Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / Xinhua News A
Marktbericht

Nach dem Zinsentscheid Kurse fallen nach Fed-Aussagen

Stand: 02.11.2022 21:46 Uhr

Vielleicht verlangsamt die Fed ihren aggressiven Zinserhöhungskurs. Auf jeden Fall aber bleibt sie fest entschlossen, die Inflation zu bekämpfen. Diese Botschaft kam an der Wall Street nicht gut an.

Wie von vielen Marktexperten erwartet sorgte die heutige Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve für heftige Kursausschläge an den Finanzmärkten. Am Ende setzte sich eine pessimistische Lesart der Ereignisse durch. Der amerikanische Leitindex Dow Jones büßte 1,44 Prozent ein und beendete damit seine jüngste Gewinnserie, die von der Hoffnung auf eine langsamere geldpolitische Gangart der Fed getragen war.

Die zinssensitiveren Technologietitel brachen im Verlauf regelrecht ein. Der Nasdaq 100 büßte zum Handelsschluss 3,4 Prozent ein.

Sorge um Rezession bleibt

Wie weithin erwartet, hatten die US-Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell den Leitzins zum vierten Mal in Folge um einen großen Schritt von 0,75 Prozentpunkten erhöht, um der hartnäckigen Inflation Herr zu werden. In der nachfolgenden Pressekonferenz deutete Powell zwar eine mögliche Verlangsamung des Zinstempos an, betonte aber mehrfach die Entschlossenheit der Fed, die Inflation bis zum Ende zu bekämpfen. Es sei "sehr verfrüht", um über eine Pause bei den Zinserhöhungen nachzudenken, sagte der Notenbanker. Das war vielen Marktteilnehmern zu viel der scharfen Rhetorik. Die Sorge, dass die straffe Geldpolitik der Konjunktur den Garaus macht, bleibt den Märkten also erhalten.

Zumal die Fed bei ihrer Geldpolitik nicht zuletzt die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Blick hat. Die Zahl der freien Stellen kletterte im September auf 10,7 Millionen, was die Löhne im ohnehin heiß gelaufenen Jobmarkt antreibt und den Druck auf die Notenbank zusätzlich erhöht. Laut dem Arbeitsmarktdienstleister ADP hat die Privatwirtschaft der USA im Oktober deutlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Im Vergleich zum Vormonat kamen 239.000 Stellen hinzu. Analysten hatten im Schnitt nur mit 185.000 neuen Arbeitsplätzen gerechnet.

Wegen der Zeitumstellung wird an der Wall Street in dieser Woche von 14.30 bis 21.00 MEZ gehandelt. Am Sonntag endet auch in den USA die Sommerzeit. Nächste Woche findet der Handel also wieder wie gewöhnlich um 15.30 bis 22.00 Uhr MEZ statt.

DAX-Anleger nehmen Gewinne mit

Im Vorfeld des Zinsentscheids der Fed war auch am deutschen Aktienmarkt kein Blumentopf zu gewinnen. Der DAX ging 0,6 Prozent tiefer aus dem Handel.

Davor hatte das Börsenbarometer sieben Handelstage in Folge mit einem positiven Vorzeichen beendet und damit Experten zufolge den in diesem Jahr gültigen Abwärtstrend durchbrochen. Erst gestern erreichte der deutsche Leitindex mit zeitweise 13.444 Zählern ein neues Hoch seit Mitte September.

Euro rutscht wieder ab

Der Euro knickte nach einem zwischenzeitlichen Gewinn während der Pressekonferenz von Powell wieder ein. Die Entschlossenheit der US-Notenbanker, ihren Zinskurs beizubehalten, drückte die Gemeinschaftswährung unter 0,9840 Dollar.

Ölpreise ziehen nach Lagerdaten an

Nach einem überraschenden Rückgang der Öllagerbestände in den USA zogen die Ölpreise am Nachmittag wieder an. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 95,70 Dollar, ein Plus von einem Prozent. Die Vorräte sanken im Vergleich zur Vorwoche um 3,1 Millionen Barrel (159 Liter) auf 436,8 Millionen Barrel, wie das US-Energieministerium mitteilte. Analysten hatten nur einen Rückgang um 0,2 Millionen Barrel erwartet. Der Rückgang der US-Ölreserven kann ein Hinweis auf eine stärkere Nachfrage oder ein zu geringes Angebot sein.

