EC-Karte

Pilotprojekt "Girogo" Wie funktioniert das Bezahlen per Funk?

Stand: 11.01.2012 13:20 Uhr

Unter dem Namen "Girogo" starten Banken und Sparkassen das Projekt zum Bezahlen per Funk. Kunden sollen Beträge bis 20 Euro von ihrem Girokonto quasi im Vorbeigehen begleichen können, wenn sie ihre Bankkarte vor ein Lesegerät halten. tagesschau.de erklärt die Vor- und Nachteile des neuen Systems.

Wie funktioniert das neue Bezahlsystem?

Das neue System soll die bisherige Geldkarten-Funktion ablösen, die kaum genutzt wird. Wesentlicher Unterschied dabei: Die Karte muss nicht mehr in ein Lesegerät gesteckt sondern nur noch davor gehalten werden - in einem Abstand von maximal vier Zentimetern. Mit der Funktechnik NFC ("Near Field Communication") werden die Daten, die auf einem Chip in der Karte gespeichert sind, per Funk an einen Empfänger übertragen - im konkreten Fall also an das Kassensystem. Die Daten werden dabei verschlüsselt. Bei kleinen Beträgen soll weder eine PIN noch eine Unterschrift nötig sein. Die neue SparkassenCard ist aber - ebenso wie die Geldkarte - eine Guthaben-Karte. Das heißt, man muss sie aufladen, bevor man damit bezahlen kann.

Was ist neu an dem System?

Die Technik ist nicht neu. Sie wird schon heute oft eingesetzt - zum Bezahlen von Speisen beispielsweise in Kantinen, Fußballstadien und bei Festivals oder zur Kontrolle von Tickets. Diese Karten nutzen meist den NFC-Vorläufer RFID (Radio Frequency Identification). Technisch sind beide ähnlich, allerdings ist die Reichweite der NFC-Funktechnik geringer. Damit soll sichergestellt werden, dass die Karte nicht aus Versehen zum Einsatz kommt, wenn man sich in der Nähe eines Lesegerätes befindet. Auch ein Missbrauch soll so erschwert werden. Das System wird nicht nur in Karten, sondern auch zum Bezahlen mit Handys verwendet. Pilotprojekte dazu gibt es zum Beispiel bei Verkehrsunternehmen wie der Bahn, wo man Fahrkarten mit einem NFC-fähigen Smartphone auch am so genannten "Touchpoint" kaufen kann.

Für welche Beträge ist das System gedacht?

Im Pilotprojekt kann die Funk-EC-Karte nur bei Einkäufen bis zu 20 Euro eingesetzt werden. Die Unterschrift oder die Eingabe der persönlichen Geheimzahl werden überflüssig. Um das kontaktlose Bezahlen zu nutzen, muss die EC-Karte - ähnlich wie bisher die Geldkarte - vorher an Geldautomaten oder an anderen Stellen mit bis zu 200 Euro aufgeladen werden. Im kommenden Jahr will die Kreditwirtschaft über höhere Summen entscheiden.

Wo liegt der Vorteil für den Handel?

Wenn alles reibungslos funktioniert, kann schneller kassiert werden - und dadurch möglicherweise Personal gespart. Zudem entfällt - wie bei anderen bargeldlosen Zahlungssystemen - der "Aufwand", den Bargeld verursacht: Man muss kein Wechselgeld vorhalten, keine Einnahmen zur Bank bringen und keine Sicherheitsvorkehrungen gegen Diebstahl treffen. Weiterhin zeigen erste Pilotversuche, dass der Handel seinen Umsatz erhöhen könnte.

Außerdem gilt die Funk-EC-Karte der Banken und Sparkassen als Reaktion auf Initiativen von Internet- und Kreditkartenunternehmen. Bis Mitte 2012 wollen verschiedene deutsche Banken ihre Kunden mit der kontaklosen Visa-Zahlungskarte ("Visa payWave") versorgen. Das Mastercardsystem "PayPass" wird an Tankstellen oder Gastronomieketten akzeptiert. Google entwickelte das digitale Bezahlsystem "Google Wallet", das in Deutschland aber noch nicht eingeführt wurde.

Wo liegt der Vorteil für die Kunden?

Aus Sicht der Kunden sind die Vorteile nicht ganz so einleuchtend. Zwar profitieren auch sie davon, wenn an der Kasse nicht mehr nach dem passenden Kleingeld gesucht wird, das Bezahlen schneller geht und die Schlange an der Kasse damit kürzer wird. Diesen Vorteil bietet die Geldkarte aber auch schon - und die wird kaum genutzt. Zudem funktioniert auch die beste Technik nicht immer, wie die bisherigen EC-Lesegeräte zeigen. Probleme könnten hier zu längeren Wartezeiten führen. Die Deutsche Kreditwirtschaft verspricht: Das Bezahlen mit "Girogo" läuft um bis zu 25 Prozent schneller als eine herkömmliche Kartenzahlung und doppelt so schnell wie Bargeld.

Geht die Karte verloren, ist das darauf gespeicherte Guthaben allerdings weg.

Wie viele Kunden sollen das Angebot nutzen?

Bis Jahresende will der Deutsche Sparkassen- und Giroverband 16 Millionen Kunden mit der Funkkarte ausstatten, bis Ende 2013 sollen es dann 30 Millionen und bis Ende 2015 alle 45 Millionen sein. Damit die Karte von den Kunden angenommen wird, soll sie auch in den Geschäften aufgeladen werden können.

Was sagen Kritiker?

Eventuell fehlerhafte Abbuchungen sind ein Problem. Noch gravierender könnte aus Sicht von Datenschützern ein möglicher Missbrauch der Daten sein - etwa um Bewegungsprofile zu erstellen. Durch die Chips - egal ob mit RFID oder NFC-Technik - hinterließen die Kunden an allen möglichen Stellen Spuren, kritisiert etwa der Datenschutzverein Foebud. Anders als bei Karten, die man in ein Lesegerät einführen muss, merkt der Besitzer des Funkchips auch nicht unbedingt, dass Daten ausgelesen werden. Und wofür die ausgelesenen Daten dann genutzt werden, kann der Kunde auch nicht überprüfen. Die Sparkassen versichern, dass nur zahlungsrelevante Daten - wie der Betrag und die Kartennummer - ausgetauscht werden.

Zudem fürchten Experten, die Karten könnten missbräuchlich ausgelesen, manipuliert oder sogar geklont werden. Die Banken versichern, die Technik sei absolut sicher, besonders, da die Karten nur aus sehr kurzer Entfernung ausgelesen werden könnten.