Baukräne stehen an Neubauten von Mehrfamilienhäusern im städtebaulichen Großprojekt Wasserstadt Limmer.

Hohe Materialkosten Stärkster Anstieg der Baupreise seit 1970

Stand: 10.01.2022 09:36 Uhr

Neubauten von Wohngebäuden in Deutschland haben sich im November so stark verteuert wie seit über 50 Jahren nicht mehr. Hauptgrund sind die stark gestiegenen Preise von Material wie Holz oder Dämmstoffe.

Der Bau neuer Wohnungen in Deutschland wird immer teurer. Im November sind die Preise so stark gestiegen wie seit 1970 nicht mehr. Sie legten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 14,4 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ein stärkerer Anstieg wurde den Angaben zufolge zuletzt im August 1970 mit 17,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gemessen.

Vor allem Holz, Stahl und Dämmstoffe sind teurer

Hauptgrund war die starke Verteuerung von Baumaterialien wie Holz, Stahl und Dämmstoffen. Besonders stark gestiegen sind Zimmer- und Holzbauarbeiten, deren Preise wegen der erhöhten Nachfrage nach Bauholz im In- und Ausland um 38,9 Prozent in die Höhe schossen. Die Preise für Entwässerungskanal-Arbeiten stiegen um 18,2 Prozent, für Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten um 17,1 Prozent und für Klempnerarbeiten um 16,8 Prozent. Betonarbeiten verteuerten sich um 16,5 Prozent. Insgesamt stiegen die Preise für Rohbauarbeiten an Wohngebäuden von November 2020 bis November 2021 um 15,7 Prozent - dreimal so schnell wie die Verbraucherpreise allgemein.

Als weiterer Preistreiber erwies sich auch die Rücknahme der befristeten Mehrwertsteuersenkung. Seit Januar 2021 gelten wieder die regulären Sätze, Waren und Dienstleistungen wurden im Jahresvergleich also tendenziell teurer. Ohne den Mehrwertsteuereffekt wären die Baupreise im November 2021 nach Angaben der Statistiker rechnerisch um 11,6 Prozent gestiegen.

Nur wenig Entspannung im Dezember

Inzwischen hat sich die Materialknappheit auf den Baustellen ein wenig entspannt. Auf dem Hochbau etwa klagten im Dezember noch 31,3 Prozent der Unternehmen über Lieferprobleme, nach 34,5 Prozent im Vormonat, wie das ifo-Institut bei einer Umfrage herausfand. "Die erheblich gestiegenen Materialpreise setzten die Bauunternehmen zusätzlich unter Druck", sagte ifo-Experte Felix Leiss. "Insbesondere auf dem Hochbau planen die Betriebe, die Kosten in den kommenden Monaten an die Bauherren weiterzugeben."

Dennoch bleibt die Lage nach Aussage von Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer angespannt. "Privatkunden warten länger auf Handwerker und zahlen deutlich mehr", sagte er jüngst. "Bauen wird künftig teurer werden, nicht nur weil die Löhne steigen, sondern weil die Preise für Materialien steigen. Denn es zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Preise - selbst bei einer Entspannung bei den Materialengpässen - nicht wieder vollständig auf das Vorkrisenniveau sinken werden."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Januar 2022 um 10:00 Uhr.