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Elektromobilität Daimler steigt in Batterie-Allianz ein

Stand: 24.09.2021 12:16 Uhr

Die Elektrifizierung der Daimler-Flotte wird weiter vorangetrieben: Dazu werden Batterien gebraucht. Deshalb steigt Mercedes-Benz jetzt beim französisch-deutschen Batteriezellenhersteller ACC ein.    

Der Autobauer Daimler steigt zur Versorgung seiner Elektroautos in die Batteriezellen-Allianz der französischen Großkonzerne Stellantis und Totalenergies ein. Die Pkw-Sparte Mercedes-Benz wird mit einem Drittel gleichberechtigter Anteilseigner an der Automotive Cells Company (ACC), teilte das Unternehmen mit. Mercedes-Benz bringe sich mit Technologie und Produktions-Know-how bei ACC ein, heißt es. Mit der Beteiligung erhält Mercedes auch zwei der sechs Sitze im Aufsichtsrat.

"Gemeinsam mit ACC werden wir Batteriezellen und -module in Europa entwickeln und effizient produzieren, maßgeschneidert auf die spezifischen Anforderungen von Mercedes-Benz", sagte Daimler-Chef Ola Källenius. Mercedes will insgesamt weniger als eine Milliarde Euro investieren, davon im kommenden Jahr einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag.

Milliardengeschäft mit Batterien

Die Herstellung von Batteriezellen gilt als Schlüsselindustrie für die Elektromobilität. Außerdem ist die Batterie- und vor allem Zellfertigung Branchenexperten zufolge strategisch wichtig, denn bislang beziehen europäische Automobilhersteller ihre Batteriezellen in erster Linie aus Asien. Das führt zu einer hohen Abhängigkeit in einem besonders sensiblen und lukrativen Bereich.

Um das zu verändern, setzen Deutschlands Autobauer jetzt verstärkt auf eigene Batteriefertigung. Mit der neuen Allianz wollen die Konzerne auch auf die global immer weiter steigende Nachfrage nach Batteriezellen reagieren, die für Milliardenumsätze und ein profitables Geschäft sorgen soll.

Vollelektrische Pläne - je nach Markt

Daimler hatte deshalb angekündigt, in Batteriezellwerke zu investieren, um die Versorgung künftiger Elektroautos mit Akkus zu sichern. Seitdem war Källenius auf der Suche nach Partnern für das Vorhaben, Ende des Jahrzehnts eine Produktionskapazität von mehr als 200 Gigawattstunden (GWh) an Batteriezellen pro Jahr auf die Beine zu stellen.

Daimler will bis 2030 in der Lage sein, nur noch vollelektrisch angetriebene Mercedes-Benz-Pkw zu verkaufen, wo es die Marktbedingungen zulassen. 200 Gigawattstunden an Zellkapazität würden rechnerisch für 2,5 Millionen aktuelle Mercedes EQC-Modelle mit jeweils 80 Kilowattstunden (kWh) Stromspeicher reichen.

Hoffnung auf neue Arbeitsplätze

"Durch die Partnerschaft sichern wir uns die Lieferumfänge, nutzen Skaleneffekte und können unseren Kundinnen und Kunden überlegene Batterietechnologie bieten", erklärte Daimler-Chef Ola Källenius. Ab Mitte des Jahrzehnts soll ACC Mercedes-Benz mit Batteriezellen und -modulen aus Fabriken in Deutschland und Frankreich beliefern. Die Gesamtinvestitionen in das Gemeinschaftsunternehmen sollen sich auf mehr als 7 Milliarden Euro belaufen. Darin seien sowohl Eigen- und Fremdkapital als auch staatliche Subventionen enthalten, sagte Daimler-Finanzchef Harald Wilhelm.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier von der CDU begrüßte den Schritt und sprach vom bislang größten Durchbruch für ein Batteriezellprojekt. Das Konsortium ACC wird laut Bundeswirtschaftsministerium seit 2018 innerhalb der Europäischen Union und von Frankreich und Deutschland im Rahmen eines gemeinsamen europäischen Projektes unterstützt.

Ein neuer Batterie-Champion?

"Schon jetzt lässt sich absehen, dass in den nächsten Jahren mehrere zehntausend Arbeitsplätze allein in Deutschland in der Batteriezellfertigung entstehen werden", sagte Altmaier. Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich habe das Potenzial, dass ein neuer Batterie-Champion in Europa entstehe.

Das Bundeswirtschaftsministerium fördert Batterie-Projekte in Deutschland nach eigenen Angaben mit etwa 3 Milliarden Euro. Insgesamt nähmen an sogenannten IPCEI-Projekten in Europa ("Important Project of Common European Interest") fast 60 Unternehmen aus 12 EU-Staaten teil. Hinzu kämen mehrere 100 Unternehmen aus Europa, die indirekt als Zulieferer, Forschungseinrichtung oder Partner vom IPCEI profitierten.