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Nach Kritik von Datenschützern Schufa stellt "CheckNow" ein

Stand: 24.03.2021 18:00 Uhr

Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei stellt ihr umstrittenes Projekt "CheckNow" in der bisherigen Form ein. Damit reagiert die Schufa offenbar auf öffentliche Kritik infolge von Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung.

Von Lea Busch, Peter Hornung (NDR) und Massimo Bognanni (WDR)

Wie eine Sprecherin der Schufa auf Anfrage bestätigt hat, wird das datenschutzrechtlich umstrittene Projekt "CheckNow" in der bisher geplanten Form nicht mehr weiterverfolgt. Im November 2020 hatten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" enthüllt, dass die Schufa plante, in bestimmten Fällen Verbraucherinnen und Verbraucher künftig auch anhand ihrer Kontoauszüge zu bewerten und mit den gesammelten Daten eigene Produkte zu entwickeln.

Lea Busch
Peter Hornung
Massimo Bognanni

"CheckNow" in seiner ursprünglichen Ausführung sollte eigentlich Menschen mit mangelnder Bonität ermöglichen, trotzdem beispielsweise einen Mobilfunkvertrag zu bekommen. Um eine "zweite Chance" zu erhalten, sollten Kundinnen und Kunden ihr Einverständnis dazu geben, dass die Münchner Schufa-Tochterfirma Finapi auf ihr Online-Bankkonto schaut. Anhand der Konto-Umsätze kann das Unternehmen dann die Zahlungsfähigkeit bewerten. Wenn diese besser gewesen wäre, als es zuvor gespeicherte Daten ergaben, hätten die Kunden den Handyvertrag bekommen können. In einem Pilotprojekt testete die Schufa das neue Projekt bei Kundinnen und Kunden des Telefonanbieters Telefónica/O2.

 Einwilligung in umfangreiche Auswertung geplant

Kern der öffentlichen Kritik war jedoch eine weitere Einwilligung, die sich die Schufa nach Recherchen von NDR, WDR und SZ in dem Pilotprojekt über ein kleines Häkchen erteilen lassen wollte. Wer dies anklickte, erteilte der Schufa die Erlaubnis, die sensiblen Kontoauszüge für andere Zwecke umfangreich auszuwerten - womöglich zum Nachteil der Kunden.

Besonders interessant für die Auskunftei wären dabei Risikofaktoren wie Zahlungen an Glücksspielunternehmen oder Inkassofirmen gewesen, aber auch Rücklastschriften wegen mangelnder Kontodeckung. Wer zu solchen Auswertungen sein Einverständnis gebe, mache sich "vollkommen nackig", hatte der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar im November kritisiert. So hätten umfangreiche Persönlichkeitsprofile entstehen können oder - wie es Verbraucherschützer befürchteten - gar eine Art "Superscore", der vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern unter Umständen dauerhaft geschadet hätte.

Massive Kritik von Datenschützern 

Jetzt also rudert die Schufa deutlich zurück - auch weil Landesdatenschützer die Pläne immer wieder kritisiert und Änderungen gefordert hatten. Verbraucherinnen und Verbrauchern müsste transparent dargelegt werden, in was sie einwilligen sollen und was Unternehmenskunden der Schufa anschließend mitgeteilt werde, so deren Forderung. Nun plane die Schufa, so eine Firmensprecherin, "Endverbrauchern das Ergebnis der Kontoanalyse vorab mitzuteilen, sodass sie selbst entscheiden können, ob sie es an den (potentiellen) Vertragspartner übermitteln wollen oder nicht."

Konkret heißt das: Kontoeinblick mit Erlaubnis ja, aber Weitergabe nur, wenn es die Bewertung verbessert und man nochmals zugestimmt hat. Dem neuen Konzept zufolge sollen auch keine Daten mehr von der Schufa-Tochterfirma Finapi zur weiteren Auswertung und dauerhaften Speicherung an die Konzernmutter in Wiesbaden fließen - was Daten- und Verbraucherschützer moniert hatten. Man berücksichtige all diese Kritikpunkte "für ein finales Produkt", heißt es von der Schufa.

Keine Kunden für umstrittenes Projekt 

Geld verdienen konnte die Schufa mit "CheckNow" zuletzt ohnehin keines mehr - es fehlte schlicht an Kunden. Das am 4. November 2020 mit Telefónica/O2 begonnene Projekt, von der Schufa als "erster Produkttest" bezeichnet, war schon Ende November von dem Mobilfunkkonzern einseitig aufgekündigt worden, nachdem NDR, WDR und SZ das Projekt öffentlich gemacht hatten. Daten habe man bei diesem Projekt zunächst ohnehin keine gespeichert, betonte das Unternehmen immer wieder. Man habe lediglich erst einmal feststellen wollen, wie es Verbraucherinnen und Verbraucher annähmen.

Über dieses Thema berichtete der NDR in der Sendung "Mein Nachmittag" am 04. Dezember 2020 um 16:20 Uhr und Deutschlandfunk am 12. Januar 2021 um 11:37 Uhr.