Ein Tachometer mit Kilometerstandanzeige | picture alliance / Oliver Berg/d

Tacho-Manipulation Ein verlockendes Geschäft

Stand: 21.11.2021 16:30 Uhr

Tacho-Manipulation an Gebrauchtwagen ist zwar Betrug, aber relativ einfach durchzuführen und schwer nachzuweisen. Geschädigt werden dadurch vor allem die Käufer und die Gebrauchtwagenbranche.

Von Andreas Clarysse, HR

Mit nur wenigen Klicks im Internet sind zahlreiche Geräte zu finden, die schon für Preise ab 30 Euro eine "automatische Kilometerkorrektur" versprechen. Viele dieser kleinen Steuereinheiten kommen aus China, einige auch aus dem europäischen Ausland. Mit dem mitgelieferten Kabel können sie in den Standard-Anschluss unter dem Lenkrad gesteckt werden, und die Manipulation kann losgehen.

Andreas Clarysse

Tacho-Manipulation verspricht hohe Gewinne

Markus Sippl, Leiter der ADAC Fahrzeugtechnik in Landsberg am Lech, beklagt diesen Zustand seit Jahren. "Der geschätzte Schaden", so Sippel, "liegt bei etwa sechs Milliarden Euro, da etwa jedes dritte Auto manipuliert sein könnte." Die wirklich guten Geräte, mit denen sich auch die Tachometer an neuesten Fahrzeugen verstellen lassen, kosten auch mal um die 4000 Euro. Selbst diese Investition lohne sich, da von einigen Betrügern im großen Stil manipuliert werde; etwa, wenn etwa eine ganze Leasingflotte "bearbeitet" wird.

Schon mit einem einzigen Fahrzeug kann man große Summen verdienen. So kostet ein vier Jahre alter Golf VII mit einer Laufleistung von 120.000 Kilometern 10.350 Euro. Je niedriger der Kilometerstand, desto teurer wird das Auto. Eine Manipulation könnte, je nach Tacho-Stand, etwa 2000 bis 4000 Euro einbringen: Hat das Auto 80.000 Kilometer runter, bekommt man dafür 12.250 Euro, stehen aber auf dem Tacho 40.000 Kilometer, ist das Auto noch 14.050 Euro wert.

Kein Anreiz für die Autoindustrie?

Diese Betrugsmasche will das Start-up CarCert bekämpfen. Dort erhalten Autobesitzer für 29,99 Euro ein Zertifikat, in dem die Tachostände des Autos abgelesen werden kann. Bisher funktioniert das so, dass CarCert dafür die Tachostände der regelmäßigen TÜV-Überprüfungen abfragt und mit dem Tachostand abgleicht. So sollen Käufer und ehrliche Verkäufer geschützt werden, in dem sie eine objektive Basis für die Kaufentscheidung bekommen, sagt Patrick Scharwenka, Geschäftsführer von CarCert.

Den ADAC Experten Sippl überzeugt dieses Konzept allerdings nicht komplett: "Das Problem an diesen Zertifikaten liegt darin, dass die Kilometerstände, die hier eingetragen werden, quasi manuell eingetragen werden. Die sind nicht mit Sicherheit richtig. Oder Fahrzeuge kommen erst nach dem dritten Jahr zur Hauptuntersuchung oder in die Werkstatt. Man hat also genug Möglichkeiten, den Kilometerstand vor dieser Aufzeichnung zu verändern."

Ein Problem von CarCert ist, dass sie nicht an die Daten der Autohersteller kommen - noch nicht. Man sei in Verhandlungen, so Geschäftsführer Scharwenka. Das führt auch zu einem der grundlegenden Probleme, auf das der ADAC seit Jahren hinweist: "Die Autoindustrie hat offensichtlich keinen Anreiz, beim Thema Tacho-Manipulation tätig zu werden, weil ihnen selbst hier kein Schaden entsteht. Den Schaden hat letztlich der Gebrauchtwagenkäufer. Und das ist das Dilemma, in dem wir stecken."

Es gibt bereits einfachen Schutz vor Manipulation

Dabei gibt es seit Jahren schon Chips, die in neueren Pkw verbaut sind und nur etwa einen Euro kosten. Sie speichern den Kilometerstand, so dass sich Tachomanipulation nahezu ausschließen lässt. Allerdings seien diese Chips teilweise nicht aktiviert und die Daten nicht für den Autobesitzer zugänglich, beklagt der ADAC.

Weder Autoindustrie noch der Fachhandel wollen diese Kritik so stehen lassen. Die Automobilhersteller würden sehr wohl sehr viel unternehmen, sagt Joachim Kuhn, Geschäftsführer vom Kfz-Gewerbe Hessen. Dutzende Computerchips seien in den neuen Fahrzeugen verbaut. Bei jedem Software-Update werde auch der Kilometerstand festgehalten. Man könnte also Manipulationen vermeiden, wenn diese Daten herausgegeben würden, denn de facto gehören sie dem Fahrzeugbesitzer.

Solange das aber nicht geschieht, sollte man sich gut überlegen, wo man sein Auto erwirbt. "Deswegen empfehlen wir", so Kuhn, "auch immer den Kauf im Fachhandel, denn dort kann die Werkstatt einen Datenabgleich durchführen und feststellen, ob die Fahrzeughistorie mit dem Kilometerstand übereinstimmt."

Ein weiterer Vorteil beim Kauf im Fachhandel: Hier gibt es ein Jahr Garantie. Der Käufer bekäme also Schadenersatz, würde eine Tacho-Manipulation aufgedeckt. Aber unter dem Strich wird das Thema so lange bestehen, bis die Autohersteller ein System entwickeln, das Veränderungen am Tacho unmöglich macht. Stichwort ist hier das "Security Gateway". Damit sollen nur noch Personen Geräte ans Auto anschließen können, die zuvor vom Hersteller die Erlaubnis dafür eingeholt haben.

Über dieses Thema berichtete das Mittagsmagazin am 18. November 2021 um 13:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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schiebaer45 21.11.2021 • 23:50 Uhr

22:54 von tunis

Derweil wir jeder Totalschaden in den USA aufgkauft, in Litauen zusammengebastelt und zugelassen und dann hier in Deutschland ohne weitere technische Abnahme mit angeblich minimalem Parkrempler verkauft, da er ja bereits in der EU zugelassen wurde. # Und genau so ein Totalschaden war das Auto was mein Enkel,wie ich oben schon geschrieben habe, gekauft hatte ,auch. Erst bei einer Fahrt bei Regenwetter haben wir gemerkt das wir nasse Füsse bekommen haben weil der Wagen unter der Fußmatte offen war.