"Adler Real Estate"-Logo an der Front eines Neubaus.  | imago images/Achille Abboud

Immobilienkonzern in der Krise Adler Group hofft auf Milliarden-Erlös

Stand: 08.06.2022 10:40 Uhr

Die angeschlagene Adler Group will bis zum Jahresende Immobilien im Wert von mehr als einer Milliarde Euro verkaufen. Doch das Unternehmen sieht sich immer noch großen Problemen ausgesetzt.

Der Verwaltungsratsvorsitzende des Immobilien-Investors Adler Group, Stefan Kirsten, erwartet noch in diesem Jahr aus Immobiliengeschäften Liquiditätszuflüsse von gut einer Milliarde Euro für die angeschlagene Gruppe. "Das sind Projekte, bei denen wir Cash im laufenden Jahr erwarten", sagte Kirsten dem "Handelsblatt".

"Selbst wenn die eine Milliarde oder 1,2 Milliarden Euro in diesem Jahr nicht kommen sollten, werden wir immer noch cash-positiv abschließen", kündigte Kirsten an. Die Verkäufe würden sich in dem Fall lediglich verschieben.

Testat verweigert

Er sehe derzeit kein realistisches Szenario, das den Konzern "an die Wand drückt", so der Manager. Kirsten sagte jedoch auch: "Ohne einen Bestätigungsvermerk für den Jahresabschluss 2022 können wir nicht von Stabilität sprechen."

Zuletzt hatten die Wirtschaftsprüfer von KPMG das Testat für den Jahresabschluss 2021 verweigert. Angaben über einen möglichen Ersatz für KPMG hat Adler bisher nicht gemacht.

Im Visier von Leerverkäufern und Finanzaufsicht

Derzeit untersucht die Finanzaufsicht BaFin die Bilanzen des Unternehmens. Die Behörde hatte sich eingeschaltet, nachdem die Immobiliengesellschaft im Oktober ins Visier des Leerverkäufers Fraser Perring geraten war. Perring und sein Researchdienst Viceroy hatten schwere Vorwürfe gegen Adler erhoben - darin ging es unter anderem um die Bewertung von Immobilienprojekten.

Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück, musste aber bereits erhebliche Abschreibungen vornehmen. Perring ist bekannt durch den Bilanzskandal bei Wirecard, wo der britische Investor frühzeitig gewarnt hatte.

Adler-Aktie im Tief

Adler-Verwaltungsratschef Kirsten stellte für das Sorgenkind des Konzerns, den Projektentwickler Consus, einen so genannten Debt-Equity-Swap in Aussicht, also einen Tausch von Schulden gegen eine Beteiligung am Schuldner - oder einen Forderungsverzicht.

Die Aktie der Adler Group reagierte kaum auf die Äußerungen von Kirsten und notierte am Morgen in Nähe der Fünf-Euro-Marke. Vor einem Jahr war sie noch rund 26 Euro wert gewesen.