Händler an der New Yorker Börse
Marktbericht

DAX und Dow Jones Zinsdiskussion in vollem Gang

Stand: 11.08.2022 22:13 Uhr

In New York diskutierten die Investoren die Auswirkungen der jüngsten Preisdaten auf die Zinspolitik der US-Notenbank. Mit größeren Engagements hielten sie sich dabei zurück. Auch der DAX stagnierte.

An der Wall Street konnte vor allem die Technologiebörse Nasdaq nicht an die Gewinne des Vortages anknüpfen und schloss leichter. Der Composite-Index gab 0,58 Prozent nach, der Auswahlindex Nasdaq 100 sackte um 0,65 Prozent ab. Damit ist die erste Euphorie der Anleger nach den Inflationsdaten vom Vortag einer differenzierten Betrachtung gewichen und schnell wieder abgeebbt.

Die hochbewerteten Technologieaktien gelten als besonders zinssensitiv und stehen daher in der derzeitigen Zinswende der Notenbank Federal Reserve (Fed) besonders im Fokus. Die US-Inflationsrate war im Juli überraschend auf 8,5 Prozent gefallen nach 9,1 Prozent im Vormonat. Dies hatte Hoffnungen der Anleger geschürt, dass die Fed ihr Zinstempo zukünftig drosseln könnte.

Der Leitindex Dow Jones hielt sich etwas besser, aber auch im Standardwertesegment agierten die Anleger vorsichtig. Der Dow schloss bei 33.336 Punkten, ein leichter Zuwachs von 0,1 Prozent. Der marktbreite S&P-500-Index ging mit minus 0,1 Prozent auf 4207 Zähler ebenfalls nahezu unverändert aus dem Handel.

Anleger rätselten wie zuvor schon an den europäischen Märkten, wie stark die Fed auf der nächsten Sitzung im September die Zinsen erhöhen dürfte. "Die Abschwächung des Verbraucherpreisindex in den USA hat die Befürchtungen vor zu aggressiven Maßnahmen der US-Notenbank zwar verringert, bedeutet allerdings für die Geldpolitik keine entscheidende Wende, denn die hauptsächlichen Faktoren für die Inflation, wie Energie- und Rohstoffpreise, bleiben hoch", sagte Paolo Zanghieri von Generali Investments.

Der Experte geht von einer Zinserhöhung um 50 Basispunkte im September aus - "mit einem gewissen Risiko einer weiteren Erhöhung um 75 Basispunkte wie im Juli."

Am Donnerstag bestätigten allerdings auch die US-Erzeugerpreise für Juli den Trend einer abgeschwächten Inflationsentwicklung auf Ebene der Verbraucher: Sie kletterten im Juli um 9,8 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Ökonomen hatten einen Zuwachs von 10,4 Prozent auf dem Zettel, nach 11,3 Prozent im Juni. Zum Vormonat fielen die Erzeugerpreise im Juli überraschend um 0,5 Prozent. Experten hatten hier mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet - nach einem Plus von 1,0 Prozent im Juni.

Aus der Notenbank kam heute prompt eine deutliche Euphoriebremse. Mary Daly, die Präsidentin des Notenbank-Bezirks von San Francisco, sagte der "Financial Times", es gebe gute Nachrichten, was die monatlichen Daten angehe. "Aber die Inflation bleibt viel zu hoch und nicht in der Nähe unseres Preisstabilitätsziels". Dieses liegt bei 2,0 Prozent.

Unter den US-Einzelwerten stand Disney im Fokus. Die Aktie legte deutlich um 4,59 Prozent auf 117,69 Dollar zu, konnte ihr Tageshoch aus dem frühen Geschäft bei 123,27 Dollar aber nicht verteidigen.

Der Unterhaltungsriese aus dem Dow Jones hat im jüngsten Geschäftsquartal rasantes Wachstum mit seinen Streaming-Diensten verzeichnet. Die On-Demand-Services Disney+, Hulu und ESPN+ brachten es Ende Juni zusammen auf insgesamt rund 221 Millionen Abos. Damit hat Disney zum bisherigen Streaming-Marktführer Netflix aufgeschlossen, der zuletzt Kunden verlor und das vergangene Vierteljahr ebenfalls mit rund 221 Millionen Nutzerkonten beendete.

Insgesamt wuchs der Umsatz im Jahresvergleich um 26 Prozent auf 21,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg um 53 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar (1,36 Mrd Euro).