US-Apothekenketten zahlen Milliarden-Schadenersatz

Wegen der Opioid-Krise in den USA haben sich die Apotheken-Ketten CVS und Walgreens zur Zahlung von insgesamt zehn Milliarden Dollar Schadenersatz bereit erklärt. Im Gegenzug sollen alle laufenden Verfahren gegen die Apotheken-Riesen eingestellt werden. Beide Apotheken-Ketten betonten, dies stelle kein Schuldeingeständnis dar. Es sei aber im "besten Interesse" aller Beteiligten, das Thema abzuschließen. In den vergangenen 20 Jahren sind in den USA mehr als eine halbe Million Menschen an den Folgen einer Opioid-Überdosis gestorben. Das umfasst sowohl verschriebene Schmerzmittel als auch illegale Drogen wie Heroin. Viele Experten führen die Opioid-Krise auf die übermäßige Verschreibung opioidhaltiger Schmerzmittel zurück. Den Herstellern sowie Großhändlern und Apotheken wurde vorgeworfen, die Mittel aggressiv beworben und auf Warnzeichen der Suchtkrise nicht reagiert zu haben.

Immobilienfirmen rudern zurück

Am Abend gab es zwei Prognosesenkungen aus dem Immobiliensektor. Vor dem Hintergrund der jüngsten Schwäche des europäischen Immobilienmarkts hat der Immobilieninvestment-Anbieter Patrizia seine Ergebnisprognose deutlich gesenkt. Das SDAX-Unternehmen rechnet jetzt beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) mit einem Wert zwischen 60 und 75 Millionen Euro. Damit könnte sich das operative Ergebnis im laufenden Jahr jetzt mehr als halbieren. Bislang hatte Patrizia 100 bis 120 Millionen Euro Aussicht gestellt. Die neue Prognose liegt deutlich unter den Erwartungen der Experten.

Auch das ebenfalls im SDAX notierte Gewerbeimmobilienunternehmen DIC Asset schraubte seine Ergebnisprognose herunter. Das operative Ergebnis (FFO) werde 2022 bei 114 bis 117 Millionen Euro liegen. Zuvor hatte die Firma 130 bis 136 Millionen Euro angepeilt.

Teamviewer gefeiert

Mit einem Plus von mehr als 13 Prozent stand Teamviewer an der Spitze der MDAX-Gewinner. Dank eines überdurchschnittlichen Wachstums in ertragsstarken Geschäftsbereichen sieht sich das Software-Haus für den Rest des Jahres auf einem guten Weg.

Fielmann senkt Prognose

Nachdem sie zeitweise fast elf Prozent verloren hatte, konnte sich die Aktie von Fielmann im Verlauf wieder etwas erholen. Die Optikerkette hatte die Ergebnisprognose für das laufende Jahr gesenkt. Die hohe Inflation und die Auswirkungen des Ukraine-Krieges belasteten das Konsumverhalten europaweit zunehmend, teilte das SDAX-Unternehmen mit. Das Ergebnis vor Steuern erwartet Fielmann daher nun bei mehr als 160 Millionen Euro, nach zuvor avisierten über 190 Millionen. Der Konzernumsatz soll bei etwa 1,75 Milliarden Euro liegen. Hier hatte Fielmann bislang mit etwa 1,8 Milliarden nur wenig mehr in Aussicht gestellt. Nach vorläufigen Zahlen zum dritten Quartal stieg der Konzernumsatz leicht von rund 461 auf rund 463 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Steuern sank von 85,4 auf rund 52 Millionen Euro.

Leoni nach Zahlen schwächer

Die am Abend veröffentlichten vorläufigen Quartalszahlen von Leoni kamen nicht gut an. So lag das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) der fortgeführten Geschäftsbereiche bei minus 71 Millionen Euro, nach minus 20 Millionen Euro im Vorjahr. Vor allem wegen der weiterhin erwarteten Kosteninflation stellte der Autozulieferer für das Gesamtjahr ein Ebit vor Sondereffekten "im hohen, negativen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich" in Aussicht.

