Kunden vor dem Eingang einer H & M Filiale | picture alliance / Rupert Oberh

Debatte um Öffnungszeiten Sonntags einkaufen bis Weihnachten?

Stand: 19.06.2021 14:58 Uhr

Der stationäre Handel hat in der Pandemie stark gelitten, während der Online-Handel enorm gewann. DIW, Städtebund und der Handelsverband HDE fordern als Konjunkturhilfe nun flexiblere Öffnungszeiten. Die Gewerkschaft ver.di mahnt.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, fordert angesichts der schwierigen Lage vieler Einzelhändler eine Lockerung der Öffnungszeiten. "Eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ist dringend geboten, damit der stationäre Einzelhandel sich im Wettbewerb gegen den Onlinehandel behaupten und Arbeitsplätze sichern kann", sagte Fratzscher dem "Handelsblatt".

Flexibilität bis zum Jahresende gefordert

Der Ökonom stellte sich damit an die Seite des Handelsverbands HDE. Der hatte vorgeschlagen, die Geschäfte zumindest bis Jahresende auch sonntags öffnen zu lassen. Das gebe den Händlern die Chance, wenigstens einen Teil des während der Lockdowns verlorenen Umsatzes nachzuholen und wäre auch ein Signal an die Menschen, dass die Innenstädte wieder offen seien. Auch darüber hinaus sollte es verlässlichere Regeln für eine rechtssichere gelegentliche Sonntagsöffnung geben.

Auch der Städte- und Gemeindebund sprach sich dafür aus. "Wir müssen jetzt alles tun, damit unsere Innenstädte und Ortskerne nicht weiter veröden", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg dem "Handelsblatt". "Da wäre es ein positives Signal, zusätzliche Sonntagsöffnungszeiten zu ermöglichen." Landsberg verwies auf die bedrohliche Lage des Handels und die Gefahr für Hunderttausende Arbeitsplätze.

"Kleines, aber wichtiges Signal"

Über 100.000 Einzelhandelsgeschäfte könnten schließen oder gar nicht mehr öffnen, sagte Landsberg. Damit stünden fast 500.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Der Onlinehandel habe hingegen sieben Tage die Woche, 24 Stunden geöffnet und habe seinen Umsatz im vergangenen Jahr auch pandemiebedingt auf über 72 Milliarden Euro steigern können. Zusätzliche Sonntagsöffnungszeiten wären daher "ein kleines, aber wichtiges Signal, dass die Innenstädte und Ortskerne Zukunft haben".

"Entwicklung lässt sich nicht umkehren"

Fratzscher erklärte: "Durch die Pandemie gab es eine massive Verschiebung hin zum Onlinehandel, was sich auch nach der Pandemie nicht komplett wieder umkehren wird." Faire Wettbewerbsbedingungen bedeuteten aber nicht, dass Menschen 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche online einkaufen könnten, aber der stationäre Einzelhandel ein "enges Korsett" habe und sonntags geschlossen sein müsse.

"Anstelle von Sanktionen oder Abgaben für den Onlinehandel sollte die Politik den stationären Einzelhandel attraktiver machen", sagte Fratzscher. Dazu gehörten neben flexibleren Einkaufszeiten auch moderne urbane Konzepte, durch die die Innenstädte wieder attraktiver werden. "Dies hat nicht nur einen unmittelbaren ökonomischen Wert, sondern es ist auch aus sozialer und gesellschaftlicher Perspektive sehr wichtig, dass Menschen sich persönlich begegnen und miteinander in Kontakt kommen."

Ver.di sieht "Generalangriff"

Die FDP unterstützte den Vorstoß des HDE bereits als geeignete Konjunkturhilfe für den Einzelhandel. Die Gewerkschaft ver.di wies ihn dagegen als zu kurzsichtig gedachten "Generalangriff auf die Handelsbeschäftigten, ihre Familien, aber auch auf das Grundgesetz" zurück.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. Juni 2021 um 17:21 Uhr.

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KOMMENTARE

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Hirschauer 19.06.2021 • 23:57 Uhr

@Autochon um 19:35

Warum sollen die kellner am Sonntag für Sie arbeiten? Holen Sie sich doch Ihr Bier zu normalen Öffnungszeiten.