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Interview

Börsianer Fidel Helmer über den Crash 1987 "Die Verkaufsaufträge kamen wäschekörbeweise"

Stand: 19.10.2012 13:42 Uhr

Als Schwarzer Montag ist er in die Finanzgeschichte eingegangen: Am 19. Oktober 1987 - also genau vor 25 Jahren - stürzten die Kurse weltweit ins Bodenlose. Es war der größte Börsencrash seit dem Zweiten Weltkrieg. Binnen weniger Stunden wurde ein gigantisches Vermögen vernichtet. In den Jahren zuvor hatte es nur einen Weg für die Kurse gegeben - und zwar nach oben. Dann platzte die Blase. Ausschlaggebend für den Absturz waren Probleme in den USA, die das Vertrauen in den US-Dollar massiv sinken ließen.

Fidel Helmer von der Privatbank Hauck&Aufhäuser erlebte den Börsencrash vor 25 Jahren an der Frankfurter Börse mit.

tagesschau.de: Herr Helmer, wie haben Sie diesen Schwarzen Montag damals erlebt?

Fidel Helmer: Wir wurden an diesem Montag mit einem Dow-Jones-Stand konfrontiert, der 508 Punkte schwächer war als am vorherigen Handelstag. Aus heutiger Sicht ist das nicht so dramatisch, aber damals stand der Dow-Jones nur bei 2150 Punkten. Und da wussten wir, was auf uns zukam.

tagesschau.de: Wie muss man sich den Tag vorstellen - was haben Sie gemacht?

Helmer: Wir haben die Aufträge per Telefon oder per Telex bekommen. Etwas anderes gab es damals ja nicht. Die Aufträge mussten dann auf sogenannte Orderzettel notiert werden. Weiß für Kauf, rot für Verkauf. Die weißen waren relativ wenige, die roten Verkaufsaufträge kamen wäschekörbeweise. Und die mussten bearbeitet werden. Makler konnten erst nach Stunden erste Kurse zustande bringen. Es herrschte allgemeine Panik, denn man erinnerte sich an den Schwarzen Freitag im Oktober 1929. Und zu diesem Zeitpunkt wusste man noch nicht, ob das genauso enden würde.

"Jeder Crash hat andere Gründe"

tagesschau.de: Binnen weniger Stunden wurde ein Vermögen vernichtet. Welchen Grund hatte denn dieser Einbruch?

Helmer: Jeder Crash hat andere Gründe. Auch bei diesem Vorfall hat man versucht, nachträglich Ursachen zu finden. Es gab natürlich seit 1985 einen Anstieg des Dow Jones, der sich in dieser Zeit fast verdoppelt hatte. Es gab die erste Zinserhöhung seit drei Jahren. Das war, glaube ich, der wesentliche Grund. Das Handelsbilanzdefizit in den USA hatte sich dramatisch vergrößert. Und so gab es mehrere Argumente, die zu dem Crash geführt haben. 

tagesschau.de: Kann sich denn so ein Crash wie 1987 wiederholen?

Helmer: Davon bin ich überzeugt. Es wird immer wieder einen Crash geben oder sehr schwache Börsentage. Aber sie werden nie dieselbe Ursache haben. Inzwischen ist die Automatisierung so weit fortgeschritten, dass es - wie kürzlich erst - aus computertechnischen Gründen zu einem solchen Vorfall kommen kann. Oder es gibt geopolitische Gründe für einen Crash.

Das Interview führte Kerstin Petry für tagesschau.de.

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KOMMENTARE

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Cebulon 19.10.2012 • 19:58 Uhr

@ Baer65

Genau ! Ich habe es ja schon öfter gesagt: Viele "Krisen" liessen sich vermeiden, wenn in einem bestimmten Moment die Leute einfach mal die Füsse stillhalten würden, anstatt in Panik zu verfallen. Und was die "Vernichtung" von Vermögen angeht ..... hat schon mal jemand auf den Bankkonten der Verantwortlichen nachgesehen ?