Händler an der New Yorker Börse
marktbericht

Reaktion auf Rating-Abstufung US-Börsen schließen tief im Minus

Stand: 02.08.2023 22:16 Uhr

Klare Verluste zum Handelsschluss in New York: An der Wall Street kam die Nachricht von einer Bonitätsabstufung der USA durch die Ratingagentur Fitch nicht gut an. Vor allem Technologiewerte kamen unter Druck.

Der Dow-Jones-Index rutschte im Handelsverlauf am Abend immer weiter abwärts und schloss mit 35.283 Punkten ein Prozent tiefer. Damit ist eine lange Serie an Gewinntagen beim Weltleitindex nun gerissen.

An der Technologiebörse Nasdaq mit Schwergewichten wie Apple, Netflix oder dem Chipkonzern Intel ging es noch deutlicher bergab. Der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 2,2 Prozent auf 15.371 Zähler. Der marktbreite S&P 500 rutschte um 1,4 Prozent auf 4513 Punkte ab.

Auslöser für den Ausverkauf am Aktienmarkt in den USA war die Nachricht, dass die Ratingagentur Fitch die Bonität der USA abgestuft hat. Die Bonitätsnote wurde um eine Stufe von "AAA" auf "AA+" zurückgenommen. Die Herabstufung könnte die Schuldenaufnahme der Vereinigten Staaten auf dem Kapitalmarkt teurer machen und wird an den Finanzmärkten als wichtiges psychologisches Signal verstanden.

Während viele Marktexperten überrascht auf die Maßnahme der Ratingagentur reagierten kam aus der US-Regierung Kritik an Fitch. US-Finanzministerin Janet Yellen sagte, die Abstufung sei willkürlich und basiere auf veralteten Daten. Das Weiße Haus verwies darauf, dass sich die US-Wirtschaft besonders schnell von der Pandemie erholt habe. Deswegen widerspreche es der Realität, das Rating ausgerechnet jetzt zu senken.

Zuvor hatten auch die Aktienmärkte in Europa mit Verlusten auf die Bonitäts-Herabstufung der USA reagiert. Der DAX beendete den Handelstag auf XETRA mit 16.020 Punkten, ein Minus von 1,4 Prozent. Der Late-DAX im Abendhandel schloss nur wenig darüber, bei 16.028 Punkten. Zusammen mit den gestrigen Verlusten hat der deutsche Aktienindex damit binnen zwei Handelstagen rund 500 Punkte eingebüßt. Zum Wochenbeginn hatte der IDAX noch ein Allzeithoch bei 16.529 Zählern erreicht.

"Technisch ist die Welt auch nach diesem Kursrutsch immer noch in Ordnung, komplett abschreiben sollte man den Bullenmarkt noch lange nicht", meint Marktanalyst Konstantin Oldenburger von CMC Markets zur jähen Abwärtsbewegung am Aktienmarkt.

Der US-Arbeitsmarkt ist weiterhin stabil. Die Privatwirtschaft der USA hat im Juli erneut unerwartet viele neue Stellen geschaffen. Im Vergleich zum Vormonat stieg die Beschäftigung um 324.000 Stellen, wie der Arbeitsmarktdienstleister ADP in Washington mitteilte. Analysten hatten im Schnitt nur mit 190.000 neuen Arbeitsplätzen gerechnet.

In den USA läuft die Berichtssaison derweil weiter auf vollen Touren. Der US-Lebensmittelkonzern Kraft Heinz hat seinen Gewinn im zweiten Quartal deutlich gesteigert. Während der Umsatz dank höherer Preise leicht um 2,6 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar wuchs, vervierfachte sich der Gewinn auf 1 Milliarde Dollar. Besser als gedacht lief es auch beim US-Chemiekonzern Dupont. Eine schwächere Nachfrage aus der Unterhaltungselektronik- und Halbleiterindustrie hat zwar im zweiten Quartal für einen Umsatz- und Ergebnisrückgang gesorgt. Analysten hatten allerdings bei beiden Kennziffern mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet.

Update Wirtschaft vom 02.08.2023

Bettina Seidl, HR, tagesschau24, 02.08.2023 09:00 Uhr

Die Abstufung der US-Bonitätsnote durch Fitch hat am Devisenmarkt der europäischen Gemeinschaftswährung keinen Schub gegeben. Am Abend kostet die Gemeinschaftswährung mit 1,0933 Dollar sogar weniger als am Vortag. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,0970 Dollar festgelegt.

