Impfstoffschränke bei Pfizer in Belgien | Bildquelle: via REUTERS

Corona-Impfstoff In Kühlboxen in alle Welt

Stand: 18.11.2020 13:36 Uhr

Schon bald könnte ein Impfstoff gegen Covid-19 zur Verfügung stehen. Um dann Milliarden Impfdosen verteilen zu können, bereiten sich Logistikkonzerne weltweit darauf vor. Das Hauptproblem ist die Kühlung.

Weltweit bereiten sich große Logistikkonzerne auf die aufwändige Verteilung von Impfstoffen gegen Covid-19 vor. Jüngste Meldungen zu vielversprechenden Fortschritten bei Impfstoffkandidaten mehrerer Unternehmen rücken die Frage in den Vordergrund, wie Milliarden Impfdosen produziert und dann zu Menschen auf der ganzen Welt transportiert werden können. Einer der schwierigsten Punkte ist dabei die notwendige Kühlung.

Kühlung bis minus 70 Grad

Der Impfstoff der Unternehmen BioNTtech aus Mainz und Pfizer aus den USA benötigt dabei besonders niedrige Temperaturen. "Wir werden den Impfstoff bei minus 70 Grad verschiffen, der wird dann in zentralen Standorten bei minus 70 gelagert, und wenn er dann zur Anwendung kommt, kann er fünf Tage im Kühlschrank gehalten oder bei Kühlschranktemperatur transportiert werden", sagte BioNTtech-Chef Ugur Sahin der Nachrichtenagentur Reuters.

Bei einigen anderen Präparaten sind für die Lagerung minus 20 Grad nötig, bei manchen reichen Kühlschrank-Temperaturen zwischen zwei und acht Grad plus. Die US-Firma Moderna gibt an, dass ihr Impfstoff bei Temperaturen über null Grad gelagert werden kann. Der in der Entwicklung befindliche Corona-Impfstoff der Tübinger Pharmafirma Curevac kann nach Unternehmensangaben monatelang bei normaler Kühlschranktemperatur gelagert werden. Auch für die Lagerung des Corona-Impfstoffkandidaten des Pharmakonzerns Sanofi genüge normale Kühlschranktemperatur, erklärte das Unternehmen.

"Komplexeste globale Logistikoperation"

Der internationale Airline-Verband IATA bezeichnet die Verteilung von Covid-19-Impfstoffen nicht nur wegen der Kühlungsfrage als "größte und komplexeste globale Logistikoperation, die jemals unternommen werde". Der Verband wies darauf hin, dass die Kapazitäten in der Luftfracht knapp seien, weil Zulademöglichkeiten wegen der geringen Zahl von Passagierflügen fehlten. Damit alle Länder mit Impfstoffen versorgt werden könnten, sei es wichtig, dass Regierungen die Quarantänepflichten lockerten.

Die Deutsche-Post-Tochter DHL kam in einer kürzlich vorgelegten Studie zum Schluss, dass für den Transport von Impfstoffen in den kommenden zwei Jahren 15 Millionen Kühlboxen und 15.000 Flüge weltweit notwendig seien. Die Schätzung basiert auf der Annahme, dass mindestens zehn Milliarden Einzeldosen von Impfstoffen verteilt werden müssen, um alle Länder ausreichend zu versorgen.

Logistikkonzerne werden profitieren

Den Großteil des damit verbundenen Transportgeschäfts werden große Logistikonzerne wie Deutsche DHL, Fedex, UPS oder Kühne + Nagel machen, die aufgrund bestehender Pharma-Geschäftszweige die notwendigen gekühlten Transporte sicherstellen können. Kühne + Nagel und DHL teilten mit, man habe bereits erste Logistikverträge zu Covid-19-Impfstoffen abgeschlossen.

DHL erwägt, für das eigene Lager-Netzwerk Hunderte besonders kalte Tiefkühlschränke zu kaufen, die Platz für mehr als 100.000 Impfdosen bieten könnten. "Wir durchleuchten unsere Infrastruktur auf die Kapazitäten, bei minus 20 oder minus 70 Grad liefern zu können", sagt der zuständige DHL-Manager Thomas Ellmann. Im Flugzeug und auf Lkw kommen die Präparate in Kunststoffboxen mit Trockeneis, also gefrorenem CO2. Solche Boxen könnten eine Temperatur von minus 70 Grad bis zu sechs Tage halten, sagt der DHL-Manager.

Der Logistikkonzern Kühne + Nagel verfügt nach eigenen Angaben in Europa über eine Flotte von 200 klimatisierten Pharma-Trailern, also Lkw-Anhängern. Zudem hat die Firma Verteilzentren mit Kühlkammern, die bis zu minus 20 Grad kalt sind. "Wir gehen aber davon aus, dass eine Temperatur von plus zwei bis plus acht Grad Celsius in den meisten Fällen reichen wird", sagt ein Firmensprecher. Sollten bis zu 80 Grad minus nötig sein für Transport und Lagerung, "haben wir auch dafür Lösungen".

Impfstoffe, die besonders tiefe Temperaturen erfordern, sind auch am Ende der Lieferkette ein schwieriger Punkt. "Das wird eine Herausforderung in allen Belangen, weil Krankenhäuser auch in großen Städten nicht die Lagerungskapazitäten für einen Impfstoff bei ultra-niedrigen Temperaturen haben", sagte Amesh Adalja vom Johns Hopkins Center for Health Security.

Über dieses Thema berichtete B5 Wirtschaft kompakt am 18. August 2020 um 06:38 Uhr.

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