Mittelstand
Interview

Gespräch zum Mittelständischen Unternehmertag "Unsere Innovationskraft ist unsere Stärke"

Stand: 11.10.2012 12:10 Uhr

In Leipzig findet heute der Mittelständische Unternehmertag statt. Und es gibt Grund zum Feiern: Denn vor allem die Mittelständler sind Deutschlands Stärke in der Schuldenkrise. Nirgendwo sonst gebe es so viele "Hidden Champions", betont der Ökonom Hermann Simon im Interview mit tagesschau.de.

tagesschau.de: Sie haben den Begriff "Hidden Champions", also heimliche Gewinner geprägt. Was ist damit gemeint?

Hermann Simon: Ein "Hidden Champion" ist ein mittelständischer Weltmarktführer, der in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Und mit 48 Prozent sind fast die Hälfte der weltweiten "Hidden Champions" in Deutschland. Das ist die Stärke unserer Wirtschaft.

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Zur Person

Hermann Simon lehrte Marketing an den Universität Mainz, der Harvard Business School, der Stanford University und der Keio University. Zudem arbeitete er als Unternehmensberater und Publizist. Mit seinem 1996 erschienenen Buch „Die heimlichen Gewinner“ prägte er den Begriff "Hidden Champions". Sein aktuelles Buch trägt den Titel "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia: Die Erfolgsstrategien unbekannter Weltmarktführer".

tagesschau.de: Warum haben diese Unternehmen denn die Wirtschaftskrise besonders gut überwunden?

Simon: Sie haben zwei Pfeiler: Zum einen sind sie Spezialisten, und nur mit Spezialisierung wird man auch Weltklasse. Zugleich macht Spezialisierung aber auch den Markt klein. Daher setzen diese Unternehmen auf Globalisierung und erschließen sich damit wieder größere Märkte. Mit dem weltweiten Verkauf sichern sie sich auch genug Wachstumschancen.

tagesschau.de: Warum funktioniert das in Deutschland so gut und nicht in anderen Ländern?

Simon: Es gibt eine ganze Reihe von Ursachen. Ein Aspekt hat dabei aber eine besondere Bedeutung: unsere Innovationskraft. Das europäische Patentamt verleiht jedes Jahr an deutsche Unternehmen - und vor allem an Mittelständler - 12.500 Patente. Im Vergleich dazu bekommt Griechenland 16 Patente, Portugal 29 und Spanien immerhin 390 Patente. Diese Zahlen sagen mehr als tausend Worte. Unsere Innovationskraft ist die Basis, auf der die Überlegenheit der deutschen Wirtschaft an den Weltmärkten aufbaut.

tagesschau.de: Also kein Modell für die krisengeplagten Euroländer wie Spanien, Italien oder auch Griechenland?

Simon: Teilweise könnte das schon ein Modell sein. Denn diese Länder müssen ihre Innovationskraft verstärken, beispielsweise durch bessere Ausbildung und technische Hochschulen. Zudem müssen sie dort auch stärker auf die Kosten achten. Man kann also einiges von den deutschen "Hidden Champions" auf diese Länder übertragen, aber eben nicht alles. Denn ein wichtiger weiterer Pfeiler ist das deutsche Ausbildungssystem. Spanien hat sich zwar gerade entschlossen ein ähnliches System einzuführen, aber bis das durchschlägt und wirkt, wird es wohl noch zehn Jahre dauern.

Das Interview führte Jan Hofer für tagesschau24

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KOMMENTARE

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papilobbi 11.10.2012 • 18:19 Uhr

@ Miauzi

Zitat: "Wenn man bedenkt das heute auch die Aussenabmessungen von Handys und die ICONS auf deren Bildschirm patentiert sind... ..dann sagt die Anzahl von Patenten rein gar nix über eine tatsächliche Innovativkraft aus!!" _________________________________________ Ich kann mich noch an einen Marken- bzw. Patentstreit erinnern, in dem eine Kieferorthopädin etliche Zahnärzte abmahnen lies, weil sie einen grünen Apfel in ihrem Werbelogo darstellten. Gottseidank hat Apple nichts davon mitbekommen.