Auto1 kappt Absatzprognose für 2022 erneut

Der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 dampft seine Absatzerwartungen für das laufende Jahr weiter ein. Angestrebt würden jetzt rund 655.000 verkaufte Fahrzeuge, teilte das SDAX-Unternehmen mit. Das entspricht dem unteren Ende der Zielspanne, deren obere Marke Auto1 bereits im August auf 725.000 Einheiten gekappt hatte. Der Umsatz soll jedoch mit 6,5 bis 6,7 Milliarden Euro mindestens die Mitte der bisherigen Prognose erreichen. Zudem soll der um Sonderposten bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) weiterhin bei zwei bis drei Prozent des Umsatzes liegen.

Norma legt dank Preissteigerungen zu

Der hessische Auto- und Industriezulieferer Norma hat dank Preiserhöhungen und positiven Währungseffekten im dritten Quartal zugelegt. Bei einem Umsatzplus von 19,9 Prozent auf 318,6 Millionen Euro stieg das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) auf 27,0 (Vorjahr: 22,8) Millionen Euro, wie der Hersteller von Verbindungstechnik mitteilte. Die operative Umsatzrendite verharrte wegen steigender Kosten mit 8,5 Prozent auf Vorjahresniveau.

Südzucker rechnet mit noch mehr Umsatz

Südzucker hebt seine Jahresziele wegen besserer Geschäfte mit Zucker noch einmal an. Der Umsatz des laufenden Geschäftsjahres (bis Ende Februar) soll nun auf 9,7 bis 10,1 Milliarden Euro klettern nach 7,6 Milliarden im Vorjahr, wie das im SDAX notierte Unternehmen mitteilte. Erst Mitte Oktober hatte der Konzern schon einmal seine Prognose erhöht und eine Spanne von 9,4 bis 9,8 Milliarden Euro ins Auge gefasst. Die Verbesserung werde durch das Segment Zucker getragen.

Starkes US-Geschäft beflügelt Novo Nordisk

Der Insulinhersteller Novo Nordisk hat sich im vergangenen Quartal besser geschlagen als gedacht und erneut seine Ziele erhöht. Vor allem das Geschäft der Dänen mit Medikamenten gegen Übergewicht blüht, aber auch das Kerngeschäft mit Insulinen zog zuletzt stark an.

Airbnb trotz starker Zahlen für viertes Quartal vorsichtig

Trotz eines überraschend starken Gewinnsprungs bleiben die Ziele von Airbnb für das vierte Quartal hinter den Markterwartungen zurück. Der Umsatz werde wohl zwischen 1,8 und 1,88 Milliarden Dollar liegen, teilte der Zimmervermittler gestern Abend mit. Der Mittelwert daraus liegt unter den bisherigen Analystenprognosen. Das Unternehmen warnte vor einer Abkühlung der Nachfrage, nachdem in den vergangenen Monaten mehr als 100 Millionen Übernachtungen über die Plattform gebucht wurden - so viel wie noch nie in einem dritten Quartal. Außerdem belastete der starke Dollar die Bilanz.

AMD bleibt mit Ausblick hinter Erwartungen zurück

Nach einem Quartalsergebnis im Rahmen der vor einigen Wochen zurückgeschraubten Prognosen blickt AMD verhalten auf den Jahresabschluss. Im letzten Vierteljahr 2022 werde der Umsatz voraussichtlich bei 5,5 Milliarden Dollar liegen, plus/minus 300 Millionen Euro, teilte der Chip-Hersteller mit. Analysten hatten bislang mit 5,85 Milliarden Dollar gerechnet. Das Unternehmen verwies auf eine geringere Nachfrage nach PCs und Hochleistungs-Chips für Rechenzentren. Der Branche machen unter anderem die Corona-Lockdowns in China zu schaffen. Verschärft werden die Probleme durch die US-Beschränkungen für den Export bestimmter Chips.

"Tinder"-Bezahldienste bescheren Match Umsatzplus

Die wachsende Beliebtheit kostenpflichtiger Premium-Abos bei "Tinder" beschert dem Betreiber der Dating-App ein überraschend starkes Umsatzplus. Die Erlöse seien im abgelaufenen Quartal um sechs Prozent auf 810 Millionen Dollar gestiegen, teilte Match mit. Analysten hatten im Schnitt 793 Millionen Dollar erwartet. Für das laufende Quartal äußerte sich das Unternehmen dagegen zurückhaltend. Wegen der schwachen Konjunktur und Belastungen durch den starken Dollar rechnet es mit Erlösen von 780 bis 790 Millionen Dollar und bleibt damit hinter den Markterwartungen zurück.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. November 2022 um 09:00 Uhr.