Fluglotse

Liberalisierung der europäischen Luftüberwachung Ein EU-Flugraum - Traum oder Albtraum?

Stand: 30.01.2014 00:28 Uhr

Einen einheitlichen Flugraum will die EU-Kommission schaffen, um Kosten zu sparen. Was vernünftig klingt, sorgt bei den Fluglotsen für Ärger - und für Streiks und Protestaktionen, die auch heute für Verspätungen sorgen dürften. tagesschau.de erklärt, worum es bei dem Streit geht.

Von Kai Küstner, NDR-Hörfunkstudio Brüssel

"Kallas, go home!", steht in großen blauen Buchstaben auf dem Protestplakat, das ein Fluglotse zum Aktionstag in Brüssel mitgebracht hat. Siim Kallas ist der Name des EU-Kommissars, der für Verkehr zuständig ist - auch für den Verkehr am Himmel: "Das ist der Mann, der all diese schlimmen Vorschläge macht, die zu weniger Sicherheit und weniger Effizienz führen. In der Kommission denken sie nur über Kostensenkung nach", sagt der Fluglotse. Ihm und seinen in vielen EU-Ländern streikenden Kollegen machen die Kommissionspläne Angst.

Die Behörde selbst dagegen gerät angesichts ihrer Ideen ins Schwärmen. Sie träumt von einem "gemeinsamen europäischen Luftraum", was sich ins Englische übersetzt mit "A Single European Sky" noch eine Spur schöner und grenzenloser anhört.

"Im Moment hat Europa einen Luftraum mit 28 verschiedenen Fluglotsen-Systemen. Das führt dazu, dass jede Airline im Schnitt pro Flug einen Umweg von 50 Kilometern auf sich nimmt - weil sie am Himmel zwischen den unterschiedlichen Kontrollstellen Zickzack fliegen muss", erklärt Kommissionssprecherin Helen Kearns im Interview mit dem ARD-Studio Brüssel. "Das ist teuer, das verbraucht Treibstoff und schadet der Umwelt. Die Fluggesellschaft zahlt drauf und letztlich der Passagier beim Ticketkauf", so Kearns.

Aus 28 Flugzonen sollen neun Blöcke werden

Die EU will daher die 28 verschiedenen Flugzonen am Himmel zunächst zu neun größeren Blöcken zusammenfassen. Zum Beispiel Fluglotsen in Deutschland, Frankreich und den Beneluxländern sollen künftig so zusammenarbeiten, dass sie gemeinsam eine ganze Region überwachen. So sollen langfristig rund die Hälfte aller Ausgaben für die Verkehrskontrollen am Himmel eingespart werden.

"Die Kommission verlangt von unseren Arbeitgebern, dass die ihre Firmen so aufstellen, dass sie die Kosten reduzieren und die Anzahl der Flüge gesteigert werden kann. Das widerspricht sich ein bisschen. Da muss der Arbeitgeber natürlich irgendwo einsparen - und das kann er an den Gehältern oder an der Anzahl der Mitarbeiter", fürchtet Volker Dick, Präsident der europäischen Dachgewerkschaft der Fluglotsen, ATCEUC. Eigentlich findet er die Kommissionsidee mit dem einheitlichen europäischen Luftraum gut, aber die Sparideen machen ihn misstrauisch. "Das wird dann natürlich auch Auswirkungen auf die Sicherheit haben", sagt er.

USA als Vorbild der EU-Kommission

In den USA gebe es einen Luftraum von ungefähr derselben Größe, der allerdings zur Hälfte der Kosten kontrolliert werde, rechnet hingegen die EU-Kommission vor. "Der Passagier zahlt am Ende die Rechnung - genau wie die Umwelt, die Fluglinien und die europäische Wirtschaft. Wir können uns ein veraltetes und überteuertes Kontrollsystem einfach nicht mehr leisten", sagt Kommissions-Sprecherin Kearns.

Neu sind die Pläne der EU für einen einheitlichen Luftraum übrigens nicht. Die gibt es seit den 1990er-Jahren. Nun werde es langsam mal Zeit, die auch umzusetzen, findet die Kommission.

Dieser Beitrag lief am 29. Januar 2014 um 16:38 Uhr auf NDR Info.

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