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Interview

DFL steigert TV-Erlöse "Der sehr hohe Betrag ist eine Sensation"

Stand: 22.10.2015 14:24 Uhr

Die Übertragungsrechte für die Bundesliga bringen den Klubs künftig etwa 50 Prozent mehr Geld ein als bisher. Das Geld stärke die internationale Wettbewebsfähigkeit der Bundesliga, sagt Sportvermarkter Hartmut Zastrow im tagesschau.de-Interview. Die erzielte Summe wertete er als Sensation.

tagesschau.de: Was bedeutet das Ende des Fußball-Pokers für den Zuschauer?

Hartmut Zastrow: Für den Zuschauer ändert sich relativ wenig - die Live-Spiele werden so wie bisher auf Sky gezeigt. Der große Verlierer ist die Telekom mit ihrem Produkt Liga Total, das ab der nächsten Saison nicht mehr stattfinden kann. Die Sportschau wird es in der bisherigen Form weiter geben. Neu ist, dass der Axel-Springer-Verlag mit Bild.de eingestiegen ist und dadurch Highlight-Berichterstattung auch vermehrt auf Bild.de stattfinden wird. Das ist eine Überraschung - die eigentliche Sensation ist aber der sehr, sehr hohe Betrag, der für die Rechte erzielt werden konnte. Denn vorher war aus optimistischen Kreisen zu hören gewesen: Wenn man über 500 Millionen Euro durchschnittlich pro Jahr erreichen würde, wäre das schon gut. Jetzt sind es über 620 Millionen Euro durchschnittlich pro Jahr. Das ist ein hervorragendes Ergebnis, das so nicht zu erwarten war.

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Zur Person

Hartmut Zastrow ist Mitgründer und Vorstandsmitglied von "Sport+Markt", einem Forschungs- und Beratungsunternehmen im Bereich des internationalen Sportmarketings. Das Unternehmen ist unter anderem für Fußballklubs, Verbände und Ligen tätig.

tagesschau.de: Kann sich Sky, ein Bezahlsender, der immer noch defizitär arbeitet, so ein Angebot überhaupt leisten?

Zastrow: Ich glaube, das ist die letzte Chance für Sky. Der Sender hat es nie geschafft, in die schwarzen Zahlen zu kommen. Man hat den Einsatz nun fast verdoppelt und man wird sehen, ob das Früchte trägt. Ich glaube, nach dieser Rechteperiode wird es für Sky heißen, entweder zu verschwinden oder einen profitablen Fernsehsender mit Nachhaltigkeit geschaffen zu haben.

tagesschau.de: Schauen wir auf die Vereine - die bekommen jetzt mehr Geld. Aber tut es dem deutschen Fußball überhaupt gut, wenn immer mehr Kommerz im Spiel ist?

Zastrow: Die Frage nach dem Kommerz stellt sich bei solchen Summen immer. Wenn sie den Fußballfan fragen, dann ist der schon froh, dass mehr Geld für die Mannschaft generiert werden kann. Denn das Geld wird ja in die Mannschaft gesteckt und verschwindet nicht in den Taschen irgendwelcher Investoren. Insofern wird der Sport und die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga gestärkt - gerade im internationalen Vergleich. Wir haben jetzt erst wieder die schmerzhafte Erfahrung im Europapokal machen müssen, dass die Spanier definitiv noch dominanter sind. Das Geld wird sicher dazu verhelfen, dass wir da künftig sportlich besser mithalten können.

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KOMMENTARE

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MrEnigma 17.04.2012 • 22:51 Uhr

Einfach blöd

Ich finde es einfach unangemessen, dass sich die öffentlich Rechtlichen an der immer wahnwitzigereren Entwicklung im Profifussball beteiligen. Die Spieler verdienen zig Millionen Euro im Jahr. Mit den Mediensteuern werden diese Gehälter indirekt mitfinanziert. Ich finde es einfach falsch diese Sportart derart mit Geld zu überhäufen. Die GEZ Gebühren sollten für vernünftiges Fernsehen eingesetzt werden und nicht dafür die Spitzenverdiener im Profisport noch mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Das ist einfach falsch und hat aus meiner Sicht nichts mit dem Auftrag des öffentlich Rechtlichen Fernsehens zu tun. Das ist ganz eindeutig eine Umverteilung von unten nach oben.