Eine Architektin und ein Architekt auf einer Baustelle | picture alliance / imageBROKER

Gender Pay Gap Warum Kaliforniens Gehaltslücke kleiner ist

Stand: 29.12.2021 15:43 Uhr

Frauen verdienen im Schnitt weniger als Männer - diese Lücke nennt man "Gender Pay Gap". Hierzulande beträgt sie 18, in Kalifornien zwölf Prozent. Was kann Deutschland vom US-Bundesstaat lernen?

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles 

Lohngerechtigkeit ist in den USA ein Thema, das schon lange im Gesetz verankert ist. Seit 1963 gibt es ein sogenanntes Equal-Pay-Gesetz. Der Bundesstaat Kalifornien ist besonders weit vorne, das Gesetz anzuwenden und vor allem in den vergangenen Jahren zu verschärfen. Das führe zu großen Unterschieden, wenn man Deutschland und Kalifornien vergleiche, sagt die Journalistin Birte Meier.

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Über die Gehaltslücke wird offen geredet

Zum einen dürften Unternehmen ihren Mitarbeitenden nicht verbieten, über das Gehalt zu reden. Auch würden sie bei Vorstellungsgesprächen nicht nach ihrem vorherigen Gehalt gefragt. Und: Viele Frauen, die bisher wegen einer Gehaltslücke geklagt haben, hätten bereits Recht bekommen. Das wirke sehr abschreckend für viele Arbeitgeber. 

Auch in diesem Jahr wurde eifrig geklagt: zum Beispiel die US-Fußball-Nationalspielerinnen und die Mitarbeiterinnen des Spiele-Herstellers Activision Blizzard - und auch gegen Google-Mutter Alphabet zogen mehr als 10.000 Frauen vor Gericht.

Klage gegen das ZDF

Birte Meier recherchiert als Fellow im Thomas-Mann-Haus in Los Angeles, wie Kalifornien es geschafft hat, die Lohnlücke besser zu schließen. Denn den Gender Pay Gap - die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen - gibt es auch hier: Sie beträgt unbereinigt zwölf Prozent; in Deutschland sind es 18 Prozent.

Für Meier ist es auch ein persönliches Thema. Die Wirtschaftsjournalistin klagte 2015 gegen ihren Arbeitgeber, das ZDF, weil ihre männlichen Kollegen mehr verdienten als sie. Vor dem Bundesarbeitsgericht errang sie einen ersten Sieg. Das Verfahren ist beim Bundesverfassungsgericht anhängig.

"Schützenhilfe" aus Hollywood

Dass in Kalifornien die Gesetze weiter sind als in Deutschland, das liege auch Hollywood - genauer: an Einzelpersonen wie Patricia Arquette. Die Schauspielerin hielt 2015 bei der Oscar-Verleihung eine emotionale Ansprache für mehr Lohngerechtigkeit.

Zum Teil kamen Lohnunterschiede auch anderweitig ans Licht. 2014 waren bei einer Hackerattacke bei Sony Pictures beispielsweise auch Gehaltszettel veröffentlicht worden - das hatte Folgen, denn auf einmal war sichtbar, wie verschiedene Schauspielerinnen und andere Filmschaffende bezahlt wurden. Auch dies habe den Diskurs angeheizt.

Fortschrittliche Gesetze wirken

Meier betont, auch in Kalifornien sei man von einer kompletten Gleichstellung noch entfernt. Vor allem Schwarze und Latina-Frauen würden im Vergleich viel schlechter bezahlt.

Nach ihren Recherchen kommt Meier aber zu dem Schluss: Die progressiven Gesetze bestärken die Frauen und führen zu einem anderen Klima, in dem Frauen über ihr Gehalt selbstbewusster sprechen und stärker auf ihre Rechte pochen können.