Ein Mitarbeiter mit einem Passagier-Schnelltest am Münchner Flughafen. | REUTERS
FAQ

Lufthansa-Testlauf Retten die Schnelltests die Luftfahrt?

Stand: 12.11.2020 13:54 Uhr

Erstmals wurden Lufthansa-Passagiere nur mit einem negativen Corona-Test an Bord gelassen - im Rahmen eines Probelaufs. Wie funktioniert das Konzept? Wem nützt es? Und gibt es jetzt anderswo Test-Engpässe? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Die Lufthansa hat mit dem Probelauf der angekündigten Corona-Schnelltests bei Passagieren begonnen. Den Anfang machte Flug LH 2051 zwischen Hamburg und München. Vor dem Start der ersten Maschine am Morgen wurden alle 30 Passagiere sowie das Bordpersonal getestet, wie ein Lufthansa-Sprecher sagte. Alle Tests seien negativ ausgefallen, Testverweigerer habe es nicht gegeben.

Warum die Tests?

Die Lufthansa will - wie andere Airlines auch - erreichen, dass wieder mehr Passagiere in ein Flugzeug steigen. Vor allem Überseeverbindungen haben die Gesellschaften im Blick. Ein großes Hemmnis für den Luftverkehr sind bisher die Quarantäneregeln für internationale Fluggäste, die in den meisten Ländern gelten.

Für welche Flüge gelten sie?

Vor einer flächendeckenden Einführung der Tests will die Lufthansa zunächst Erfahrungen sammeln. Pflicht sind die Tests bislang auf ausgewählten Verbindungen. Derzeit fliegt die Lufthansa dreimal täglich von München nach Hamburg und wieder zurück. Schnellgetestet wird täglich auf jeweils einem Hin- und einem Rückflug. Die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines erprobt die Tests auf der Strecke Hamburg-Wien.

Wie funktionieren die Tests?

Zum Einsatz kommen Antigen-Schnelltests, die nicht den Covid-19-Erreger selbst nachweisen, sondern das mit dem Virus verbundene Protein. Sie funktionieren ähnlich wie ein Schwangerschaftstest. Passagiere auf den betroffenen Verbindungen müssen zwei Stunden vor Abflug am Flughafen sein. Das Ergebnis soll nach höchstens einer Stunde vorliegen.

Was passiert, wenn das Ergebnis positiv ist?

Ist das Coronavirus nachgewiesen, kann der Passagier nicht einchecken und muss sich in häusliche Quarantäne begeben. Das genaue Prozedere bestimmt dann das Gesundheitsamt. Andere Fluggäste, die in der Schlange standen, seien nicht gefährdet, so die Lufthansa. Maskenpflicht und Abstandsregelungen seien ausreichend, um Infektionen am Flughafen zu verhindern.

Passagiere am Schnelltest-Zentrum des Münchner Flughafens.  | REUTERS

Ein Schnelltest-Zentrum am Flughafen München. Zunächst sind die Test auf zwei Lufthansa-Flügen pro Tag Pflicht. Bild: REUTERS

Kann man auch ohne Schnelltest an Bord?

Fluggäste auf den betroffenen Verbindungen können ersatzweise einen höchstens 48 Stunden alten negativen PCR-Test vorlegen. Ganz ohne Test haben sie die Möglichkeit, sich kostenfrei auf einen anderen Flug umbuchen zu lassen.

Wer zahlt?

Die Kosten übernehmen die Fluggesellschaften. Weitere Gesellschaften probieren die Schnelltests aus oder führen sie bereits durch, etwa Emirates, United Airlines und Alitalia.

Gibt es überhaupt genug Tests?

Die Lufthansa hat sich nach eigenen Angaben 250.000 Antigen-Schnelltests gesichert. Lufthansa-Chef Carsten Spohr beteuert, man wolle "niemandem etwas wegnehmen". Sozialverbände haben bislang nicht über systematische Engpässe etwa bei Tests für Alten- und Pflegeheime geklagt. Allerdings heißt es beim Deutschen Berufsverband für Altenpflege, dass Lieferungen manchmal nur unter Vorbehalt zugesagt werden. Heime haben oftmals aber auch das Problem, dass ihnen das Personal fehlt, um Schnelltests in ihren Einrichtungen auch durchzuführen. Laut Bundesverband der privater Anbieter sozialer Dienste gibt es teilweise auch Schwierigkeiten bei der Abstimmung von Testkonzepten mit den Landesministerien.

Ist es realistisch, dass Schnelltests den Flugverkehr wiederbeleben?

Luftfahrtexperten halten die Testläufe für sinnvoll. Problem für die Airlines bleiben aber die Reisebeschränkungen und Quarantänepflichten. Unklar ist noch die Frage, in welchen Staaten welche Tests anerkannt werden. Antigen-Schnelltests haben den Nachteil, dass sie nicht ganz so zuverlässig sind wie die PCR-Tests, bei denen ein paar Tage bis zu einem Ergebnis vergehen können.

Mit Informationen von Wiebke Neelsen, NDR.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. November 2020 um 09:38 Uhr.