Anna Paquet | SR

Klimaschutzmanager Die grünen Engel der Kommunen

Stand: 23.01.2021 08:19 Uhr

Fahrradständer, Recycling, Schulungen: Deutschlandweit kümmern sich rund 1300 Klimaschutzmanager um alles, was Städte und Kommunen im Kleinen gegen den Klimawandel tun können.

Von Céline Kuklik, SR

Anna Paquet vom Amt für Umweltschutz schaut zufrieden. Zusammen mit den Kollegen vom Amt für soziale Dienste und vom Bauordnungsamt steht die 26-Jährige auf dem mit Schnee bedeckten Parkplatz vor einer Jugend-Freizeiteinrichtung in Neunkirchen/Saar. Alle sind sich einig: Hier soll eine kleine Grünfläche entstehen für einen neuen Fahrrad-Stellplatz. Frei zugänglich, sprich: nicht hinter einem Zaun - und damit förderungsberechtigt.

Mit Förderanträgen kennt sich die Klimaschutzmanagerin aus. In dem Beruf arbeitet Paquet seit gut anderthalb Jahren. Studiert hat sie Umweltbio- und Umweltnaturwissenschaften in Trier und Braunschweig. "Ein ganz bestimmtes Studium wird nicht vorausgesetzt. Es kommt immer darauf an, an welches Amt die Stelle angedockt ist", sagt die gebürtige Dillingerin, die sich seit ihrer Kindheit für Umwelt und Natur begeistert. "In meinem Fall ist es das Amt für Umweltschutz, das hat gut zu meinem Profil gepasst."

Neunkirchens Klimamanagerin Anna Paquet | SR

Immer im Einsatz für ein klimafreundliches Neunkirchen: Klimamanagerin Anna Paquet. Bild: SR

"Klimaschutz keine zeitlich begrenzte Aufgabe"

In Deutschland gibt es etwa 1300 Klimaschutzmanagerinnen und -manager, die in den Städten und Kommunen angestellt sind - Tendenz steigend. Paquets Stelle ist zunächst auf drei Jahre befristet - denn so lange ist ein Großteil der Finanzierung durch das Integrierte Klimaschutzkonzept des Bundes gesichert. Die genaue Anzahl an Klimaschutzmanagern ist schwer zu ermitteln: Zwar bekommen über 700 Kommunen eine solche Unterstützung, aber es gibt auch einige, die keine Förderung beantragt haben oder die gleich mehrere beschäftigen. Kommunen und Städte stellen Klimaschutzmanager freiwillig an.

"Die Stadt leistet sich diese Stelle, weil sie sich dem Pariser Klimaabkommen verpflichtet fühlt und darüber hinaus auch anerkennt, dass man Veränderungen nicht erwarten, sondern aktiv herbeiführen muss, um dem Klimawandel entgegenzutreten. Es geht hierbei auch darum, den Menschen zu signalisieren, dass die Stadt einen zukunftsfähigen und nachhaltigen Weg einschlägt", sagt der Neunkircher Oberbürgermeister Jörg Aumann. Er gehe davon aus, dass der Beruf der Klimamanager nicht nur in städtischen Regionen in Zukunft gefragt ist, denn, so der SPD-Politiker: "Schließlich ist Klimaschutz keine zeitlich begrenzte Aufgabe."

Geduld und Durchhaltevermögen sind gefragt

Nur ein paar Kilometer weiter trifft sich die Gruppe zur nächsten Besichtigung. Auch auf dem Gelände des Sportvereins Kohlhof sollen vier bis fünf Anlehnbügel für Fahrräder gebaut werden. Nicht nur für die Fußballspieler und Zuschauer, sondern auch für Familien, die den nahegelegenen Spielplatz besuchen. Den groben Zeitrahmen, bis wann die Abstellanlage fertig sei, möchte der Verantwortliche des Vereins wissen. "2021", antwortet Paquets Abteilungsleiter Thomas Haas.

"Man braucht schon ein sehr gutes Durchhaltevermögen für den Job", sagt die Klimamanagerin, inzwischen zurück in ihrem Büro. Auf ihrem Schreibtisch stapeln sich Akten und Ordner mit bunten Zetteln als Markierung. Auch für kleine Projekte braucht sie einen langen Atem: "Es hat fast anderthalb Jahre gedauert, bis am Bahnhof Wellesweiler die Fahrradständer installiert waren. Allein bis ein Förderantrag bearbeitet wird, wartet man schon mal zwei bis fünf Monate."

Hausmeister werden geschult

Aber vor allem die Abwechslung mache ihren Beruf so spannend. Neben der Betreuung des Klimaprojekts, mit dem die Stadt Neunkirchen Energiespar- und Klimaschutzmaßnahmen ausbauen will, und der energetischen Dokumentation von städtischen Gebäuden hat Paquet noch andere Aufgaben: Sie organisiert Projekte in Schulen und Infoveranstaltungen für Bürger, schult Hausmeister im Energiesparen und kümmert sich um Umweltprojekte innerhalb der Verwaltung.

"Man kann in dem Job mit kleinen Dingen schon viel bewegen. Hier fällt so viel Müll durch das Kaffeetrinken an, dass ich mich für eine Biotonne stark gemacht habe." Außerdem würden in der Verwaltung Stifte recycelt, und sie würde gerne die Verwaltung komplett auf recyceltes Papier umstellen, sagt Paquet. "Das alles trägt schon zu einem besseren Klima bei. Die Kommune soll ja auch Vorbild sein."

Die Stadt spart Geld

Viele ihrer Aufgaben regelt die Klimaschutzmanagerin vom Schreibtisch aus. Eine ihrer ersten war die Mitarbeit am neuen Radverkehrskonzept von Neunkirchen, das der Stadtrat Ende 2020 einstimmig beschlossen hat. Alle Beteiligten bei der Ausarbeitung zu berücksichtigen, erfordert Kommunikationsgeschick. "Anna ist oft unsere Schaltzentrale, bei der die Fäden zusammenlaufen", sagt Abteilungsleiter Haas.

"Wer Energie einspart, spart Geld. Letztlich zahlt sich eine solche Stelle also auch finanziell aus", sagt der Oberbürgermeister. Wenn im kommenden Jahr die Finanzierung durch den Bund ausläuft, müsste die Stadt den Großteil der Kosten übernehmen - oder die Stelle fällt weg. Paquet sieht dem optimistisch entgegen: "2022 sind wir ja nicht fertig mit dem Klimaschutz, da wird es weiter Bedarf geben. Und in Neunkirchen gibt es da noch so viel zu tun."