Interview

Bankenwissenschaftler Burghof zur neuen Strategie "Man muss bei der Deutschen Bank durchkehren"

Stand: 11.09.2012 16:34 Uhr

Das neue Führungsduo der Deutschen Bank, Jain und Fitschen, hat dem Institut einen Imagewechsel verordnet. Der sei auch dringend nötig, sagt der Bankenwissenschaftler Hans-Peter Burghof im Interview mit tagesschau.de. Allerdings müssten die Manager mit scharfem Gegenwind rechnen.

tagesschau.de: Die Deutsche Bank hat einen Kulturwandel angekündigt, nicht zuletzt wegen Skandalen in der Vergangenheit. Wie bewerten Sie diesen Imagewechsel?

Hans-Peter Burghof: Der ist sehr notwendig, er wurde ja auch schon zu Zeiten von Josef Ackermann vorgezeichnet. Gerade in Deutschland werden sich die Kunden fragen, warum sie mit einer Bank Geschäfte machen sollen, die nur ganz kurzfristig Gewinn machen will. Doch das deutsche Bankensystem ist sehr vielgestaltig. Da muss die Deutsche Bank ein anderes Image entwickeln, wenn sie auf Dauer so stark bleiben will wie in der Vergangenheit.

alt Hans-Peter Burghof

Zur Person

Professor Hans-Peter Burghof lehrt Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim und ist dort Geschäftsführer der Stiftung Kreditwirtschaft

"Bestimmte Bereiche nicht mehr so lukrativ"

tagesschau.de: Die neue Deutsche-Bank-Führung tritt deshalb massiv auf die Kostenbremse. Was bedeutet das für die Bank?

Burghof: Man muss da einfach mal durchkehren. Eigentlich müsste so etwas ein kontinuierlicher Prozess sein. Aber wenn es sehr gut läuft, vernachlässigt man das gerne. Es ist teilweise auch so, dass bestimmte Geschäftsbereiche - vor allem im Investmentbanking - die in der Vergangenheit gute Gewinne gemacht haben, das jetzt nicht mehr tun. Das ganze Aufblasen der Kapitalmärkte reduziert sich etwas - und in dem Bereich wird man relativ schnell Punkte finden, bei denen man gut einsparen kann.

Hans-Peter Burghof (Universität Hohenheim) zur Deutschen Bank
tagesschau24 14:30 Uhr, 11.09.2012

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"Erfolg mit den Kunden - und nicht gegen sie"

tagesschau.de: Von einer Revolution wollen die neuen Chefs aber nicht sprechen, eher von einer Anpassung des Geschäftsmodells. Was bedeutet der Strategiewechsel Ihrer Ansicht nach für die Kunden?

Burghof: Für die Kunden ist damit die Hoffnung verbunden, dass man mit der Deutschen Bank auch in Zukunft - und wieder zuverlässiger - rechnen kann als in der Vergangenheit. Es geht darum, dass die Deutsche Bank den Erfolg mit dem Kunden und nicht gegen den Kunden sucht - und zwar langfristig. Das ist natürlich sehr wertvoll, weil wir in Deutschland die Deutsche Bank brauchen. Sie ist die einzige wirklich große internationale Bank, die den Kunden - etwa den ambitionierten Mittelständler ins Ausland und bis an die Kapitalmärkte - sehr gut begleiten kann. Ich hoffe, dass die Deutsche Bank diese Rolle auch wirklich spielt und nicht den Sirenenrufen schneller Gewinne an den Kapitalmärkten folgt.

tagesschau.de: Die neue Strategie heißt ja "2015 plus". Wo sehen Sie das Plus?

Burghof: Ein Plus wäre, dass man noch langfristiger denkt und über 2015 hinaus, denn der Kunde möchte mit so einer Bank seine wirtschaftliche Existenz aufbauen und entwickeln. Er denkt nicht in Quartalsabschlüssen, sondern über viele Jahre hinweg.

"Man hat sich an die Boni gewöhnt"

tagesschau.de: Wird der Strategiewechsel gelingen?

Burghof: Das ist noch unklar. Ich kann mir vorstellen, dass in der Organisation selber noch etliche Widerstände sind, gerade im Bereich Investmentbanking. Man hat sich ja an die schönen fetten Boni gewöhnt und auch ein Anspruchsdenken entwickelt. Man hat die merkwürdige Vorstellung entwickelt, dass einem diese unverhältnismäßig hohen Gehälter zustehen. Und da wird man sich heftig wehren und fragen, welche Abhängigkeiten beispielsweise Herr Jain noch hat aus seinen Zeiten als Chef des Investmentbankings. Kann er da wirklich mit diesem harten Besen kehren, den er da im Moment ansetzt?

Das Interview führte Kirsten Gerhard, tagesschau24.

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