Am Tag eins nach den US-Inflationsdaten hat sich der deutsche Leitindex DAX letztlich kaum bewegt. Bei einer Handelsbreite zwischen 13.661 und 13.763 Zählern schnauften die Anleger durch. Der DAX schloss kaum verändert bei 13.694 Punkten. Der MDAX der mittelgroßen Werte legte leicht um 0,28 Prozent zu auf 27.896 Punkte.

Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect sprach von einem "Tag der Besinnung" nach der gestrigen Euphorie um den unerwarteten Rückgang der US-Inflation. Im Mittelpunkt des heutigen Handelsgeschehens stand neben der Verarbeitung der gestrigen US-Inflationsdaten auch die Fortsetzung der heimischen Berichtssaison.

Zahlreiche Unternehmen insbesondere aus der zweiten Reihe, legten heute Quartalszahlen vor, dazu auch einige aus dem DAX. Damit kehrte schnell wieder ein Stück Alltag ein an der Frankfurter Börse, nachdem es zuletzt fast nur noch um die US-Zinsperspektiven gegangen war.

Update Wirtschaft vom 11.08.2022

Dorothee Holz, HR, tagesschau24

Der Euro ist am Donnerstag im US-Handel über 1,03 Dollar geblieben. Zuletzt notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,0320 US-Dollar. Im europäischen Vormittagsgeschäft war der Euro noch unter 1,03 Dollar gefallen, anschließend aber bis auf 1,0364 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,0338 (Mittwoch: 1,0252) Dollar festgesetzt.

Bereits am Vortag hatte der unerwartet starke Rückgang der Inflation in den USA den Dollar belastet. Die Daten zu den Erzeugerpreisen bestätigten das Bild eines nachlassenden Preisdrucks in den USA.

Der Arbeitsmarkt in den USA hat sich in der vergangenen Woche zwar etwas schwächer entwickelt, allerdings war die Entwicklung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt in der Woche zuvor besser als bisher bekannt.

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg aktuell um 14.000 auf 262.000, wie das Arbeitsministerium heute in Washington mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einer etwas höheren Zahl von 265.000 gerechnet.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt gilt weiterhin als robust. US-Notenbankchef Jerome Powell hatte zuletzt den soliden Arbeitsmarkt als Argument gegen eine Rezession in der größten Volkswirtschaft der Welt angeführt. Im ersten Halbjahr ist die US-Wirtschaft rechnerisch zwar geschrumpft. Es gibt aber auch Hinweise, dass es sich dabei nicht um eine klassische, breitangelegte Rezession handelt.

Die Ölpreise weiteten ihtre Gewi9nne im Verlauf aus. Sowohl die Nordseesorte Brent als auch die US-Sorte WTI verteuern sich um rund zwei Prozent. Damit bleibt derölmarkt weiter volatil.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat derweil ihre Prognose für das Wachstum der weltweiten Nachfrage nach Rohöl angehoben. Die im Zuge des Ukraine-Kriegs verursachte Gaskrise mit einem massiven Preisanstieg für Erdgas an den Rohstoffmärkten habe dazu geführt, dass Industrieunternehmen und Kraftwerke ihre Anlagen verstärkt mit Öl betreiben, heißt es im Monatsbericht. In den vergangenen Monaten hat Russland die Gaslieferungen nach Europa drastisch reduziert.

Die Agentur erwartet für das laufende Jahr ein Wachstum der weltweiten Ölnachfrage um 2,1 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag. Das sind 380.000 Barrel pro Tag oder etwa zwei Prozent mehr als in der vorangegangenen Schätzung. Die gesamte Nachfrage dürfte nach Einschätzung der Agentur im laufenden Jahr bei 99,7 Millionen Barrel pro Tag liegen. Im kommenden Jahr dürfte die Nachfrage dann auf täglich 101,8 Millionen Barrel ansteigen.

Der Energiekonzern RWE hält sich zu einer möglichen Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke bedeckt. "Wir warten die politische Entscheidung ab", sagte RWE-Chef Markus Krebber. Konkurrent E.ON hatte sich am Vortag zu Gesprächen über längere Laufzeiten bereiterklärt: "Sollte die Bundesregierung im Rahmen des laufenden Stresstests zu einer Neubewertung der Lage kommen, sind wir zu Gesprächen bereit", hatte E.ON-Finanzchef Marc Spieker gestern gesagt.

