Kühe fressen in einem Stall | dpa

Mehr Tierwohl Bauern fordern Milliarden für neue Ställe

Stand: 17.01.2022 08:12 Uhr

Die Erzeugerpreise sind im Keller, die Landwirte in der Krise: Bauernpräsident Rukwied fordert nun von der Regierung vier Milliarden Euro im Jahr - um bessere Ställe für Rinder und Schweine zu finanzieren.

Die Bauern wollen vier Milliarden Euro im Jahr, um neue Tierwohl-Ställe zu bezahlen. Bauernpräsident Joachim Rukwied hat deshalb Agrarminister Cem Özdemir aufgerufen, schnell die Finanzierung hierfür zu klären. "Der Umbau kostet etwa vier Milliarden Euro im Jahr. Das Geld brauchen wir", sagte Rukwied der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

"Die Betriebe geben reihenweise auf"

Mit dem Umbau der Tierhaltung könnten sich Halter neu erfinden. "Die Bauern sind bereit dafür", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Das Projekt könne aber nur gelingen, wenn schnell entschieden werde, wie die neuen Ställe bezahlt werden sollten und der Finanztopf geschaffen werde.

Die von der alten Bundesregierung eingesetzte Zukunftskommission Landwirtschaft hatte die Kosten für den Umbau der Landwirtschaft auf sieben bis elf Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Die Kosten eines "Weiter so" seien aber viel höher: 90 Milliarden Euro jährlich, auch durch klimaschädliche Emissionen, Verschmutzung von Luft und Grundwasser und den Verlust von Artenvielfalt. Die Finanzierung hält die Kommission für eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe; sie plädierte für staatliche Förderung, aber auch höhere Lebensmittelpreise. Der Tierbestand muss demnach deutlich schrumpfen. 

Rukwied äußerte nun erneut seine Sorge über die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland. "Die Betriebe geben reihenweise auf." Die Zahl der in Deutschland gehaltenen Tiere sei so niedrig wie lange nicht. Umso wichtiger sei es, schnell mit dem Umbau der Tierhaltung zu beginnen, um Perspektiven zu schaffen.

Özdemir sichert Hilfe zu

Die Ampelkoalition hat sich vorgenommen, ab 2022 eine verbindliche Tierhaltungskennzeichnung einzuführen, die auch Transport und Schlachtung umfasst. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir hatte am Freitag im Bundestag den Bauern Unterstützung zugesichert und ihre Arbeit gewürdigt: Sie sorgten dafür, "dass wir täglich unser Essen auf dem Tisch haben". Es sei nicht in Ordnung "und auch nicht alternativlos", dass ein Landwirt von dem Euro, den ein Kunde im Laden für Schweinefleisch ausgebe, nur 22 Cent bekomme. "Das ist einfach eine Sauerei. Das kann man ändern, das muss man ändern und diese Koalition wird das ändern", kündigte der Minister an.

Laut Tierschutzpräsident Thomas Schröder muss die Entwicklung einer verpflichtenden staatlichen Tierschutzkennzeichnung Priorität haben. Diese müsse die gesamte Kette abdecken - von Zucht über Mast und Transport bis zum Schlachthof, sagte Schröder der "NOZ". Für einige Tiere gäbe es noch keine gesetzlichen Haltungsstandards. Ein Tierschutzkennzeichen würde die Regierung nicht von der Pflicht entbinden, gesetzliche Mindeststandards für alle Tiere zu schaffen. Diese fehlen zum Beispiel für Rinder, Puten, Schafe und Wassergeflügel, sagte Schröder.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Januar 2022 um 17:00 Uhr.