Die VW-Konzernzentrale in Wolfsburg | dpa

Dieselskandal VW soll sich Kredite erschlichen haben

Stand: 01.08.2017 13:17 Uhr

Volkswagen muss sich gegen neue Vorwürfe im Abgasskandal rechtfertigen. Der Konzern erhielt öffentliche Kredite, um saubere Motoren zu entwickeln. Das Geld soll jedoch in Motoren geflossen sein, deren Abgaswerte später manipuliert wurden.

Von Sebastian Schöbel, ARD-Studio Brüssel

Das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (Olaf) erhebt ernste Vorwürfe gegen Volkswagen im Zusammenhang mit dem Diesel-Abgasskandal. Der Autokonzern soll sich von der Europäischen Investitionsbank Geld für die Entwicklung von Dieselmotoren unter Angabe falscher Informationen besorgt haben.

Sebastian Schöbel ARD-Studio Brüssel

Die Anti-Betrugsbehörde bestätigte auf Nachfrage der ARD in Brüssel entsprechende Medienberichte. Die zuständigen Manager hätten gewusst, so die Olaf-Ermittler, dass die Motoren nur dank Schummelsoftware die Abgastests bestehen. Unter diesen Umständen hätte die Europäische Investitionsbank das Geld nie bewilligt.

Staatsanwaltschaft eingeschaltet

Die Olaf-Mitarbeiter hatten im Jahr 2015 eine Untersuchung zu VW eingeleitet und nun beendet. Nun hat die Behörde die Staatsanwaltschaft Braunschweig gebeten, juristische Schritte einzuleiten.

Insgesamt geht es um 400 Millionen Euro, die die Investitionsbank VW als Kredit zur Verfügung gestellt hat - und zwar explizit für die Entwicklung sauberer Motoren. Das bestätigte die Bank auf Nachfrage des ARD-Studios Brüssel. Um andere EU-Kredite, die im Laufe der Jahre an Volkswagen ausgezahlt wurden, gehe es bei den Ermittlungen nicht - noch nicht jedenfalls, wie eine Sprecherin der Investitionsbank der ARD sagte. Der Kredit sei inzwischen planmäßig zurückgezahlt worden.

VW weist Vorwürfe zurück

Volkswagen wies die Vorwürfe von Olaf zurück. Der Konzern teilte mit, man habe die Gelder der Europäischen Investitionsbank "zweckgemäß verwendet". Das habe die Europäische Investitionsbank in einer eigenen Untersuchung bestätigt, so der Konzern. Dieser Darstellung widerspricht die Bank allerdings vehement.

Wie das ARD-Studio Brüssel erfuhr, wurde die Untersuchung der Investitionsbank zum Abgasskandal mit Beginn der Ermittlungen durch Olaf lediglich auf Eis gelegt. Man könne ganz und gar nicht ausschließen, dass VW die 400 Millionen Euro der Europäischen Investitionsbank dafür verwendet hat, um Dieselmotoren zu entwickeln, bei denen später massiv geschummelt wurde.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. August 2017 um 12:42 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
pogointogo 01.08.2017 • 20:50 Uhr

Die Hoffnung stirbt zuletzt

In Hinblick auf die notwendigen, strafrechtlichen Konsequenzen kann man in der Bananenrepublik Deutschland noch lange warten, dass da ausser ein paar Fingerwatschen etwas passiert. Dafür ist die Vernetzung von Politik, Grosskapital und Industrie zu gross. Moralisch gesehen sind das für mich alles Asoziale, die über Leichen gehen. Solange uns die Gerichte nicht mit gerechten, fairen und nachvollziehbaren Urteilen diesbezüglich beglückt, ist alles nur Augenwischerei und füllt die Schlagzeilen und Abendnachrichten. Man muss diese Bagage mit der notwendigen Verachtung und Kaufverweigerung strafen, denn beim Geld trifft man sie Alle empfindlich. Mein nächster Wagen wird deshalb keiner deutschen Produktion mehr entsprungen sein. Das die Angestellten der betroffenen Firmen sich so eine "Führung" noch weiter leisten spricht doch Bände über die Verkommenheit der Bürger insgesamt. Solange es läuft, hievt man die Gangster aufs Tableau und hoffiert sie...