Bislang ist vorgesehen, dass in Deutschland die drei letzten Meiler Ende des Jahres stillgelegt werden. Sie werden von E.ON, RWE und EnBW betrieben. EnBW-Chef Frank Mastiaux hatte gesagt, im Falle einer deutlichen Verlängerung würden neue Brennstäbe gebraucht. In den vergangenen Wochen sind die Rufe nach einer Laufzeitverlängerung immer lauter geworden. Befürworter verweisen auf die gekürzten russischen Gaslieferungen und fordern, mit den Kernkraftwerken den Einsatz von Gaskraftwerken zu reduzieren.

Die Hamburger Container-Reederei Hapag-Lloyd erwartet absehbar eine Entspannung der Lieferketten - und damit einen Rückgang der Transportpreise. "Wir sehen derzeit in einigen Fahrtgebieten erste Anzeichen dafür, dass die kurzfristigen Raten im Markt nachgeben", sagte Chef Rolf Habben Jansen. Im ersten Halbjahr nahm Hapag-Lloyd trotz einer praktisch stagnierenden Transportmenge deutlich mehr ein als ein Jahr zuvor. Denn die Engpässe in den Häfen führen zu überdurchschnittlich langen Umlaufzeiten bei Schiffen und Containern, und in der Folge hohen Transportpreisen. Der Umsatz verdoppelte sich dadurch nahezu auf knapp 17 Milliarden Euro.

Die Deutsche Telekom hat im zweiten Quartal trotz verbraucherfreundlicherer Kündigungsrechte hierzulande mehr Kunden für sich gewonnen. Nach Abzug von Kündigungen seien 194.000 neue Vertragskunden unter der eigenen Marke und damit mehr als im Vorjahresquartal hinzugekommen. Der Konzernumsatz kletterte um fast sechs Prozent auf etwa 28 Milliarden Euro. Unter dem Strich kletterte der bereinigte Konzernüberschuss nach Minderheiten um fast 16 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro.

Zum ersten Mal seit fast 12 Jahren muss Siemens rote Zahlen melden - obwohl die Geschäfte gut laufen. Der Münchener Konzern machte im dritten Geschäftsquartal 1,5 Milliarden Euro Verlust. Die Gründe dafür sind eine hohe Abschreibung auf den verbliebenen Anteil an der ehemaligen Energiesparte Siemens Energy und Belastungen im Zusammenhang mit Russland, da sich Siemens wegen des Ukraine-Krieges von dort zurückzieht.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat bei der zur Deutschen Börse gehörenden Tochter Clearstream Banking AG nach einer Sonderprüfung Mängel festgestellt. Wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) am Donnerstag in Frankfurt weiter mitteilte, hatte sie im April dieses Jahres das Vorhalten zusätzlicher Eigenmittel angeordnet.

Zudem solle Clearstream Banking eine "ordnungsgemäße Geschäftsorganisation" sicherstellen und regelmäßig der Bafin und der Deutschen Bundesbank über Fortschritte der Mängelabstellung berichten. Nach der Sonderprüfung sei die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsorganisation nicht in allen geprüften Bereichen gegeben, hieß es weiter. Die Deutsche Börse hat nach eigenen Angaben die von der Finanzaufsicht Bafin gerügten Mängel im Risikomanagement ihrer Tochter Clearstream zum Teil behoben.

Clearstream ist nach eigenen Angaben ein führender europäischer Anbieter von Nachhandelsdienstleistungen. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Börse sorgt dafür, dass Bargeld und Wertpapiere zwischen Handelsparteien geliefert werden. Darüber hinaus managt, verwahrt und verwaltet das Unternehmen den Angaben zufolge die Wertpapiere, die es im Auftrag von Kunden hält.

Preiserhöhungen für seine Produkte haben dem Stahlhersteller Salzgitter im zweiten Quartal deutlich in die Hände gespielt. Aufgrund von Gewinnsprüngen bei der Stahlerzeugung, der Verarbeitung des Materials und im Handel stieg der Vorsteuergewinn (EBT) um mehr als das Dreifache auf rund 970 Millionen Euro, wie das im SDax notierte Unternehmen heute mitteilte. Der Außenumsatz erhöhte sich im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte auf 6,6 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieben Salzgitter 781 Millionen Euro übrig nach 231 Millionen im Vorjahr. Der Konzern bestätigte zudem die im Juni erhöhte Prognose.

