Ein Besucher probiert die Playstation VR2 während einer Pressekonferenz von Sony vor dem Beginn der Technikmesse CES 2023 in Las Vegas, USA. | dpa

CES in Las Vegas beginnt Imagepflege für lädierte Techriesen

Stand: 05.01.2023 10:07 Uhr

In Las Vegas startet die Consumer Electronics Show CES. Traditionell stehen die Techgiganten aus dem Silicon Valley im Mittelpunkt. Doch deren glänzendes Image hat im vergangenen Jahr Kratzer bekommen.

Von Bo Hyun Kim, ARD-Börsenredaktion

Amazon, Apple, Microsoft, Netflix, Tesla, Meta und der Google-Mutterkonzern Alphabet - lange Zeit standen diese Techunternehmen vor allem für eines: unendliches und unaufhaltsames Wachstum. Diese Konzerne haben in vielen Bereichen Standards gesetzt. Im vergangenen Jahr erfolgte die Zäsur: Auftrage blieben aus, die Zahl der Abonnements ging zurück und Mitarbeitern wurde gekündigt. Ein schwarzes Jahr für die Branche.

"Zum einen gab es einige Aktien, die überbewertet waren", sagt Digitalexperte Roland Fiege zu den Gründen. Zum anderen habe sich die Inflation und die damit verbundene Angst vor Zinserhöhungen negativ ausgewirkt. Dritter Faktor: "Die Techaktien, die mit Werbung ihr Geld verdient haben, haben sinkende Werbeeinnahmen zu verzeichnen, das hat sich auf die Ergebnisse ausgewirkt."

Und viertens, so Fiege, "fehlende Ergebnisse - abgesehen von Apple -, die auch die normalen Anleger nicht begeistert haben". Die Folge: Allein die fünf wertvollsten Techunternehmen Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta haben fast vier Milliarden US-Dollar an Börsenwert verloren; die Aktien gingen auf Talfahrt.

Auch die Start-ups leiden

Die Krise der Riesen scheint nun auch die kleineren Innovationsmotoren der Tech-Start-ups zu erreichen. Während Investoren 2021 noch fleißig neue Ideen förderten, sank die Investitionssumme vergangenes Jahr mit knapp zwölf Milliarden US-Dollar auf die Hälfte.

Sebastian Klöß vom Branchenverband Bitkom sieht trotzdem positive Aspekte: "Start-ups haben gerade die Chance, schnell innovative Lösungen zu entwickeln. Diese können sie dann selbst vertreiben." Oft würden die kleinen Firmen aber auch Teil von großen Unternehmen - oder selbst zu einem großen Unternehmen der Zukunft: "Auch alle heutigen Techriesen haben letzendlich als kleine Start-ups begonnen", gibt Klöß zu bedenken.

Digitalisierung als Chance

Die Branche wandelt sich, und auch die Erwartungen der Konsumenten sind andere. Technologien sollen heute nicht mehr nur unterhalten und das Leben vereinfachen, sondern genutzt werden, um Zukunftsfragen zu lösen. Das fordert auch Kim Klebolte, Geschäftsführerin der Initiative "Digital für alle".

"Wir müssen es schaffen, gemeinsam mit den großen Technologieunternehmen Digitalisierung noch stärker als Chance zu verstehen und sie als Hilfe zu nutzen, um die großen Herausforderungen der Zukunft zu lösen." Und das, so Klebolte, seien vor allem die Themen Klimawandel, demographischer Wandel und Fachkräftemangel.

"Keine Panik"

Ein Leben ohne die Produkte der großen Techunternehmen kann sich wohl kaum jemand mehr vorstellen. Digitalexperte Fiege sieht den Einbruch der Techaktien daher gelassen. Zwar seien die Kurskorrekturen des vergangenen Jahres zum Teil immens. Aber: "Es gibt natürlich auch schon wieder Investoren, die diese niedrigen Kurse nutzen, um kräftig einzukaufen." Die Verluste änderten nichts daran, dass Techaktien auch weiterhin den Bereich dominieren werden, so Fiege: "Insofern keine Panik."