Betrugsverdacht gegen Investmentbank US-Börsenaufsicht klagt Goldman Sachs an

Stand: 17.04.2010 03:39 Uhr

Eines der einflussreichsten Geldhäuser der Welt soll Anleger betrogen haben: Die US-Börsenaufsicht SEC klagt die US-Investmentbank Goldman Sachs an. Das ließ nicht nur die Aktie des Instituts um zeitweilig mehr als zehn Prozent einbrechen. Weltweit gerieten die Aktienmärkte unter Druck.

Von Lena Bodewein, NDR-Hörfunkstudio New York

Robert Khuzami von der Börsenaufsicht SEC spricht ganz gelassen aus, was die Finanzwelt in Aufregung versetzte: Betrugsvorwürfe gegen eines des einflussreichsten Finanzhäuser der Welt. Die Börsen reagierten nervös, die Kurse vieler Banken fielen, der Dow Jones Index sank um 125 Punkte, die Goldman-Sachs-Aktie um fast 13 Prozent.

Das Unternehmen habe seine Anleger in die Irre geführt und ihnen wesentliche Informationen vorenthalten, sagt Khuzami. Goldman Sachs habe ein Finanzprodukt geschaffen, das mit zweitklassigen Hypothekenkrediten unterlegt war. Dieses Produkt schufen sie, so sagt die Börsenaufsicht, auf Antreiben von Paulson & Co., einem wichtigen Kunden der Bank.

Die Goldman-Sachs-Zentrale in New York
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Die Goldman-Sachs-Zentrale in New York

Anleger hinters Licht geführt

Dies geschah 2007, kurz bevor die Immobilienblase platzte. Noch stiegen die Häuserpreise, doch erste Investoren misstrauten dem Boom. Nach den Erkenntnissen der SEC wettete der einflussreiche Hedgefonds Paulson damals auf ein Platzen der Blase und suchte mit Hilfe von Goldman Sachs Anleger, die immer noch auf weiter steigende Preise hofften.

"Diese Anleger glaubten, dass sie in ein Portfolio investierten, das eine objektive Instanz ausgewählt hatte. Ihnen wurde verschwiegen, dass dieses Portfolio von einem Hedgefonds zusammengestellt wurde, der ein großes Interesse daran hatte, dass das Produkt Verluste machte", erklärt Khuzami.

Anleger um eine Milliarde Dollar gebracht

Auf diese Weise soll Goldman Sachs die Anleger um insgesamt eine Milliarde Dollar gebracht haben. Dazu gehörte auch die gestrauchelte deutsche Mittelstandsbank IKB, sie soll rund 150 Millionen Dollar verloren haben. "Die IKB hätte nicht in diese Transaktion investiert, wenn sie gewusst hätte, dass Paulson eine wichtige Rolle in der Auswahl der Sicherheiten spielte", heißt es in der 22-seitigen Anklageschrift.

Hohe Strafe droht

Goldman Sachs hat die Vorwürfe als komplett haltlos zurückgewiesen, die Bank werde sich energisch dagegen zur Wehr setzen, hieß es in einer Stellungnahme. Neben dem guten Ruf des Hauses steht auch eine Menge Geld auf dem Spiel. Die Rede ist von einer Strafe in Milliardenhöhe.

Goldman Sachs wird wohl nicht der einzige Fall bleiben, vermuten Experten, und Robert Khuzami bestätigt das: "Die Botschaft an die Anleger ist, dass die Börsenaufsicht alle Produkte, Märkte und Transaktionen aggressiv untersucht, die mit der Finanzkrise zusammenhängen. Wir werden dieses und ähnliches Benehmen sehr genau untersuchen." Anleger müssten wissen, mit wem sie es zu tun haben, selbst institutionelle Anleger haben das Recht auf Schutz durch die Bundesgesetze für Wertpapierhandel.

Der Imageschaden für Goldman Sachs ist immens

Schon lange wurde Investmentbanken vorgeworfen, die extrem riskanten hypothekengedeckten Anleihen an ihre Kunden verkauft und gleichzeitig dagegen gewettet zu haben. Jetzt macht die SEC diese Vorwürfe erstmals konkret.

"Man muss sich fair verhalten", diese Botschaft richtet Khuzami an die Aktienhändler und Banken. "Sie dürfen keine wesentlichen Informationen vorenthalten, die die Gesetze vorschreiben. Andernfalls müssen sie die Konsequenzen tragen." Dies steht Goldman Sachs jetzt bevor. Der Imageschaden ist immens: Bisher galten sie als diejenigen, die aus der Finanzkrise relativ unberührt hervorgegangen waren. Damit könnte es vorbei sein.

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