Der Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp profitiert weiter von den gestiegenen Materialpreisen. Dagegen belasten den Konzern die gestiegenen Zinsen: Hier musste Thyssenkrupp in dem Zusammenhang millionenschwere Wertminderungen vornehmen, was den Nettogewinn drückte. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um gut ein Viertel auf knapp elf Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) konnte Thyssenkrupp mit 721 Millionen Euro fast verdreifachen.

Der Lkw- und Bushersteller Daimler Truck hat im zweiten Quartal dank Preiserhöhungen, vorteilhaften Wechselkursen und mehr Absatz überraschend viel Geschäft gemacht. Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 18 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern steigerte Daimler Truck um 15 Prozent auf 1,01 Milliarden Euro. Den auf die Aktionäre entfallenden Nettogewinn steigerten die Schwaben um gut die Hälfte auf 992 Millionen Euro.

Der Mobilfunk-Anbieter Freenet legt nach guten Geschäften im zweiten Quartal die Latte für das Gesamtjahr etwas höher. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürfte jetzt 460 bis 480 Millionen Euro erreichen, teilte das im MDAX und TechDAX gelistete Unternehmen am Abend nach Xetra-Schluss in Büdelsdorf mit. Bisher hatte die Zielspanne jeweils zehn Millionen Euro niedriger gelegen.

Freenet begründete die Entwicklung auch mit einem höheren Umsatzanteil des TV- und Mediengeschäfts. Im zweiten Quartal stagnierte der Umsatz mit rund 620 Millionen Euro praktisch auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Operative legte das Ergebnis jedoch um acht Prozent auf knapp 123 Millionen Euro zu. Während Analysten sich beim Umsatz im Schnitt mehr ausgerechnet hatten, übertraf Freenet beim operativen Ergebnis die Erwartungen. Der Konzerngewinn stieg um rund sechs Prozent auf knapp 35 Millionen Euro.

Der Einzelhandelsimmobilien-Spezialist Deutsche Euroshop hat im ersten Halbjahr Umsatz und Ergebnis gesteigert. Das dürfte besonders die Finanzinvestoren Oaktree und die Vermögensverwaltung Cura freuen, die das Unternehmen übernehmen wollen. Cura ist die Holding der Familie Otto.

Die Erlöse legten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,7 Prozent auf 105,7 Millionen Euro zu, wie das Unternehmen am Abend in Hamburg mitteilte. Das Konzernergebnis stieg um gut Viertel auf 46,2 Millionen Euro. Die für die Branche wichtige Kennzahl FFO (bereinigte Funds from Operations) legte um gut ein Fünftel auf 66,7 Millionen Euro zu.

Als wesentlichen Grund für die Entwicklung nannte das Unternehmen die nachlassenden Aus- und Nachwirkungen der Corona-Pandemie. Die Aktionäre von Deutsche Euroshop sollen für 2021 eine Dividende von einem Euro je Aktie erhalten. Mit Blick auf das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen weiter mit einem FFO von 1,95 bis 2,05 Euro je Aktie. Dieser hatte im ersten Halbjahr bei 1,08 Euro gelegen.

Der Südzucker-Konzern schraubt vor allem dank guter Geschäfte seiner Tochter Cropenergies erneut seine Jahresziele nach oben. Nachdem die Unternehmen ihre Erwartungen bereits im Juni angehoben hatten, legten sie am Nachmittag noch mal eine Schippe drauf. Im laufenden Geschäftsjahr bis Ende Februar 2023 soll das operative Ergebnis noch deutlicher steigen als bisher gedacht. Hauptgrund ist die jüngste Preisentwicklung bei Ethanol und Rohstoffen im Geschäft von Cropenergies.

Südzucker erwartet für das laufende Geschäftsjahr jetzt ein operatives Ergebnis zwischen 450 und 550 Millionen Euro. Das sind am oberen und unteren Ende der Spanne jeweils 50 Millionen mehr als bisher. Im Vorjahr hatte der operative Gewinn bei lediglich 332 Millionen gelegen. Der Umsatz soll von 7,6 Milliarden Euro im vorigen Geschäftsjahr auf jetzt 8,9 bis 9,3 Milliarden Euro steigen.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. August 2022 um 09:00 Uhr.