Schriftzug von Standard & Poor's

Standard & Poor's senkt den Daumen Russlands Bonität auf Ramschniveau

Stand: 26.01.2015 20:56 Uhr

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hat Russlands Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau gesenkt. Die finanziellen Puffer des Landes seien angesichts des Verfalls der Währung Rubel und der abgeschwächten Erträge durch Ölexporte in Gefahr, so die Agentur.

Standard & Poor's hat die Bonität für Russland von BBB- auf BB+ und damit auf Ramschniveau gesenkt. Eine weitere Abwertung werde nicht ausgeschlossen. Russland habe in seiner Geldpolitik an Flexibilität eingebüßt, begründete die Agentur ihren Schritt. Auch die Wachstumsaussichten hätten sich verschlechtert.

Die Lage im russischen Bankensystem verschlechtere sich, womit die Geldpolitik der Zentralbank an Grenzen stoße, erklärte S&P. Diese stehe wegen der inflationstreibenden Abwertung des Rubels vor schwierigen Entscheidungen, da sie zugleich das Wirtschaftswachstum stützen müsse.

Schriftzug von Standard & Poor's

Auch Standard & Poor's setzte nun Russlands Bonität herab

Der durch Kapitalflucht und den massiven Verfall der Ölpreise unter Druck geratene russische Rubel reagierte mit starken Verlusten auf die Mitteilung. Zwischenzeitlich mussten mehr als 68 Rubel für einen US-Dollar bezahlt werden. Das waren über fünf Prozent mehr als vor der Bekanntgabe des neuen Ratings.

Die EU und die USA haben zudem wegen der Haltung Russlands im Konflikt in der Ukraine Wirtschaftssanktionen verhängt. Im Gegenzug hat Moskau einen Importstopp für Lebensmittel aus dem Westen beschlossen.

Mehr Kapitalflucht droht

Russlands Wirtschaftsminister Alexej Uliukajew hatte eine Herabstufung seines Landes kürzlich schon als wahrscheinlich bezeichnet, nachdem Standard & Poor's im Dezember eine Warnung an Moskau gerichtet hatte.

Die Herabstufung auf Ramschniveau bedeutet, dass russische Staatsanleihen bei bestimmten Investoren automatisch aus dem Portfolio genommen werden. In der Folge droht eine Zunahme der Kapitalflucht.

Auch andere Ratingagenturen hatten schon die Bonität Russlands abgesenkt. Bei Moody's und Fitch hat das Land derzeit aber noch "Investment-Status".

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KOMMENTARE

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Freebooter 27.01.2015 • 04:24 Uhr

Russische Wirtschaft in Schwierigkeiten

Ich kann den Aufschrei mancher Schreiber nicht nachvollziehen. Eine Rating-Agentur senkt die Bonität Russlands, weil die russische Wirtschaft in großen Schwierigkeiten steckt. Vor einem Jahr bekam man für 1 Euro rund 45 Rubel. Heute kostet 1 Euro rund 75 Rubel. Im November 2014 lag das russische Bruttoinlandsprodukt rund 0,5 % unter dem des Novembers 2013. Für 2015 sagen russische Regierungsstellungen eine weitere Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts voraus. Die jährliches Inflationsrate lag in Russland zuletzt bei 11%, Tendenz steigend. Um seinen Staatshaushalt auszugleichen, benötigt Russland einen Ölpreis von rund 100 Dollar je Barrel. Zurzeit liegt er bei 50 Dollar. Die russische Zentralbank hat den Leitzinssatz auf 17% jährlich erhöht, um den Kapitalabfluss zu stoppen. Sie beziffert den Netto-Kapitalabfluss für 2014 auf 151 Milliarden Dollar. Angesichts dieser Zahlen ist es sachlich begründet, die Kreditwürdigkeit Russlands auf Ramschniveau zu senken.