Logo des französischen Energiekonzerns EDF in der Nähe eines Strommasten | REUTERS

Komplettverstaatlichung Frankreichs Milliardenangebot für EDF

Stand: 19.07.2022 12:39 Uhr

Die französische Regierung will auch die restlichen Anteile des Energieversorgers EDF kaufen und bietet dafür 9,7 Milliarden Euro. Der Konzern ist hoch verschuldet und kämpft mit vielen Problemen.

Von Julia Borutta, ARD-Studio Paris

Die französische Regierung hat ihre Pläne zur Komplettübernahme des Energieversorgers EDF konkretisiert. Sie wird knapp zehn Milliarden Euro in die Hand nehmen, um die ihr fehlenden Anteile zu kaufen. Das öffentliche Angebot sieht vor, zwölf Euro pro Anteilsschein zu bieten. Dieser Preis liegt 53 Prozent über dem Schlusskurs der Aktie an dem Tag, bevor die Regierung ihre Absicht zur vollständigen Verstaatlichung bekanntgab.

Julia Borutta ARD-Studio Paris

Konzern bereits zu 84 Prozent staatlich

Zwar muss das Parlament noch den nötigen Haushaltsmitteln zustimmen. Doch gibt es grünes Licht, würde Europas größter Atomstromproduzent für 9,7 Milliarden Euro unter die vollständige Kontrolle des Staates gelangen. Derzeit hält der französische Staat 84 Prozent des Konzerns.

Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sagte am Morgen: "Dieser Schritt gibt EDF die nötigen Mittel, um das Nuklearprogramm schneller umzusetzen, das der Präsident angekündigt hat." Sechs neue Druckwasserreaktoren will Emmanuel Macron bauen lassen - die größte Investition in die Kernenergie seit Jahrzehnten.

EDF hoch verschuldet

Doch EDF ist in eine Schieflage geraten. Der Konzern hat hohe Schulden: 60 Milliarden Euro könnten es Ende des Jahres sein, so Schätzungen. Außerdem gibt es zahlreiche Probleme sowohl an dem bestehenden Meilerpark als auch an den Neubauprojekten. So ist der Druckwasserreaktor in Flammanville nach zehn Jahren Bauverzögerung und 600 Prozent Kostensteigerung immer noch nicht am Netz.

Mehr als die Hälfte aller 56 Reaktoren stehen derzeit still und produzieren keinen Strom. Langwierige und kostspielige Wartungen an den im Schnitt über 35 Jahre alten Reaktoren sind notwendig. Außerdem bereitet ein unvorhergesehenes Korrosionsproblem an zwölf Reaktoren einer neueren Baureihe den Ingenieuren Kopfzerbrechen. Aus dem Elysée heißt es deshalb: Die Verstaatlichung sei nur der erste Schritt zu Neuorganisation des gesamten Konzerns.