Eine Filiale von Aldi Nord in Rostock | picture-alliance/ ZB

Folgen der hohen Inflation Ansturm auf die Discounter

Stand: 13.04.2022 12:13 Uhr

Die hohen Lebensmittelpreise sorgen für eine Änderung des Einkaufverhaltens der Bundesbürger. Viele gehen nun lieber zu Discountern. Diese locken Schnäppchenjäger mit Aktionspreisen zu Ostern.

Bei Aldi, Lidl und Co. herrscht kurz vor Ostern reges Treiben. Angesichts der rasant gestiegenen Inflation kaufen viele Verbraucher bevorzugt beim Discounter ein. Laut dem Marktforscher IRI verzeichnen die Discounter seit Beginn des Ukraine-Kriegs deutlich mehr Kunden. Deren Umsatz lag in den letzten beiden Wochen um elf Prozent über dem Vorjahresniveau. In den klassischen Supermärkten stiegen dagegen die Erlöse nur um ein bis drei Prozent.

Verbraucher greifen wieder zu günstigeren Produkten

Dieser Trend war bereits im Februar zu beobachten. Erstmals seit langer Zeit hätten die Discounter den Supermärkten wieder Marktanteile abgenommen, meint Handelsexperte Robert Kecskes vom Marktforschungsunternehmen GfK. Er sieht Signale für eine Änderung des Einkaufsverhaltens der Deutschen. Zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie hätten die Verbraucher im Februar wieder häufiger zu günstigeren Produkten gegriffen, hat Kecskes festgestellt. Der Marktanteil der Eigenmarken habe zugenommen. Markenartikel waren weniger gefragt.

In der Corona-Krise hatten die Handelsketten noch zu den Gewinnern gezählt. Edeka, Rewe und Co. profitierten vom "Cocooning"-Effekt: Weil die Bürger nicht ausgehen und verreisen konnten, gönnten sie sich zu Hause etwas und gaben beim Einkauf gerne etwas mehr aus.

Umsätze der klassischen Supermärkte schrumpfen

Diese Zeiten sind vorbei. Wegen der massiv gestiegenen Lebensmittelpreise sparen die Verbraucher nun beim Einkauf. Das zeigte sich bereits in den ersten zwei Monaten dieses Jahres. Die Umsätze im Lebensmittelhandel schrumpften laut Zahlen der GfK um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Angesichts des zunehmend härteren Wettbewerbs liefern sich die großen Lebensmittelhändler zu Ostern eine regelrechte "Rabatt-Schlacht". Ob 36 Prozent Preisabschlag auf Kaffee, 40 Prozent Nachlässe bei Cola oder fast 50 Prozent Rabatt bei Eiscreme: Mit Aktionspreisen werben vor allem die Discounter um die Gunst der Schnäppchenjäger. So winkt Lidl mit "besten Preisen zum Osterfest", Aldi Süd verspricht "Preise zum Augenmachen", und Aldi Nord lockt Kunden mit den "Preishelden".

Aktionspreis-Schlacht zu Ostern

Die klassischen Supermärkte wie Rewe halten mit Sonderangeboten dagegen - besonders bei Markenartikeln. Denn neben Weihnachten ist Ostern der zweite zentrale Feiertag, an dem die Menschen besonders gern zu Markenartikeln griffen, meint GfK-Experte Kecskes. "Es wird nur ungern auf Handelsmarken ausgewichen. Da muss der Handel einfach einiges an Sonderangeboten bieten", sagt er.

"Rabatte sollen Ostern retten", titelt denn auch die "Lebensmittel-Zeitung". "Es scheint so, als wolle der Handel vor Ostern zeigen, was er kann, um die Kunden in die Läden zu holen", meint der Lebensmittelexperte Marco Sinn vom Marktforschungsunternehmen IRI im Branchen-Fachblatt. "Das mag vielleicht den einen oder anderen Kunden von den zuletzt insgesamt stark gestiegenen Preisen etwas ablenken."

Bio-Lebensmittel verlieren an Bedeutung

Die Sonderaktionen zu Ostern dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Preise in den Regalen der Discounter und Supermärkte weiter auf breiter Front steigen. In der vergangenen Woche hat Aldi viele seiner Produkte, besonders einige Eigenmarken, deutlich teurer gemacht. Andere Lebensmittelhändler dürften dem Schritt von Aldi folgen und Preiserhöhungen durchsetzen.

Verlierer dieser Entwicklung werden voraussichtlich die Bio-Produkte sein, die in den letzten Jahren zunehmend Marktanteile gewonnen hatten. Immer mehr Haushalte achten auf den Preis und entscheiden sich für günstigere Produkte. "Eher teure Bio-Lebensmittel verlieren an Bedeutung", warnt die Unternehmensberatung PwC in der Tageszeitung "Die Welt".