Stahlarbeiter im vor einem Hochofen

0,7 Prozent Wachstum im Schlussquartal Wirtschaft startet durch

Stand: 13.02.2015 11:57 Uhr

Ökonomen sprechen von einem "Paukenschlag": Die deutsche Wirtschaft ist im Schlussquartal 2014 doppelt so stark gewachsen wie erwartet. Von der Mini-Krise zur Jahresmitte ist kaum mehr etwas zu spüren - und auch die Prognosen für dieses Jahr dürften deutlich steigen.

Die deutsche Wirtschaft ist Ende 2014 mehr als doppelt so stark gewachsen wie erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Oktober bis Dezember um 0,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte - auf das Jahr hochgerechnet entspräche das einem Plus von rund 2,8 Prozent.

Ökonomen reagierten beinahe euphorisch auf die Meldung: "Das ist ein Paukenschlag. Die konjunkturelle Erholung in Deutschland ist überraschend früh gestartet. Deutschland ist noch einmal kräftig durchgestartet", sagte Andreas Rees, Chefvolkswirt der Unicredit. "Das ist in der Höhe und auch vor dem Hintergrund der geopolitischen Belastungen überraschend", meinte sein Kollege Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe.

"2015 könnte noch besser werden"

Die Furcht vor einer Rezession, die noch zur Jahresmitte geherrscht hatte, erweist sich damit als unbegründet. Vielmehr wuchs die deutsche Wirtschaft dank des starken Schlussquartals 2014 um insgesamt 1,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte - bislang war man in Wiesbaden von 1,5 Prozent ausgegangen.

Viele Experten dürften nun auch ihre Prognosen für 2015 nach oben revidieren. "Es gibt Grund zum Optimismus. Durch den Endspurt Ende 2014 steigen die Chancen, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr noch schneller wächst. Davon wird auch der Euro-Raum profitieren. Deutschland wird die restliche Euro-Zone mitziehen", sagte Volkswirt Rees. Zudem dürften die niedrige Arbeitslosigkeit und die Mini-Zinsen die Konsumlust der Verbraucher weiter anschieben.

Als ein Grund für den unerwarteten Aufschwung gilt der niedrige Ölpreis. Solange Sprit und Heizöl vergleichsweise wenig kosten, können Verbraucher mehr Geld für andere Waren ausgeben. Daneben deuten die Daten auch darauf hin, dass die Risikobereitschaft in den Firmen zunimmt. "Die Unternehmen sind wieder bereit, zu investieren", sagte Rees.

Zudem investierten aber auch die Unternehmen wieder mehr in Ausrüstungen und Bauten. "Das Vertrauen kehrt zurück", betonte Ökonom Christian Schulz von der Privatbank Berenberg. Damit sei der Schock, der die Unternehmen nach den russischen Aggressionen in der Ukraine gelähmt hatte, vorerst überwunden. Vom Außenhandel gingen hingegen wenig Wachstumsimpulse aus.

Deutschland zieht Eurozone mit

Die starke deutsche Konjunktur zog auch die Wirtschaft in der Eurozone mit. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Oktober bis Dezember 2014 um 0,3 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Bankvolkswirte hatten 0,2 Prozent erwartet. Im Vergleich zum letzten Quartal 2013 legte die Wirtschaft im gesamten Euroraum 2014 um 0,9 Prozent zu.

Nach wie vor verteilt sich das Wachstum allerdings ungleichmäßig. Estland wuchs im vierten Quartal mit 1,1 Prozent am stärksten, gefolgt von Deutschland und Spanien mit je 0,7 Prozent. Die griechische Wirtschaft verlor dagegen Ende 2014 etwas an Fahrt: Die Summe der hergestellten Waren und Dienstleistungen sank laut Eurostat zwischen Oktober und Dezember um 0,2 Prozent zum Vorquartal. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hingegen gab es ein Plus von 1,7 Prozent.