Fragen und Antworten

Tanken | Bildquelle: dpa

Historische Kursentwicklung Was ist am Ölmarkt los?

Stand: 21.04.2020 14:13 Uhr

Erdöl kaufen und Geld dafür bekommen? Nur schwer vorstellbar, doch die Corona-Krise und der weltweite Konjunktureinbruch machen es möglich. Wird Sprit für Autofahrer jetzt günstiger?

Alles ausklappen

Ausgelöst durch die Corona-Krise hat sich an den Ölmärkten historisch Einmaliges ereignet. Der Preis für US-Rohöl der Sorte WTI ist am Montagabend zum ersten Mal in der Geschichte ins Negative gedreht. Das Phänomen steht für die zuletzt dramatische Entwicklung am Rohölmarkt.

Dass der Ölpreis sich wieder deutlich erholt, ist angesichts der krisenbedingt zusammengebrochenen Nachfrage und der immer noch hohen Förderung nicht zu erwarten.

Warum stehen die Ölpreise so stark unter Druck?

Experten verweisen auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. In vielen Ländern der Welt droht die Wirtschaft in eine schwere Rezession zu rutschen. Dies dämpft die Nachfrage nach Rohöl.

So ist der Flugverkehr fast zum Erliegen gekommen. Dort werden normalerweise große Mengen an Rohöl in Form von Kerosin verbraucht.

Hinzu kommt, dass die Lager schon vor der Krise angesichts der hohen Förderung sehr gut gefüllt waren.

Die Mitglieder des Ölkartells OPEC und verbündete Länder wie Russland hatten sich lange nicht auf eine Beschränkung der Förderung einigen können. Die zuletzt doch noch erreichten Vereinbarungen werden angesichts des starken Nachfrageausfalls von Experten nur als halbherzig angesehen.

Wie können Ölpreise überhaupt negativ werden?

Der negative Ölpreis für WTI bezog sich auf den Terminkontrakt für Mai. Dieser läuft an diesem Dienstag aus.

Mit einem solchen Kontrakt verpflichtet sich ein Käufer, Rohöl zu einem bestimmten Termin zu erwerben. Derzeit will aber wegen der fehlenden Nachfrage kaum jemand Rohöl tatsächlich haben.

Käufer stehen momentan vor dem Problem, dass die Kapazitäten der Lager bald erschöpft sein dürften. Das erhöht das Kostenrisiko für die Lagerung eingekaufter Ölmengen erheblich. Experten schätzen, dass in ein bis zwei Monaten die Tanks weltweit zum Überquellen gefüllt sein werden.

Experten schließen aber auch eine Panne und technische Probleme angesichts des geringen Handels am Montagabend nicht aus.

"Der späte Handel war ausgedünnt und anfällig für eine Manipulation, weil die meisten Broker ihren Kunden bei negativen Preisen wahrscheinlich keinen Handel gewähren können", sagte Commerzbank-Rohstoffexperte Eugen Weinberg. "Man darf gespannt sein, ob die Börse den Handelsverlauf im Nachhinein revidiert."

Bleiben die Ölpreise negativ?

Dies ist nicht zu erwarten. So liegt der Juni-Kontrakt für US-Rohöl derzeit bei 20 US-Dollar. Eine Erholung der Preise ist aber auch nicht in Sicht. Die weitere Entwicklung hängt vor allem vom Fortgang der Corona-Krise ab.

Solange es in vielen Staaten der Welt starke Einschränkungen der Wirtschaft gibt, dürfte die Konjunktur kaum anziehen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet ein Schrumpfen der Weltwirtschaft in diesem Jahr um drei Prozent.

Dies wäre die schwerste Rezession seit der großen Depression in den 1930er-Jahren. Viele wichtige Branchen könnten sich auf längere Sicht nicht erholen. Dies gilt vor allem für den Reise- und Flugverkehr.

Wird Tanken jetzt noch billiger?

Der historische Ölpreisabsturz in den USA wirkt sich voraussichtlich nicht an deutschen Zapfsäulen aus. Die betroffene, in den USA relevante Ölsorte WTI ist nach Angaben des ADAC "nicht entscheidend für den deutschen Markt".

Hierzulande komme es vielmehr auf die Nordseesorte Brent an. Deren Preis liege derzeit oberhalb des Tiefs von Ende März.

Auch der Mineralölwirtschaftsverband MWV verwies auf Brent als für Europa entscheidende Sorte. Der MWV betonte, die gesunkenen Ölpreise seien an die Verbraucher weitergegeben worden.

Der Preis an der Zapfsäule hänge zudem auch von anderen Faktoren als dem Ölpreis ab: Alleine Steuern machten bei Benzin 72 und bei Diesel 60 Prozent aus.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. April 2020 um 12:00 Uhr.

Darstellung: