Interview

EADS-Chef Gallois im Interview "Wir befolgen keine Anweisungen der Politik"

Stand: 08.03.2012 21:39 Uhr

Die EADS-Führungsspitze hat Forderungen aus der Bundesregierung kritisiert, den Firmensitz in Deutschland zu halten. Der Konzern sei ein "europäischer Erfolg", den man nicht "durch zu national geprägte" Debatten in Frage stellen sollte, so der scheidende EADS-Chef Gallois im ARD-Interview.

tagesschau.de: Wie sehen Sie den Konflikt zwischen EADS und der deutschen Regierung, der durch den Brief von Peter Hintze ausgelöst wurde?

Louis Gallois: Ich sehe keinen Konflikt. Ich glaube, es gab ein Missverständnis und einen unangemessenen Brief, der nicht konform ist mit der Führung eines börsennotierten Unternehmens. Aber jetzt muss man nach vorne sehen und zu einem ruhigen und konstruktiven Dialog kommen. Das sagt ja auch Herr Hintze. Denn wir haben ja viele Dinge gemeinsam zu besprechen.

"Erfolg nicht durch national geprägte Diskussionen in Frage stellen"

Die verschiedenen Heimatländer von EADS sind wichtige Kunden von uns, sie unterstützen uns auch bei unseren Forschungsambitionen. Es ist klar, dass wir uns auch in jedem dieser Länder als Bürger engagieren. Über all das muss man in Ruhe sprechen können. Ich glaube, dass EADS ein zu großer europäischer Erfolg ist, als dass man diesen durch zu national geprägte Diskussionen in Frage stellen sollte. Wir sind europäisch - das ist einer der Reichtümer von EADS, das ist ein Reichtum für Europa. Ich glaube, jeder muss sich dessen bewusst sein.

EADS-Konzernchef kritisiert Einmischung der Bundesregierung
tagesschau, 20:00 uhr, 08.03.2012, Sabine Bohland, ARD Paris

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tagesschau.de: Herr Hintze fürchtet, dass die deutsche Regierung an Einfluss verlieren könnte im Vergleich zur französischen. Wie sehen Sie das?

Gallois: Eine Gruppe wie EADS darf nicht empfänglich für politische Einmischung sein. Das heißt nicht, dass wir nicht zum Dialog mit den Regierungen bereit wären, aber wir befolgen keine Anweisungen von ihnen. Ich denke, hier sind sich der Verwaltungsrat und der Exekutivausschuss von EADS einig. Wir wissen, was unsere Verantwortung ist und haben sie auch in der Vergangenheit übernommen.

Alle Länder, die an EADS beteiligt sind, haben von der richtigen Verteilung unseres Wachstums profitiert. Das gilt für Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien. Wir können nicht akzeptieren, dass man uns vorschreibt, wo wir dieses und jenes Forschungszentrum oder diese und jene Aktivität betreiben. Es geht auch nicht, dass man uns vorschreibt, wie wir Personal einstellen sollen. Das unterliegt der Firmenverantwortung.

Hintze-Brief als Auslöser der Debatte

Der Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung, Peter Hintze, hatte sich in einem Brief an den Gallois-Nachfolger Thomas Enders gewandt. Hintze hatte darin gegen den Plan protestiert, die französische Stadt Toulouse zum alleinigen Konzernsitz von EADS zu machen und den heutigen Zweitsitz Ottobrunn nahe München damit abzuwerten.

Zwischen der Bundesregierung und EADS schwelt seit Monaten ein Streit über den deutschen Einfluss. Deutsche und französische Interessen sind in dem Konzern mit jeweils 22,4 Prozent Aktienanteilen abgesichert. Enders will der Wirtschaftlichkeit den Vorrang vor der politischen Ausbalancierung zwischen Deutschland und Frankreich geben.

tagesschau.de: Was wünschen Sie sich für die Zukunft von EADS?

Gallois: Die Zukunft von EADS ist eine Zukunft des Wachstums, der Hochtechnologie und der Entwicklung. Es ist ein wunderbares Unternehmen. In zwölf Jahren haben wir aus vier mittleren nationalen Betrieben einen europäischen Giganten geschaffen, der als einziger in der Lage ist, mit den amerikanischen Unternehmen auf Augenhöhe zu konkurrieren. Dieses Kapital gilt es aufrecht zu halten und sogar weiter auszubauen.

Und ich bin sicher, dass das neue Management mit Tom Enders und seinem Team in diesem Sinne handeln wird. Keine Übergabe wurde besser organisiert und vorbereitet als diese. Die nötigen Personen sind an die Spitze des Unternehmens gestellt worden. Sie werden neue Ideen, einen neuen Blickwinkel und eine neue Führungskultur mitbringen. Diese neue, junge Generation ist absolut gesund für ein Unternehmen und wird es aufwerten.

Das Interview führte Sabine Bohland, WDR

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