Deutsche-Bank-Chef Fitschen

Verdacht auf Prozessbetrug Anklage gegen Deutsche-Bank-Chef?

Stand: 12.08.2014 10:51 Uhr

Die Staatsanwaltschaft München hat nach Informationen von "Reuters" und der "Süddeutschen Zeitung" im "Fall Kirch" Anklage gegen Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen erhoben. Fitschen werde des versuchten Prozessbetrugs beschuldigt - ebenso wie seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie weitere Ex-Manager des größten hiesigen Geldinstituts.

Die Banker sollen vor Gericht falsche Angaben gemacht haben, um Schadenersatzzahlungen an Kirch beziehungsweise dessen Erben zu verhindern. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte, dass die Ermittlungen abgeschlossen seien. Zum Inhalt werde sich die Behörde erst äußern, wenn die Beteiligten über die Ergebnisse informiert seien.

Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte zu dem "SZ"-Bericht: "Eine Anklageschrift liegt uns bislang nicht vor. Die Deutsche Bank kommentiert grundsätzlich laufende Verfahren nicht und verweist auf frühere Äußerungen, wonach sie davon überzeugt ist, dass sich der Verdacht gegen Jürgen Fitschen als unbegründet erweisen wird."

"Rücktritt ist für Fitschen keine Kategorie"

Die Anklage gegen Fitschen wird seit Längerem erwartet. Aus der Bank heraus verlautete bereits, dass der 65-Jährige auch im Falle eines Prozesses im Amt bleiben wolle. "Rücktritt ist für Fitschen keine Kategorie", hieß es. Auch ein Freikauf wie im Fall von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone komme nicht infrage. Stattdessen werde Fitschen für einen Freispruch kämpfen.

Beim Landgericht München ist Richter Peter Noll für die "Causa Fitschen "zuständig, heißt es aus Justizkreisen - also der Richter, der den Prozess gegen Ecclestone überraschend eingestellt hatte. Noll muss nun die Akten studieren und sie dann den Angeschuldigten und ihren Verteidigern übermitteln. Erst wenn die anschließend dazu Stellung genommen haben, entscheidet Nolls Wirtschaftsstrafkammer über eine Zulassung der Anklage.

 Richter Peter Noll vom Landgericht München.

Erst Formel 1, jetzt Deutsche Bank: Peter Noll

"Das kann noch Monate dauern", sagte ein Beteiligter. Allein die Anklageschrift zähle mehrere hundert Seiten, hinzu kämen Umzugskartons voller Beweismittel.

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KOMMENTARE

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Wanderfalke 12.08.2014 • 17:15 Uhr

Auf Kungel-Tour durch den Rechtsstaat

Irgendwie kommt es mir vor, als halte die Justiz für einen bestimmten Personenkreis Schnäppchen-Angebote parat. Dieser gut betuchte Personenkreis ist stets in der Lage, Spitzenanwälte für sich zu rekrutieren sowie die aufgerufenen Summen ad hoc zu bezahlen, um dann wieder ungeniert seinen Geschäften nachzugehen. Zu diesem Schauspiel gesellen sich mittlerweile Argumente, die solche Deals dann auch noch pragmatisch rechtfertigen sollen: - Ist er denn nicht schon zu alt? - Der Staat wäre schön dumm, wenn er diese Summe ausschlagen würde - Er hatte sich ja nicht selbst bereichert Oder es wird mit straffähigen Zerrbildern gearbeitet. Beim Auftauchen der CD's von Steuersündern war ja z.B. die Beschaffung dieser Informationen verwerflicher als das eigentliche Delikt. Und was für ein Witz sind bei denen schon falsche Angaben bei Gericht? Falsche Angaben bei der ARGE, Pfandbons und gegessene Frikadellen, das sind die Dinge, wo unser Rechtsstaat noch mit voller Härte funktioniert.