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Facebook-Datenaffäre Chef von Cambridge Analytica suspendiert

Stand: 20.03.2018 17:11 Uhr

Nach dem Daten-Missbrauch von 50 Millionen Facebook-Nutzern steigt der Druck auf das Unternehmen. Das britische Parlament will Konzernchef Zuckerberg vorladen. Auch Bundesjustizministerin Barley schaltete sich ein.

Facebook schlittert in eine schwere Krise nach dem Skandal um den massiven Missbrauch von Nutzer-Informationen. Der US-Finanzdienst Bloomberg berichtet, die US-Aufsichtsbehörde FTC habe Ermittlungen zu dem Fall eingeleitet. Sollte sie eine Verletzung der Datenschutzregeln feststellen, könnte sie hohe Strafen verhängen. Im Kern gehe es bei den Ermittlungen um die Frage, ob das weltgrößte Internetnetzwerk der Datenanalysefirma Cambridge Analytica erlaubt habe, an einige Nutzerinformationen zu gelangen, obwohl dies gegen die Richtlinien verstoße. Die Aktie fiel in der Folge zeitweise um rund sieben Prozent und löschte so über 35 Milliarden Dollar Börsenwert aus.

Cambridge Analytica soll im Jahr 2014 illegal an Daten von bis zu 50 Millionen Facebook-Nutzern gekommen sein. Diese soll das Unternehmen - das US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf 2016 unterstützte - genutzt haben, um personalisierter Facebook-Werbung zu schalten und so Wahlentscheidungen zu beeinflussen. Die britische Datenschutzbehörde nahm deswegen Ermittlungen gegen Cambridge Analytica auf. Sie beantragte einen Durchsuchungsbefehl für die Londoner Zentrale.

Die London-Zentrale von Cambridge Analytica | Bildquelle: AP
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Die London-Zentrale von Cambridge Analytica könnte durchsucht werden.

Am Abend erklärte das Unternehmen, man habe den Vorstandsvorsitzenden Alexander Nix mit sofortiger Wirkung suspendiert. Hintergrund sind Äußerungen von Nix, die der TV-Sender Channel 4 mit versteckter Kamera aufgezeichnet hat. Darin empfiehlt Nix einem als Geschäftsmann getarnten Reporter, dessen vermeintliche Gegner zu erpressen.

Deutsche Behörden schalten sich ein

Auch die deutschen Behörden schalten sich in den Fall ein. Bundesjustizministerin Katarina Barley erklärte, Facebook müsse sich an geltendes Datenschutzrecht halten. Zudem solle das Unternehmen erklären, wie es künftig die Daten seiner Nutzer besser schützen will. "Wenn die persönlichsten Interessen von Millionen Facebook-Nutzern für die Trump-Kampagne ausgeforscht wurden, dann ist das eine neue Qualität des Missbrauchs persönlicher Daten", sagte Barley der "Passauer Neuen Presse".

Auch die in Deutschland für Facebook zuständige Hamburger Datenschutzbehörde verlangt Auskunft, ob deutsche Nutzer von solchem Datenmissbrauch bedroht sind. Denn "vielen Nutzern ist nicht bewusst, dass Facebook weitere Schnittstellen bietet, über die Dritte ihre Profilinformationen abgreifen können", erklärte Behördenleiter Johannes Caspar.

Zuckerberg soll aussagen

Der Vorsitzende des britischen Parlamentsausschusses für Digitales und Medien, Damian Collins, forderte zudem Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf, sich Fragen von Abgeordneten zu stellen. "Es ist jetzt an der Zeit, von einem hochrangigen Manager zu hören, der genug Autorität hat, um einen akkuraten Bericht über dieses katastrophale Prozessversagen zu liefern", schrieb der Parlamentarier. "Ich hoffe, dass Sie dieser Vertreter sein werden", schrieb er an Zuckerberg. Auch das Weiße Haus in Washington erklärte, man begrüße die Untersuchung in dem Fall.

Mark Zuckerberg | Bildquelle: dpa
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Zuckerberg soll erklären, wie die Datenpanne entstehen konnte.

Facebook versetzt Sicherheitschef

Zuckerberg und seine rechte Hand Sheryl Sandberg würden sich erst zu dem Fall äußern, wenn interne Untersuchungen abgeschlossen seien, berichten US-Medien. Facebook hatte zuvor mitgeteilt, externe Spezialisten mit einer Untersuchung der Affäre beauftragt zu haben. Der Facebook-Zugang von Cambridge Analytica sei inzwischen geschlossen worden.

Parallel wurde bekannt, dass der bisherige Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos auf einen anderen Posten versetzt wurde. Stamos schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, er übe jetzt eine neue "Rolle" aus: Sie bestehe darin, neue Sicherheitsrisiken und "die Sicherheit von Wahlen" zu prüfen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. März 2018 um 17:00 Uhr.

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