Händler an der Frankfurter Börse
Marktbericht

DAX auf Zweimonats-Hoch Kursauftrieb an Pfingsten

Stand: 06.06.2022 12:25 Uhr

Nachlassende Konjunktursorgen haben den Börsen einen guten Start in die Pfingstwoche beschert. Der DAX kletterte auf den höchsten Stand seit Ende März. Sind die Zinsängste übertrieben?

Gute Nachrichten aus China und den USA haben die Anleger an die Aktienmärkte zurückgelockt. Im DAX ging es um 1,3 Prozent aufwärts. Der deutsche Leitindex schaffte es zeitweise gar erstmals seit Ende März wieder über die Marke von 14.700 Punkten. In den letzten vier Wochen hat er fast 1.300 Punkte zugelegt.

Leichter Rückenwind kam von der Wall Street. Die US-Börsen starteten mit Kursgewinnen in die Woche. Der Dow Jones zog in den beiden ersten Handelsstunden um 0,4 Prozent an. Die Nasdaq legte um 0,7 Prozent zu.

Positive Impulse kamen aus China: Das Ende der Corona-Lockdowns in den Metropolen Shanghai und Peking nährte Hoffnungen auf eine baldige Erholung der Weltwirtschaft. Zudem gab es erfreuliche Konjunkturdaten. Die Stimmung im Dienstleistungssektor hellte sich im Mai ein wenig auf.

Für Erleichterung sorgte auch ein Bericht des "Wall Street Journal", demzufolge die chinesischen Behörden das Verbot zur Aufnahme neuer Kunden beim Uber-Rivalen Didi womöglich bald aufheben. "Das schürt Optimismus, dass bei der strengen Regulierung der Technologiewerte Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist", sagte Anlagestratege Christopher Wong von der Maybank. Die Regierung in Peking hatte Didi unter anderem den Missbrauch von Nutzerdaten vorgeworfen. Die Aktien von Didi schnellten um über 50 Prozent nach oben.

Die überraschend starken Daten vom US-Arbeitsmarkt wirkten nach. Die Zahlen deuteten auf eine "weiche Landung" der weltgrößten Volkswirtschaft hin, sagte Mark Haefele, Chef-Anleger der Vermögensverwaltung der Bank UBS. Er sagte für den Herbst ein verlangsamtes Zinserhöhungstempo der US-Notenbank Fed voraus.

Naeem Aslam, Marktbeobachter des Brokerhauses AvaTrade, warnte allerdings vor überzogenem Optimismus. Die aktuelle Erholung könnte sich als Strohfeuer entpuppen. Größere Klarheit über die weitere Entwicklung der Zinsen in den USA verspreche er sich von den Inflationsdaten, die am Freitag veröffentlicht werden. Experten erwarten für Mai eine unveränderte Teuerungsrate von 8,3 Prozent im Jahresvergleich.

Mit Spannung warten Börsianer außerdem auf die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Sollte EZB-Chefin Christine Lagarde eine Zinserhöhung im Juli um einen halben Prozentpunkt nicht ausschließen, werde der Euro aufwerten, prognostizierte ein Börsianer. Heute stagnierte die Gemeinschaftswährung bei 1,0725 Dollar. Ökonomen zufolge dürfte die EZB in dieser Woche die Einstellung ihrer Nettoanleihekäufe verkünden. Damit würde sie den Grundstein legen für die erste Erhöhung der Leitzinsen seit 2011.

Stärker gefragt war heute das Pfund Sterling, das um 0,4 Prozent auf gut 1,25 Dollar zulegte. Der britische Premierminister Boris Johnson muss sich am Abend wegen der "Partygate"-Affäre einem Misstrauensvotum seiner konservativen Partei stellen. "Der Markt will Johnson verlieren sehen", sagte Stuart Cole, Chef-Volkswirt des Brokerhauses Equiti Capital. Denn unter einer neuen Führung könne sich die Regierung auf die wichtigen Themen wie die Inflation konzentrieren.

Die wegfallenden Corona-Beschränkungen in China trieben die Rohstoffpreise an. Denn das Reich der Mitte gilt als einer der wichtigsten Abnehmer von Rohstoffen. Kupfer verteuerte sich um 2,4 Prozent auf 9724 Dollar je Tonne. Der Preis für Eisenerz stieg in China um bis zu 3,4 Prozent auf ein Zehn-Monats-Hoch von 1008,50 Yuan (152 Dollar).

Die Ölpreise gaben leicht nach, nachdem sie zunächst noch gestiegen waren. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Abend mit 119,40 Dollar 0,3 Prozent weniger als am Freitag, nachdem es zwischenzeitlich fast bis auf 122 Dollar nach oben gegangen war. Saudi-Arabien hat die Preise für seine Rohölverkäufe im Juli stark angehoben.

Der Goldpreis konsolidiert weiter. Aktuell werden für eine Feinunze des gelben Edelmetalls 1843 Dollar gezahlt. Das sind 0,4 Prozent weniger.

Etwas mehr als ein Jahr nach dem Abstieg aus dem DAX feiert Beiersdorf ein Comeback in der ersten deutschen Börsenliga. Der "Nivea"-Hersteller ersetzt Delivery Hero, teilte die Deutsche Börse am Freitagabend mit. Der Essenslieferant, der seit Jahren Verluste schreibt und dessen Einzug in den DAX daher einst von vielen kritisiert worden war, steigt in den Nebenwerteindex MDAX ab.

