Lithium in Pulverform | REUTERS

Seltene Erden Bund will weniger Abhängigkeit von China

Stand: 26.07.2022 07:12 Uhr

Die deutsche Wirtschaft ist beim Import seltener Erden stark von China abhängig - ein Risiko, finden Handelsexperten und auch Bundespräsident Steinmeier. Die Regierung will mehr Breite bei den Zulieferern.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Hauptstadtstudio

Weder China noch ein anderes Land dürfe auf Dauer der jeweils einzige Partner sein, egal, ob bei Energie, Zwischenprodukten oder Rohstoffen, so mahnte Anfang des Monats Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einer Rede in Hamburg: "Wir müssen dafür sorgen, dass wir von keinem Land der Welt erpresst werden können. Deshalb müssen wir jetzt neue Partner finden und unsere politischen und wirtschaftlichen Beziehungen neu justieren."

Dietrich Karl Mäurer ARD-Hauptstadtstudio

Im Blick gehabt haben dürfte der Bundespräsident dabei auch 17 besondere Metalle, etwa Scandium, Yttrium oder Lanthan. Die als "seltene Erden" bezeichneten Stoffe werden zum Beispiel benötigt für die Herstellung von Smartphones, LED-Lampen, Elektromotoren oder von Magneten für Turbinen von Windkraftanlagen.

China mit Monopolstellung

China hat bei seltenen Erden ein Marktmonopol. Ein Risiko, findet die Leiterin des ifo-Zentrums für Außenwirtschaft in München, Lisandra Flach. Sie hat gerade erst untersucht, wie abhängig Schlüsseltechnologien in Deutschland von den Importen sind: "Seltene Erden sind als Rohstoffe mit kritischen Abhängigkeiten eingestuft, weil eine hohe Marktkonzentration hinsichtlich der Anzahl der Zulieferer herrscht. China verfügt über die größten Reserven weltweit und ist auch der wichtigste Exporteur weltweit. Und aktuell ist die deutsche Wirtschaft von Importen aus China stark angewiesen."

Besonders groß sei die Abhängigkeit in der Batterietechnik, Robotik und bei den erneuerbaren Energien. Die deutsche Wirtschaft beziehe seltene Erden nur von zwei der fünf weltweit größten Exporteure.

Breitere Aufstellung notwendig

Flach hält es für dringend nötig, dass man sich hier breiter aufstellt, stärker diversifiziert, denn: "Ein geringer Diversifizierungsgrad ist hinsichtlich der Zulieferer ist mit einem höheren Risiko von Lieferausfällen verbunden. Und das ist der Fall bei seltenen Erden."

Hinzu kommt die Abhängigkeit beim Preis. Das Problem sei seit langem bekannt - so heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium: "Es gibt eine Rohstoffstrategie, in der das adressiert wird. Auch bei der EU-Kommission ist das längst ein Thema. Aber die Diversifizierung von Lieferquellen ist in der jetzigen Situation und unter dem Eindruck der Energiepolitik noch mal in den besonderen Fokus gerückt."

Die Bundesregierung, die den Unternehmen nicht vorschreiben kann, wo und bei wem sie ihre Rohstoffe einkaufen, versucht mit einem Maßnahmenbündel lenkend einzugreifen: "Ein wichtiger Punkt ist zum Beispiel, Handelshemmnisse zu verringern." Etwa durch fallende Zollschranken bekämen auch andere Lieferanten eine Chance. "Dann gibt es verschiedene Außenhandelsinstrumente, Förderinstrumente - zum Beispiel Investitionsgarantien."

Mit diesen würden Investoren bei der Erschließung von Rohstoffen im Ausland unterstützt. Zudem sei man dabei, die Wirtschaftsbeziehungen diplomatisch stärker zu flankieren.

Und ganz diplomatisch betont ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums: "Diese Bemühungen der Diversifizierung sind nicht gegen China gerichtet." Vielmehr gehe es um die allgemeine politische Bemühung, sich bei Lieferquellen breiter aufzustellen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. Juli 2022 um 13:50 Uhr.