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Softwareriese will schnell nachbessern EU-Kommission leitet Verfahren gegen Microsoft ein

Stand: 17.07.2012 15:45 Uhr

Die EU-Kommission hat ein Verfahren gegen Microsoft eingeleitet, weil der Softwareriese Windows-Nutzern seit Februar vergangenen Jahres nicht mehr automatisch alternative Webbrowser anzeigt. Das Unternehmen räumte einen "technischen" Fehler ein, den es rasch beheben wolle.

Martin Bohne ARD-Studio Brüssel

Von Martin Bohne, MDR-Hörfunkstudio Brüssel

Microsoft und die EU-Kommission - da kann man wohl nicht von einer Liebesbeziehung sprechen. Seit mehr als zehn Jahren ermittelt Brüssel immer wieder gegen den weltgrößten Softwarehersteller und hat dabei schon Geldbußen von mehr als anderthalb Milliarden Euro verhängt.

Die EU-Wettbewerbshüter finden, dass Microsoft seine marktbeherrschende Stellung bei PC-Betriebssystemen ziemlich schamlos ausnutzt: Auf einem Großteil der Personalcomputer läuft Windows, und diese Dominanz nutzt das US-Unternehmen, um auch andere Konzernprodukte wie den Windows Media Player oder den Internet Explorer bevorzugt an den Mann zu bringen.

Und um den Internet Explorer geht es auch diesmal. Der wird von Microsoft Windows automatisch als Standardbrowser installiert. Alternativen wie Mozillas Firefox oder Googles Chrome müssen Kunden selbst aus dem Netz herunterladen.

Wahlmöglichkeiten klammheimlich abgeschafft ...

Die EU-Kommission hatte diese Praxis vor drei Jahren für wettbewerbswidrig erklärt und Microsoft die rechtlich verbindliche Verpflichtung abgerungen, europäischen Windows-Nutzern automatisch eine Auswahloption anzubieten. Die Nutzer sollen so mühelos entscheiden können, welchen Browser sie neben oder anstelle von Microsofts Internet Explorer installieren wollen.

Aber Microsoft hielt sich nicht sehr lange an seine Zusagen, wie EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia festellen musste: "Obwohl Microsoft noch im Dezember 2011 der Kommission versichert hat, dass der Auswahlbildschirm angeboten wird, haben wir von Konkurrenten Hinweise erhalten, dass das Unternehmen schon seit Februar 2011 seiner Verpflichtung nicht mehr nachkommt."

Denn seit Februar 2011 bietet Microsoft das Service Pack 1 für Windows 7 an. Und da fiel die Browser-Option klammheimlich unter den Tisch. "Und deswegen", so rechnet Almunia vor, "dürften um die 28 Millionen Internet-Nutzer den Auswahlbildschim nicht gesehen haben."

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Microsoft wurde erwischt, als es Zusagen nicht einhielt.

Hauptgebäude der EU-Kommission

Der Konzern eckte nicht zum ersten Mal bei der EU-Kommission an.

... oder war es doch ein Versehen?

Die EU-Kommission will sich natürlich nicht so vorführen lassen und hat eine Untersuchung eingeleitet. Die dürfte nicht sehr spannend werden, denn Microsoft hat inzwischen die Zuwiderhandlung selbst eingestanden. Dennoch will Almunia Härte zeigen: "Das kann schwere Konsequenzen haben. Wir achten sehr strikt darauf, dass unsere Entscheidungen befolgt werden. Sollten sich die Zuwiderhandlung bestätigen, dann wird es Sanktionen geben." Und dabei geht es nicht um Peanuts. Bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes kann die EU-Kommission gegen ein Unternehmen als Geldbuße verhängen. Bei Microsoft wären das mehr als fünf Milliarden Euro.

Das wäre übrigens auch eine gute Nachricht für die gestressten EU-Finanzminister: Denn von der Kommission verhängte Bußgelder werden auf die Mitgliedsstaaten aufgeteilt. Almunia wollte sich natürlich noch nicht auf eine genaue Summe festlegen. Aber er wies darauf hin, dass Microsoft nicht zum ersten Mal EU-Auflagen missachtet habe, was wiederum bei der Bemessung des Geldstrafe erschwerend hinzukommen dürfte.

Almunia

Almunia will durchgreifen.

Das Unternehmen ging daher auch schon auf Schmusekurs. In einer ersten Stellungnahme entschuldigte sich Microsoft bei seinen Kunden. Ein technischer Fehler sei der Grund für das Fehlen der automatischen Browser-Auswahl. Man habe auch schon mit der Nachlieferung des Wahlfensters begonnen. Schon in der nächsten Woche sollen alle betroffenen Copmputer mit dem entsprechenden Update versorgt sein. Als Ausgleich bietet Microsoft außerdem an, die ursprünglich bis 2014 laufende Verpflichtung, ein Browserfenster anzubieten, um 15 Monate zu verlängern.

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KOMMENTARE

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mumba 17.07.2012 • 20:54 Uhr

@Baer65

die Linux-Fraktion will es oft garnicht schaffen ein idiotensicheres OS zu erstellen. Die Zielgruppe ist einfach eine komplett andere. Habe ich Ahnung von Betriebssystem schuster ich mir selbst eines zusammen - mit Vor und Nachteilen. Windows hat eine andere Transparenz, was der Nutzer machen darf und was nicht. Er agiert über mehr Schnittstellen, die das eigentliche ziemlich gut verbergen. Gerade das möchte man eher nicht bei Linux. Dort man kann sein Betriebssystem ziemlich offen gestalten. Mehr Möglichkeiten ergeben natürlich auch eine gewisse Komplexität.