Im MDax ersetzt zudem der Ökostrom-Anbieter Encavis den Finanzdienstleister Hypoport. Neben Hypoport wird künftig auch wieder das Rüstungsunternehmen Hensoldt im SDAX vertreten sein sowie der Windpark-Projektierer PNE. Ausscheiden müssen dafür der Laser-Experte LPKF und der Kohlefaser-Spezialist SGL. Die Deutsche Börse wird die Änderungen zum 20. Juni umsetzen.

Im MDAX war heute die Nemetschek-Aktie nach einer Kaufempfehlung der US-Bank Citigroup gefragt. Deren Analyst Pavan Daswani nahm die Bewertung der Papiere mit "Buy" und einem Kursziel von 85 Euro auf. Er begründete seine positive Einschätzung mit einem führenden Wachstum des Bausoftware-Anbieters im europäischen Digitalsektor - und ernannte die Aktie zum "Top Pick" in dieser Branche.

Ein Bericht des "Wall Street Journal", wonach die US-Regierung im Kampf gegen die hohe Inflation die Aufhebung von einigen Zöllen auf chinesische Produkt erwägt, gab auch deutschen Solar-Titeln Rückenwind. Im SDAX gehörten Aktien des Herstellers von Wechselrichtern für Solarmodule, SMA Solar, mit einem Plus von über zwei Prozent zu den gefragtesten Werten.

Mercedes-Benz ruft dem Kraftfahrt-Bundesamt zufolge wegen möglicher Bremsprobleme weltweit fast eine Million ältere Fahrzeuge zurück. Betroffen sind demnach ML-, GL- und R-Klasse-Autos der Baujahre 2004 bis 2015, wie die Behörde in ihrer Rückrufdatenbank mitteilte. Auf Deutschland entfallen vermutlich annähernd 70.000 Autos.

Beim Mobilfunk-Ausbau ist der Netzbetreiber Telefónica (O2) offenbar längst noch nicht so weit wie seine Konkurrenten. Einem internen Papier zufolge, das die Bundesnetzagentur dem Digitalausschuss des Bundestags zugeschickt hat und das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, ist Vodafone am weitesten. Die Antennen des britischen Anbieters erreichten im April 98,3 Prozent der deutschen Haushalte. Die Deutsche Telekom kam auf 98,2 Prozent und Telefónica auf 95,1 Prozent.

Die Twitter-Aktien fielen zum Handelsstart um vier Prozent. Die Papiere von Tesla legten hingegen um mehr als zwei Prozent zu. Tesla-Chef Elon Musk droht erneut mit dem Ausstieg aus seiner für 44 Milliarden Dollar geplanten Übernahme des Kurznachrichtendienstes Twitter. In einem heute veröffentlichten Schreiben seiner Anwälte heißt es, dass Twitter seine Verpflichtungen "eindeutig verletzt" habe. Musk behalte sich daher das Recht vor, die Fusionsvereinbarung zu kündigen. Musk will genaue Daten über den Anteil gefälschter Twitter-Konten haben, bevor er den Kurznachrichtendienst übernimmt.

Die niederländische Fluggesellschaft KLM hat am Pfingstsonntag damit begonnen, zahlreiche ihrer am Vortag in europäischen Ländern gestrandeten Passagiere nach Amsterdam zu bringen. Zugleich werde hart daran gearbeitet, Fluggäste umzubuchen, die eigentlich bereits am Samstag vom Airport Schiphol weiterfliegen wollten und ihre Anschlüsse verpassten, sagte ein KLM-Sprecher der Nachrichtenagentur ANP.

Der schweizerische Pharmakonzern Novartis ist ins Visier von Hackern geraten. Novartis bestätigte am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA einen entsprechenden Bericht der Westschweizer Tageszeitung "Le Temps", der sich auf die spezialisierte Internetseite BleepingComputer stützte. Der Fall sei eingehend untersucht worden, ein Diebstahl von sensiblen Daten könne ausgeschlossen werden.

Die Aktionäre des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV haben bei der Hauptversammlung ein negatives Urteil über Ex-Chef Rainer Seele und seine Russland-Strategie gefällt. Die Mehrheit der Eigentümer, darunter auch die Staatsholding ÖBAG, verweigerte dem deutschen Manager die Entlastung als Vorstandsvorsitzender für das Vorjahr. Seele verließ das Unternehmen Mitte 2021.

Apple wird heute ab 19.00 Uhr unserer Zeit einen Ausblick auf die künftigen Funktionen seiner Geräte geben. Zum Auftakt seiner Entwicklerkonferenz WWDC stellt der Konzern traditionell Neuerungen seiner Betriebssysteme für iPhone, iPad, Mac-Computer und die Computer-Uhr Apple Watch vor, die zum Herbst verfügbar werden. Diesmal wird laut Medienberichten unter anderem erwartet, dass auf den iPad-Tablets die gleichzeitige Nutzung mehrerer Apps einfacher gemacht wird.

Der italienische Wasserstoff-Spezialist und Thyssenkrupp-Partner Industrie De Nora will Insidern zufolge in der neuen Woche seine Börsenpläne bekannt geben. Das Unternehmen, das Anlagenkomponenten für die Wasserstoff-Produktion liefert, strebe seine Erstnotiz an der Börse von Mailand im Juni an, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters.