Schilder verschiedener Mietwagen-Anbieter | dpa

Autovermietung Preise für Mietwagen explodieren

Stand: 13.10.2021 08:24 Uhr

Die Preise für Mietwagen sind drastisch teurer als vor der Corona-Pandemie. Die Preissteigerungen treffen Urlauber in einigen Regionen besonders hart.

Wer sich jetzt im Urlaub einen Mietwagen nimmt, muss deutlich mehr bezahlen: Bis zu 78 Prozent kann ein Mietwagen in diesem Jahr mehr kosten als vor der Corona-Pandemie. Das ergab eine Auswertung des Portals Check24. Vor allem in beliebten Urlaubsländern wie Spanien und Italien ist der Anstieg zum Vorkrisenniveau enorm. Dort müssen Urlauber bis zu 150 Prozent mehr für einen Mietwagen zahlen.

Auch im Vergleich zu 2020 sind die Preise noch einmal deutlich angestiegen, wie eine Auswertung des Verbraucherportals Billiger-mietwagen.de zeigt. Etwa 40 Prozent mehr als im vergangenen Jahr kosten Mietwagen im Oktober. Besonders in Spanien und Italien sind demnach Mietwagen mehr als 80 Prozent teurer geworden. Jens Hilgerloh, Präsident des Bundesverbands der Autovermieter (BAV), nennt als einen der Gründe, dass "Vermieter, bedingt durch das Saisongeschäft, die Kosten für die Fahrzeuge in wenigen Saisonmonaten einfahren müssen" und dabei die gestiegenen Preise, unter anderem für Benzin, an die Kunden weitergeben.

Herbstferien sind nicht Preistreiber Nummer eins

In Deutschland bekommen Verbraucher das Plus ebenfalls zu spüren: Im Vergleich zum vergangenen Jahr kosten Mietwagen etwa 32 Prozent mehr. Damit fällt der Aufschlag zwar geringer aus als in den Mittelmeerländern, dennoch ist der Unterschied zum Vorjahr deutlich. Und im Verhältnis zum Vorkrisenniveau sind die Preise gar um 93 Prozent gestiegen, wie aus der Auswertung von Check24 hervorgeht.

Dabei scheinen nicht unbedingt die Herbstferien der Preistreiber zu sein: Check24 hat die aktuelle Situation mit den Preisen vor vier Wochen, also außerhalb der Herbstferien, verglichen. Hier liegt der Anstieg im Schnitt nur bei fünf Prozent, in einigen Ländern wie Italien gibt es sogar Rückgänge.

Chipmangel in der Autoindustrie wird zum Problem

Die Preissteigerung war bereits abzusehen, da die Händler zu wenig Fahrzeuge im Bestand haben: Zuletzt warnten Händler wie Sixt, dass durch Produktionsengpässe in der Autoindustrie die große Nachfrage nach Mietwagen vermutlich nicht bedient werden könnte. "Nach den vorläufigen Veröffentlichungen der jeweiligen nationalen Automobilverbände lagen die westeuropäischen Pkw-Zulassungen im September circa 26 Prozent unter Vorjahresniveau, wie die Automobilwoche schreibt", berichtet Jens Hilgerloh. Die Lage bei den Autobauern habe sich so zugespitzt, dass manche Autovermieter gar nicht beliefert würden. Dadurch können sie ihre zuvor verkleinerten Flotten nun nicht wieder aufbauen.

So ließe sich die Nachfrage, die sich langsam wieder in Richtung Vorkrisenniveau entwickelt, nicht decken, bestätigt Sixt-Chef Alexander Sixt: "Unabhängig von der aktuellen Herbstferienzeit nähert sich das Mobilitätsverhalten der Menschen wieder der Vorkrisenzeit an", sagt er. "Die hohe Nachfrage trifft nach wie vor auf eine Knappheit bei den verfügbaren Mietwagen." Daher sehe man aktuell "vereinzelt ein erhöhtes Preisniveau bei Mietwagen".

Verkleinerte Flotten

Neben dem Chipmangel nennt der Sixt-Chef noch einen anderen Grund für das verknappte Angebot: Die Mietwagenflotten waren in der Corona-Krise verkleinert worden, wodurch nun Autos fehlen. Teilweise wurden die Bestände während der Krise um bis zu zwei Drittel heruntergefahren. Sixt versucht nun gegenzusteuern und die Flotte wieder aufzubauen. Allein im zweiten Quartal habe man 70.900 Fahrzeuge eingekauft.

Über dieses Thema berichtete die Börse vor Acht am 28. Mai 2021 um 19:55 Uhr.