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Galeria Karstadt Kaufhof Was Benko an Kaufhäusern reizt

Stand: 27.01.2021 19:57 Uhr

Die Bundesregierung gewährt der Kaufhauskette Karstadt Kaufhof mehrere Hundert Millionen Euro Staatshilfe. Dabei hat deren Besitzer, René Benko, längst andere Pläne für die meist defizitären Häuser.

Von Lothar Gries, tagesschau.de

Die Übernahme der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) entpuppt sich für den Tiroler Milliardär und Selfmademan René Benko zu einem milliardenschweren Fiasko. Durch den seit Dezember andauernden Lockdown brechen der Kette mit ihren über 28.000 Mitarbeitern angesichts geschlossener Filialen die Umsätze weg. Das Unternehmen schätzt die fehlenden Einnahmen auf mindestens 80 Millionen Euro pro Woche.

Dabei hat GKK erst Ende September vergangenen Jahres ein Insolvenzverfahren abgeschlossen. Danach sollte dem letzten verbliebenen deutschen Warenhauskonzern durch die Schließung von mehr als 40 Filialen, den Abbau von rund 4000 Stellen und die Streichung von mehr zwei Milliarden Euro Schulden ein Neustart ermöglicht werden. Eigentümer Benko stellte 400 Millionen Euro bereit.

Bis zu 460 Millionen Euro Staatshilfe

Nun geht dem Warenhauskonzern schon wieder das Geld aus. Nach übereinstimmenden Medieninformationen will die Bundesregierung den angeschlagenen Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof mit einem Darlehens in Höhe von bis zu 460 Millionen Euro stützen. Dies hat den Angaben zufolge der Ausschuss des Wirtschaftsstabilisierungsfonds beschlossen.

Rettet der Bund damit ein längst von der bunten weiten Welt des Online-Shoppings überholtes Geschäftsmodell? Der Eigentümer, die von Benko gegründete Signa-Gruppe, hat in den letzten Jahren gezeigt, wohin die Reise für die meisten Warenhäuser von Karstadt und Kaufhof führen wird: zur Abrissbirne.

Benko setzt auf Luxuskaufhäuser

Benko scheint davon überzeugt, dass künftig nur Luxuskaufhäuser in ausgewählten Metropolen wie das KaDeWe in Berlin oder das Alsterhaus in Hamburg überleben werden. 500 Millionen Euro werden derzeit in die architektonische Aufwertung der Luxushäuser investiert. Dazu wurden Stararchitekten wie der Niederländer Rem Koolhaas und der Brite David Chipperfield engagiert.

"Einzelhandel überlebt nur, wenn wir Orte schaffen, die besonders sind", sagt Thibault Chavanat, der Projektleiter eines anderen Megaprojekts der Signa-Gruppe. So will Signa das einst größte europäische Warenhaus am Berliner Hermannplatz nach dem Vorbild des ursprünglichen Gebäudes aus den 1920er Jahren neu errichten.

Ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten, denn die Berliner Grünen und Linken-Politiker stemmen sich mit aller Macht gegen das Projekt. Dabei zeigen die Pläne, dass Signa das Konzept eines reinen Warenhauses wie es sie derzeit noch gibt für überholt hält. So sollen in dem Riesenbau am Hermannplatz neben dem Einzelhandel auch Flächen für Büros, bezahlbare Wohnungen, Sport und lokale Institutionen angeboten werden.

Bestlage der Immobilien gesucht

Laut den vor der Pandemie bekannt gewordenen Plänen will Signa in den kommenden Jahren 3,5 Milliarden Euro in Berliner Immobilien investieren. Diese Zahl nannte der Chef von Signa Deutschland, Timo Herzberg, im Gespräch mit der Berliner Morgenpost.

Tatsächlich sind es jedoch weniger die Kaufhäuser, die das Interesse der Gruppe wecken, als vielmehr deren Bestlage in den Städten und das damit verbundene Entwicklungspotenzial. Erweisen sich die traditionellen Kaufhäuser als nicht überlebensfähig, lässt sich der Standort mit anderen Konzepten entwickeln, darunter Büros, Hotels und Wohnungen.

Neben sogenannten "Landmark Buildings" wie dem KaDeWe oder dem Oberpollinger in München gehören deshalb auch andere Häuser in Toplagen zum Portfolio von Signa, darunter die Galeria Kaufhof-Häuser am Alexanderplatz in Berlin und auf der Zeil in Frankfurt sowie das Carsch Haus in Düsseldorf. Auch in München hat Signa mächtig investiert. Die Lokalpresse spricht schon von einer "Benko-Meile" die sich vom Hauptbahnhof bis zum Viktualienmarkt erstreckt, weil Signa dort mehrere "Filetgrundstücke" gehören. Signa beziffert den Wert seiner Immobilien auf 15 Milliarden Euro.

Namhafte Investoren

Möglich gemacht hat diese Expansion eine Reihe namhafter Investoren, darunter die Peugeot-Familie. Sie hat vor zwei Jahren für 186 Millionen Euro fünf Prozent der Anteile an Signa Prime Selection, der Immobilienbranche der Gruppe, erworben. Auch die Kühne Holding, die Investmentgesellschaft des gleichnamigen deutschen Unternehmers, gehört zu den Geldgebern. Wie es um die Ertragskraft des Unternehmens steht, ist allerdings nicht bekannt. Als privat geführtes Unternehmen muss Signa nur das Nötigste preisgeben.

Wie sich Signa künftig den Einzelhandel vorstellt und erreichen will, dass die Innenstädte auch ohne Kaufhäuser beliebte und belebte Orte bleiben, zeigt das jüngste Projekt in Hamburg. Dort will der Konzern am Standort der heutigen Gänsemarktpassage in den kommenden Jahren ein gemischt genutztes Gebäude errichten - mit direktem Zugang zu den Colonnaden.

Schöne, offene Höfe und ein vielfältiger Mix an Nutzungen, Wohnen eingeschlossen, werde diesem wichtigen Ort der Hamburger Innenstadt neues Leben einhauchen, heißt es in der Mitteilung von Signa. Baubeginn ist nach dem Abbruch der heutigen Passage für April 2023 geplant, die Fertigstellung für April 2025.

Hochpreisige Objekte

Dieses Beispiel wie auch andere Baupläne zeigen, dass Signa-Chef Benko sich auf hochpreisige Objekte konzentrieren will. Dagegen räumt er dem klassischen Warenhaus im mittleren Sortiment keine Chancen ein.

Bereits im vergangenen Jahr hat er sich deshalb von 17 Immobilien der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof getrennt. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge belief sich der Kaufpreis auf rund 700 Millionen Euro und betraf ausschließlich Standorte in mittelgroßen Städten.

Staatshilfen für Karstadt Kaufhof sind sicher dazu geeignet, kurzfristig gefährdete Arbeitsplätze zu retten. Mittelfristig jedoch dürften die meisten der noch existierenden Häuser der Signa-Gruppe vom Markt verschwinden.