Nachdem die Ölnotierungen noch im frühen Handel dreimonatige Höchststände markiert hatten, ging es am Nachmittag deutlich abwärts. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet derzeit 83 Dollar rund zwei Prozent weniger als gestern. Dabei zeigen aktuelle Daten einen deutlichen Rückgang der US-Rohölbestände. Das US-Energieministerium hatte am Nachmittag aber einen überraschenden Anstieg der Benzinbestände um 1,5 Millionen auf 219,1 Millionen Barrel gemeldet.

Eine Reihe von Quartalszahlen sorgten im DAX und den Nebenwerteindizes für reichlich Kursbewegung. Allerdings wurden die Geschäftsergebnisse überwiegend mit Kursverlusten quittiert. Am besten konnte sich die Aktie des Gesundheitskonzerns Fresenius behaupten. Das Unternehmen steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal um drei Prozent auf 10,4 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ging zwar um fünf Prozent auf 956 Millionen Euro zurück, Analysten hatten allerdings weniger auf dem Zettel.

Deutliche Verluste dagegen bei Siemens Healthineers, die Aktie büßte mehr als sechs Prozent ein. Dabei ist der Konzern nach einem schwächeren ersten Halbjahr im dritten Geschäftsquartal auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Der Umsatz stieg in den drei Monaten bis Ende Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,3 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank jedoch um drei Prozent auf 740 Millionen Euro und enttäuschte damit.

Klare Tagesverluste auch beim Aromenhersteller Symrise. Höhere Kosten haben bei Symrise im ersten Halbjahr Spuren hinterlassen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) fiel von Januar bis Juni um gut acht Prozent auf 446 Millionen Euro. Der Umsatz legte um 6,8 Prozent auf gut 2,4 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich fiel der Gewinn um 18 Prozent auf 188 Millionen.

Ein Großauftrag für Siemens zur Erneuerung der S-Bahn-Flotte für München hat einen Wert von mehr als zwei Milliarden Euro, wie Siemens am Nachmittag meldete. Von Ende 2028 bis 2032 liefert die Sparte Mobility des Münchner Technologiekonzerns 90 S-Bahn-Züge für das Nahverkehrs-System der bayerischen Landeshauptstadt. Dazu kommt eine Option auf 90 weitere Züge. Siemens setzte sich bei der Ausschreibung gegen den französischen Konkurrenten Alstom durch, der den Zuschlag vergeblich anfocht.

Im Nebenwerte-Index SDAX sprangen die Aktien des Internetkonzerns United Internet und seiner Mobilfunktochter 1&1 jeweils um rund 15 beziehungsweise Prozent nach oben. Zuvor hatten 1&1 und Konkurrent Vodafone eine langfristige National-Roaming-Partnerschaft angekündigt. Die Titel des Wettbewerbers Telefonica Deutschland, mit dem 1&1 bisher einen solchen Vertrag hatte, sackten am MDAX-Ende ähnlich stark ab. Beim Vertrag mit Vodafone ist anders als mit Telefonica Deutschland auch der neueste Mobilfunkstandard 5G inbegriffen.

Hugo Boss hat im Frühjahr besser abgeschnitten als erwartet. Der Konzern und hob die Prognose erneut an. Für 2023 erwartet er nun ein Umsatzplus von zwölf bis 15 Prozent auf einen Rekordwert von 4,1 bis 4,2 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) soll um 20 bis 25 Prozent auf 400 bis 420 Millionen Euro steigen. Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 20 Prozent auf 1,03 Milliarden Euro. Das Ebit stieg um 21 Prozent auf 121 Millionen Euro.

Die Auto1 Group geht nach Kostensenkungen im zweiten Quartal von einem geringeren operativen Verlust in diesem Jahr aus. Im zweiten Quartal ging der bereinigte operative Verlust von 46,8 Millionen Euro ein Jahr zuvor auf 14,8 Millionen zurück. Von April bis Juni verkaufte Auto1 141.682 Autos und damit knapp 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Umsatz fiel um knapp 23 Prozent auf 1,34 Milliarden Euro und damit etwas stärker als von Analysten geschätzt. Die Aktie aus dem SDAX schloss deutlich im Minus.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. August 2023 um 09:00 Uhr.