sie haben wahre Kenntnisse"

Die lobt seine Kreativität. Pitt wirbt mit lässigen Poolfotos für seinen Rosé, beliefert Filmfestivals und hat die elegante Flasche mit dem Eingriff entworfen. Neuestes Produkt: ein Rosé-Champagner, limitiert, für über 300 Euro die Flasche. Alles nur ein Werbegag, eine lukrative Investition?

"Nein, sie kennen sich aus und zwar immer mehr. Wein ist in Mode. Er ist schick, ein Kulturgut, positiv für das Ansehen", sagt Jean-Marie Cardebat, Professor für Weinwirtschaft, bei RTL. Anfangs seien die Promis oft Hobbywinzer, die in Domänen investieren würden. "Aber heute haben sie wahre Kenntnisse. Experten halten Brad Pitt für unschlagbar beim Rosé."

Weinflaschen des Weinguts Miraval zwischen Reben | picture alliance / abaca

Wein aus Miraval ist beliebt - besonders der Rosé gilt als unschlagbar. Bild: picture alliance / abaca

Ein Jahrgang seines Miraval wurde zum weltbesten gekürt und schaffte es als 1. Rosé unter die Top-100-Weine der Welt. Die Zeiten sind günstig: Die Exporte von Rosé sind in den letzten zehn Jahren um 500 Prozent gestiegen. Pitts Anwesen soll seinen Wert inzwischen auf etwa 140 Millionen Euro mehr als verdoppelt haben. Das Gut ist nicht zu besichtigen, aber Künstler sollen dort in Residenz gehen können.

Zusammenarbeit mit Kylie Minogue

Immobilienmakler Adam Dakin verkauft Luxusweingüter und kennt sich aus: "Das hier ist die Domäne von Ridley Scott. Immer mehr Promis kaufen in der Provence, weil wir schöne Weingüter haben und sie genau hier sein wollen." Während die einen im Weinberg mitarbeiten, verkosten, ausprobieren oder Etiketten entwerfen, kaufen andere eine Marke, wie Rapper Jay-Z mit seinem Kultchampagner Armand de Brignac in vergoldeten Flaschen.

Oder sie geben ihren Namen für eine Sonderedition her - wie Kylie Minogue. Winzerin Aurélie Bertin hat die australische Sängerin in Sainte Rosaline bei Fréjus empfangen. "Sie war eine knappe Woche in unserem Schloss, wollte die Domäne, unser Team und unsere Arbeit wirklich kennenlernen", erzählt sie. Minogue habe enorm viele Fragen gestellt. "Aber nicht nur ihr, sondern auch unsere Namen stehen auf dem Cuvée-Wein, denn es ist unser Know How."   

Rückzugsort der Stars

Aus den Reportagen und Interviews in französischen Medien hört man den Stolz, dass Frankreich so attraktiv ist. "Das zieht eine ganze Region mit. Die Provence ist heute so was wie ein Annex Hollywoods", resümiert Wein-Ökonom Cardebat. "Die Nachfrage nach ihren Weinen kann nicht gedeckt werden."

Natürlich gebe es einen Mode-, einen Begeisterungseffekt. "Brad Pitt erwirbt etwas, dann kommt sein Freund George Clooney um die Ecke. Sie können sich auch auf den oft Hunderte Hektar großen Anwesen mit den schönen Gebäuden zurückziehen. Das ist besonders für die Hollywood-Stars wichtig", meint Cardebat.

Bei Johnny Depp läuft es nicht gut

Les Quelles de la Coste ist John Malkovichs Marke im Süden. Star-Wars-Regisseur George Lucas sitzt auf Chateau Margüi und lädt zweimal im Jahr zur Verkostung ein. Andere Stars öffnen eine Boutique oder bieten Führungen an. Jüngster Neuzugang - aber in der Champagne - ist übrigens Leonardo DiCaprio. Nur bei Johnny Depp läuft es nicht so. Sein Gut bei Saint Tropez steht zum Verkauf.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. September 2022 um 07:51 Uhr.