Hintergrund

Passagiere stehen am Flughafen Tegel in einer Schlange quer durch das Terminal.  | Bildquelle: dpa

Reisen per Flugzeug Kaum besteuert, schädlich und umkämpft

Stand: 18.07.2019 12:50 Uhr

Das Fliegen ist der klimaschädlichste Weg zu reisen. Doch wieviel müsste ein Passagier draufzahlen, damit eine Abgabe auch der Umwelt hilft?

Von Werner Eckert, ARD-Umweltexperte

65 Cent Steuer auf Benzin zahlen wir als Autofahrer, die Bahn zahlt ebenfalls - in Form einer Stromsteuer. Nur Kerosin ist steuerbefreit, und für internationale Flüge fällt nicht mal die Mehrwertsteuer an. Der finanzielle Vorteil für den Flieger: fast zwölf Milliarden Euro pro Jahr.

Wenn eine Kerosinsteuer in gleicher Höhe wie beim Benzin draufkäme, würde beispielsweise der Inlandsflug von Stuttgart nach Berlin und zurück um etwa 24 Euro teurer. Auf der Strecke Frankfurt-Mallorca würde der Preis um rund 60 Euro steigen und nach Bali um bis zu 550 Euro.

Sorge um Frankfurt

Deutschland befürchtet, dass internationale Airlines beim Wegfall des Wettbewerbsvorteils nicht mehr über beispielsweise Frankfurt als Drehkreuz fliegen, sondern gleich über Dubai oder Amsterdam. Diese Regelung zu streichen, ginge also höchstens im EU-Verbund. Internationale Abkommen müssten dafür geändert werden, was ziemlich unrealistisch ist.

Deshalb fordert Umweltministerin Svenja Schulze, die Luftverkehrsabgabe zu erhöhen. Derzeit fallen zwischen sieben und 40 Euro an Abgabe an - je nach Strecke. Eine Verdoppelung würde auch die Tickets entsprechend teurer machen.

Der billigste Weg bliebe das Fliegen

Treibt das die Passagiere in die Züge? Ein Bahnticket, etwa für die Strecke Stuttgart-Berlin, kostet zu einer halbwegs christlichen Zeit 160 Euro im "Supersparpreis". Mit dem Flieger sind es 89 Euro. Ein paar Euro mehr ändern an diesem grundsätzlichen Missverhältnis kaum etwas.

Dabei belastet der Flug das Klima deutlich mehr als die Bahnfahrt, auch wenn ein eng bestuhlter Billigflieger ähnlich viel Sprit verbraucht wie ein ICE - zwei Liter pro Passagier und 100 Kilometer. Aber der Klimaeffekt in der Luft ist zwei- bis fünfmal so groß wie am Boden. Da spielen eine Menge physikalischer Effekte eine Rolle. Wenn es um Klimaschutz ginge, müsste also der Aufschlag für den Flug bis zu fünf Mal so hoch sein wie bei anderen Verkehrsmitteln.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. Juli 2019 um 12:15 Uhr.

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