Ortsschild von Gangelt (Landkreis Heinsberg) | dpa

Heinsberg-Studie Autoren weisen Kritik zurück

Stand: 07.05.2020 16:00 Uhr

Die Bonner Forscher der sogenannten Heinsberg-Studie weisen die erneute Kritik an ihrer Arbeit zurück. Die jetzt geäußerten Aussagen verschiedener Wissenschaftler gingen am Ziel der Studie vorbei, hieß es gegenüber dem WDR.

Von Ditmar Doerner, WDR

Verschiedene Virologen und andere Forscher sind der Meinung: Die Heinsberg-Studie geht von einer zu konkreten Zahl der Corona-Infizierten in Deutschland aus. Falsch, sagt die Uni Bonn. Bei der angezweifelten Zahl von 1,8 Millionen Infizierten handele es sich um eine rein theoretische Beispiel-Hochrechnung. Die sei auch ganz klar als solche gekennzeichnet.

Auch werde in der Studie deutlich gesagt, dass sich die Todesrate bei Infektionen auf den Ort Gangelt in Heinsberg beziehe und nicht auf ganz Deutschland. Denn für eine bundesweite Aussage müssten zusätzliche statistische Unsicherheiten mit einbezogen werden. Daher existierten auch keine Widersprüche zu der Bonner Studie.

Wissenschaftler hatten bemängelt, die Heinsberg-Studie beachte bestimmte wissenschaftliche Kriterien nicht. So könne es nach ihren eigenen Berechnungen eine Million, vielleicht aber auch bis zu fünf Millionen Corona-Infizierte in Deutschland geben. Die von der Heinsberg-Studie veröffentlichte Zahl von 1,8 Millionen Infizierten sei zu konkret und nicht haltbar.

Wissenschaftler der Universität Bonn hatten in dem von der Epidemie besonders betroffenen Ort Gangelt im Kreis Heinsberg (Nordrhein-Westfalen) eine groß angelegte Untersuchungs durchgeführt.

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KOMMENTARE

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dilbert_66 07.05.2020 • 22:53 Uhr

Studie ohne große Wirkung

In Heinsberg hat man einen Test zum Nachweis von Antigenen benutzt, der nicht zwischen den Antigenen unterscheiden konnte, die durch eine Infektion mit SARS-CoV-2 gebildet wurden, und solchen, die zur Abwehr ganz gewöhnlicher Erkältungsviren, die auch alle zur Familie der Coronaviren gehören, auftauchten. Man hat also jeden Schnupfen, jeden Husten und jede Heiserkeit als "SARS-CoV-2-Infektion" gewertet und dadurch die Fallzahlen künstlich in die Höhe getrieben. Daher ergibt sich auch faktisch kein Zusammenhang zu den gezählten COVID-19-Toten. Der angebliche Faktor von "0,37%" (Tote je 100 Infizierte) ist mit Sicherheit unkorrekt. Wenigstens haben die Forscher jetzt schon mal selbst zugegeben, dass ihre Studie in dieser Hinsicht keine brauchbaren Aussagen für die Situation in Deutschland produziert. Das ist vermutlich die einzige Information von Bedeutung über Heinsberg hinaus.