Messebauer | picture alliance/dpa

Unsicherheit bei Firmen Große Sorgen auch ohne Russland-Geschäft

Stand: 07.04.2022 12:40 Uhr

Branchen, die von Corona hart getroffen wurden, fürchten nun die Folgen des Ukraine-Krieges. Das gilt laut ifo-Institut auch für viele Kleinstfirmen und Soloselbstständige ohne eigenes Russland-Geschäft.

Konzertveranstalter, Messebauer, Gaststätten, Hotels - Unternehmer aus der Dienstleistungsbranche hatten nach den enormen Einbußen infolge der Corona-Schutzmaßnahmen vor Beginn des Ukraine-Kriegs noch auf ein Ende der Pandemie und deutlich bessere Aussichten gehofft. Doch nun kommt der Rückschlag: Laut ifo-Geschäftsklimaindex für Kleinstfirmen und Soloselbstständige ist die aufkeimende Hoffnung wegen des Ukraine-Kriegs in sich zusammengefallen.

Das Geschäftsklima ist demnach im März auf minus zehn Punkte abgestürzt, nach plus 2,6 Zählern im Februar. Das liege vor allem an den geringen Erwartungen. Befragt wurden - anders als beim bekannten ifo-Index der großen und mittleren Unternehmen - Kleinstunternehmen mit weniger als neun Mitarbeitern und Soloselbstständige.

Unsicherheit im Dienstleistungssektor

Nach Angaben des Studienleiters Klaus Wohlrabe vom ifo-Institut ist vor allem der Dienstleistungssektor stark vertreten. Als Beispiele nennt er den klassischen Einzelhandel, IT-Dienstleister, Selbstständige im Veranstaltungs- und Kulturbereich, Caterer, Hotels und Gaststätten.  

Auch wenn ein Großteil der befragten Unternehmen laut ifo-Institut nicht direkt in oder mit Russland Geschäfte machte, sei die Unsicherheit angesichts der Kriegsfolgen groß. Studien-Leiter Klaus Wohlrabe erklärt das so: "Viele Kleinstunternehmen sind von den Aufträgen größerer Unternehmen abhängig und fürchten nun, dass diese ausbleiben", erläutert Wohlrabe. Hinzu komme die Unsicherheit über die Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland.

Jeder zweite Kleinstbetrieb will die Preise erhöhen

Die steigenden Energiekosten belasten auch Kleinstbetriebe und Soloselbstständige, sodass sich nach Angaben des ifo-Experten "jeder zweite Kleinstbetrieb gezwungen sieht, die Preise zu erhöhen.“

Ein weiterer Aspekt sei für den Rückgang der Erwartungen verantwortlich: die Privathaushalte und Bürger, die während der Corona-Pandemie historisch viel Geld gespart hatten, müssen wohl künftig einen Teil ihres Ersparten in die gestiegenen Lebenshaltungskosten investieren. "Statt ins Konzert oder ins Theater zu gehen, müssen die Menschen eine höhere Heizkostenrechnung begleichen", so die Vermutung des ifo-Experten.

"Russland und Ukraine für Musikmarkt total wichtig"

Das befürchtet auch die Interessengemeinschaft der selbstständigen DienstleisterInnen und der Veranstaltungswirtschaft, kurz ISDV. Deren Vorsitzender Marcus Pohl kann zudem von direkten Auswirkungen auf die Branche berichten. Gegenüber tagesschau.de sagt er: "Russland und die Ukraine sind für den Musikmarkt total wichtig. Es ist ja ein Riesengebiet, was sie bespielen können." Zahlreiche deutsche Bands von Pop über Rock bis Metal seien in den beiden Ländern größtenteils mit kleineren Crews auf Tour gewesen. Aber auch bekannte Namen wie Guano Apes waren in der Ukraine beliebt und oft auf Tour gewesen, in Russland waren es die Scorpions.

Laut Pohl "sitzen aktuell viele Bands und Managements auf den Gagen, die von russischen Konzertveranstaltern voraus gezahlt wurden". Sie können diese nicht zurück überweisen - aufgrund der Sanktionen gegen russische Banken.

"Ölknappheit wirkt sich auf die Tourneekasse aus"

Ganz praktisch wirkt sich laut Branchenverband der Krieg und die daraus folgenden Preissteigerungen auch an anderer Stelle auf die Konzert- und Veranstaltungsbetreiber aus. "Ölknappheit wirkt sich ganz konkret auf die Tourneekasse aus", so ISDV-Sprecher Pohl. Etwa wenn für eine Tour zehn Lkw und drei Nachtbusse zu jedem Veranstaltungsort fahren müssen oder wenn für den Aufbau eines Messestands zwanzig Siebeneinhalb-Tonner gebraucht werden. Viele Tickets sind laut Pohl schon Ende 2019 und 2020 für Shows gekauft worden, die seitdem immer wieder verschoben worden seien. Die nun gestiegenen Kosten könnten Veranstalter im Nachhinein für die bereits verkauften Tickets nicht mehr aufschlagen.  

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. März 2022 um 17:23 Uhr.