Sam Bankman-Fried | picture alliance/dpa/AP

Kryptobörse-Pleite FTX-Gründer plädiert auf nicht schuldig

Stand: 04.01.2023 08:53 Uhr

Der Gründer der insolventen Kryptobörse FTX, Sam Bankman-Fried, pocht vor Gericht auf seine Unschuld. Bei einer Verurteilung drohen dem 30-Jährigen bis zu 115 Jahre Gefängnis.

Der wegen Betrugs, Geldwäsche und anderer Straftaten angeklagte Gründer der insolventen Kryptobörse FTX, Sam Bankman-Fried, hat wie erwartet die gegen ihn gerichteten Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. Er bekannte sich gestern bei einer Anhörung in New York nichtschuldig, Anleger betrogen und deren Depots geplündert zu haben.

Bankman-Frieds Anwalt, Mark Cohen, sagte dem Gericht, sein Mandant bekunde in allen Anklagepunkten seine Unschuld. US-Medienberichten zufolge setzte Richter Lewis Kaplan den Termin für den Beginn des Prozesses gegen den FTX-Gründer daraufhin vorläufig auf den 2. Oktober fest.

Kundengelder im großen Stil veruntreut?

Die Staatsanwaltschaft wirft Bankman-Fried unter anderem vor, Investoren seines vor rund zwei Monaten kollabierten Krypto-Imperiums in die Irre geführt und in großem Stil Kundengelder veruntreut zu haben. Der 30-Jährige soll gewaltige Summen von Anlegern von seiner Plattform abgezweigt und damit Luxusimmobilien gekauft, Spenden an Politiker getätigt und riskante Finanzgeschäfte abgewickelt haben.

Der Angeklagte gibt Fehler zu, weist Betrugsabsichten aber von sich. Ihm droht bei einer Verurteilung in allen acht Anklagepunkten theoretisch eine Gefängnisstrafe von bis zu 115 Jahren. Andere ehemalige FTX-Topmanager haben sich bereits schuldig bekannt und den Konzerngründer schwer belastet.

Von 26 Milliarden auf 100.000 US-Dollar

Sam Bankman-Fried, in der Kryptobranche nur SBF genannt, war am 12. Dezember auf Betreiben der US-Justizbehörden auf den Bahamas verhaftet worden, wo FTX - vor dem Kollaps einer der größten Handelsplätze für Kryptowährungen wie Bitcoin - den Hauptsitz hatte. Vor Weihnachten wurde der FTX-Gründer von den Bahamas an die USA ausgeliefert.

Gegen eine Kaution von 250 Millionen US-Dollar durfte er danach wieder auf freien Fuß. Allerdings muss bei US-Verfahren in der Regel nur ein Bruchteil der Kautionssumme hinterlegt werden. Bankman-Fried hatte im November erklärt, nur noch über 100.000 US-Dollar zu verfügen. Vor der FTX-Pleite wurde sein Vermögen von Forbes und Bloomberg zeitweise auf über 26 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Laut US-Medien wurde bei dem Kautionsantrag unter anderem das Haus seiner Eltern, zweier Professoren der US-Eliteuni Stanford, als Sicherheit eingebracht. In diesem Haus wird er nun die Zeit bis zum Prozess verbringen und wird dort auch elektronisch überwacht.

Banken sollen bei Kryptowährungen vorsichtiger sein

Der Zusammenbruch der Börse FTX hatte die Welt der Cyberdevisen erschüttert und zu heftigen Verwerfungen am Kryptomarkt geführt. Vor diesem Hintergrund haben nun auch die US-Aufseher Banken zu einer verstärkten Vorsicht im Umgang mit Kryptowährungen ermahnt. Zu den Hauptrisiken für die Finanzinstitute zählten rechtliche Unsicherheiten sowie falsche oder irreführende Mitteilungen von Unternehmen aus der Digitalgeld-Branche, teilten die US-Notenbank Federal Reserve, der Einlagensicherungsfonds FDIC und die Bankenaufsicht OCC gestern gemeinsam mit.

Die Aufseher hätten Sicherheitsbedenken bei Banken mit Geschäftsmodellen, die sich in hohem Maße auf den Kryptosektor konzentrierten. Es sei wichtig, dass Risiken in diesem Bereich, die nicht kontrolliert werden könnten, nicht auf das Bankensystem übergriffen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Dezember 2022 um 12:00 Uhr.