Ein Mann träufelt eine Lösung auf eine Testkassette, die von Covid-19 verursachte Antigene nachweisen kann. | dpa

Corona-Pandemie Ist die Zeit der Tests vorbei?

Stand: 26.07.2021 05:50 Uhr

Niedrige Inzidenzen, steigende Impfquoten: Der Druck, sich auf Corona testen zu lassen, hat abgenommen. Das Angebot an kostenlosen Testmöglichkeiten geht zurück. Dafür werden die Tests im Handel billiger.

Von Tamara Land, SWR

Aldi war der erste. Am 6. März - einem Samstag - bot der Discounter erstmals Corona-Schnelltests für zu Hause an. Per Nasenabstrich konnte man so selbst prüfen, ob man sich mit SARS-CoV2 infiziert hatte. Eine Packung mit fünf Tests kostete knapp 25 Euro, am Vormittag war das Kontingent bundesweit ausverkauft. Der Run auf die Selbsttests war riesig, doch das Angebot blieb zunächst knapp und teuer.

Ein Selbsttest kostet heute so viel wie zwei Brötchen

Während nach und nach Supermärkte, Drogerien und Apotheken in das Geschäft einstiegen, machten gleichzeitig überall neue Zentren auf, in denen sich Bürger kostenlos auf Corona testen lassen konnten. Und die sogenannten Bürgertests hatten noch einen Vorteil: Anders als Selbsttests werden sie in Geschäften, Restaurants und Freizeiteinrichtungen akzeptiert. Die Folge: Der Run auf die Selbsttests endete so schnell, wie er begonnen hatte. Heute gibt es sie zum Stückpreis von 0,75 Euro. Das ist etwa so viel, wie man in der Bäckerei für zwei Weizenbrötchen zahlt.

Der Kampfpreis deutet auf ein Überangebot hin. Genaue Zahlen wollen die Händler nicht nennen. Von Aldi heißt es auf Nachfrage nur: "Mit Ausweitung der Testkapazitäten in den Testzentren und steigender Impfquote hat sich die Nachfrage erwartungsgemäß reduziert". Auch die Drogeriemarktkette dm hält sich bedeckt. "In den zurückliegenden Wochen schwankte die Nachfrage nach Corona-Selbsttest", sagt Sebastian Bayer, der als Geschäftsführer bei dm für den Bereich Marketing und Beschaffung zuständig ist. Derzeit sei die Nachfrage groß, weil vor allem Betriebe, Einrichtungen und Familien mit Kindern einen großen Bedarf hätten.

Dieser Bedarf könnte jedoch weiter zurückgehen, je mehr Menschen gegen das Virus geschützt sind. Aktuell sind laut Robert Koch-Institut knapp die Hälfte der Deutschen vollständig geimpft. Die Drogeriemarktkette dm schreibt, sie wolle das Angebot an Selbsttests an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten. Der Discounter Aldi verspricht, den "Kundinnen und Kunden vorerst auch weiterhin diese komfortable und einfache Möglichkeit der Tests" anzubieten.

Viele Apotheken testen nicht mehr

Den Test für zu Hause kann man auch in den meisten Apotheken noch kaufen, den kostenlosen Bürgertest bieten viele inzwischen jedoch nicht mehr an. Anfang Juni waren bundesweit etwa 2500 Apotheken auf dem Portal mein-apothekenmanager.de als Teststelle registriert. Inzwischen habe etwa die Hälfte davon das Angebot eingestellt oder zumindest reduziert, schätzt der Deutsche Apothekerverband, der das Portal betreibt.

Das liege zum einen an der geringeren Nachfrage. "Es lohnt sich nicht, die Infrastruktur aufrechtzuerhalten, wenn am Tag nur noch fünf Leute vorbeikommen", erklärt Dr. Ursula Sellerberg, die stellvertretende Pressesprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Zum anderen spielt aber auch die Vergütung eine Rolle. Diese wurde zum ersten Juli gesenkt: Statt maximal 18 Euro pro Test können Apotheken und Testzentren nun höchstens 11,50 Euro abrechnen. Apotheken hätten zum Teil separate Testräume eingerichtet und Personal abgestellt, erklärt Sellerberg. Durch die geringere Vergütung sei das nun für viele Apotheken nicht mehr attraktiv.

Private Testzentren rechnen sich kaum noch

Durch die Absenkung der Vergütung lohnen sich Testzentren auch für private Betreiber immer weniger. Allein in Hamburg haben mehr als 100 Schnelltestzentren dichtgemacht. Waren es im Juni noch mehr als 400, so gibt es heute nur noch 288, bestätigt der Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde Martin Helfrich. Dieser Trend lässt sich bundesweit beobachten. Von Stralsund über Bielefeld bis Stuttgart - überall werden Testzentren geschlossen. Die übrigen schränken die Öffnungszeiten ein. "Den Betreibern werde die Luft abgeschnürt", klagte bereits Anfang des Monats Christoph Neumeier, der Geschäftsführer von CoviMedical, einem der größten privaten Anbieter bundesweit.

Die Zeiten, in denen ein Corona-Test fünf Euro kostete, scheinen endgültig vorbei. Aus dem Millionengeschäft ist ein Kampf um die Existenz geworden. Doch Betreiber wie Neumeier bangen nicht nur um die eigene Zukunft. Sie fürchten auch, dass Testkapazitäten fehlen könnten, wenn sich nach den Sommerferien die Delta-Variante weiter ausbreitet - und die Inzidenzen wieder stark steigen.

Über dieses Thema berichtete die Sendung "SWR-Marktcheck" am 09. März 2021 um 20:14 Uhr.