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Italiens Bonität erneut herabgestuft Zweite Ohrfeige für die Regierung in Rom

Stand: 05.10.2011 03:21 Uhr

Schon seit Monaten steht Italien unter Beobachtung der Ratingagenturen. Jetzt hat Moody's gehandelt und die Kreditwürdigkeit von Aa2 auf A2 herabgestuft. Dieser Schritt war erwartet worden - eine Ohrfeige für die Regierung ist es trotzdem.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Eine Ohrfeige mit Ankündigung. Seit gut vier Monaten hat die Ratingagentur Moody's Italien unter kritischer Beobachtung. Die Herabstufung war nur noch eine Frage der Zeit, vor allem nachdem die Kollegen von Standard & Poor's bereits vor zwei Wochen die Kreditwürdigkeit Italiens herabgestuft hatten.

Regierungsinterner Streit belastet Wirtschaft

Italiens Finanzminister Tremonti im Gespräch mit Ministerpräsident Berlusconi
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Zwischen Italiens Finanzminister Tremonti und Ministerpräsident Berlusconi schwelt ein regierungsinterner Streit.

An den Märkten dürfte die neuerliche Abwertung Italiens kaum Auswirkungen haben, denn die Fakten, die zu dem negativen Urteil führten, sind allgemein bekannt. Italiens Wirtschaft verzeichnet praktisch kein Wachstum in diesem Jahr, die Staatsschulden steigen kontinuierlich, auch weil das Land immer höhere Zinsen für seine Staatsanleihen zahlen muss. Und schließlich machte die italienische Regierung in den vergangenen Wochen nicht den solidesten Eindruck. Die angepeilten Sparziele scheinen kaum erreichbar, zudem schwelt ein regierungsinterner Streit zwischen Ministerpräsident Silvio Berlusconi und Finanzminister Giulio Tremonti.

Doch anders als Standard & Poor's verzichtet Moody's auf eine explizite Kritik an der Regierung Berlusconi. In ihrem Gutachten sprechen die Analysten lediglich von "wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten".

Italien bekommt auch von Moody's ein schlechtes Zeugnis
T. Kleinjung, ARD Rom
05.10.2011 03:14 Uhr

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Prognose bleibt weiter negativ

Die Regierung hatte nach eigenen Angaben mit der Herabstufung gerechnet, in einer ersten Stellungnahme Silvio Berlusconis heißt es: "Es wird sich nichts ändern, wir machen weiter wie bisher und arbeiten an Maßnahmen, die das Wachstum fördern." Oppositionsführer Pierluigi Bersani macht die Regierung für das schlechte Abschneiden Italiens verantwortlich. "Italien hat ein besseres Rating verdient", sagte er und: "Wenn es nicht bald einen Wechsel gibt, drohen wir in die Tiefe gerissen zu werden."

Die Neubewertung Italiens durch Moody's scheint Bersani Recht zu geben. Die Ratingagentur beurteilt Italiens Kreditwürdigkeit gleich um drei Stufen schlechter als bisher. Die Prognose: weiter negativ.

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