Mitarbeiterin hält Cola-Flasche bei der Abfüllung nach oben | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

foodwatch-Report Süße Gefahr

Stand: 04.04.2018 12:12 Uhr

Die Deutschen lieben ihre Coca-Cola. Auch wenn jeder weiß, dass die Zuckerbombe ungesund ist. Süßgetränke fördern Übergewicht, Diabetes und Karies. Eine Zuckersteuer könnte helfen.

Von Sandra Stalinski, tagesschau.de

Ein Zischen. Der Kronkorken wirbelt in Zeitlupe durch die Luft. Eine prickelnde braune Flüssigkeit in Großaufnahme. Dann wird eine eiskalte Flasche Coca-Cola an rot geschminkte Lippen geführt. So oder so ähnlich wirbt Coca-Cola für seine Produkte und schafft es seit Jahrzehnten wie kaum ein anderer Konzern ein positives Image zu kreieren - vor allem bei jungen Leuten.

"Taste the feeling" - lautet einer der Slogans: Coca-Cola macht glücklich, ist die Botschaft dahinter. Doch genau das Gegenteil ist laut der Verbraucherorganisation foodwatch der Fall. Regelmäßiger Konsum von Süßgetränken macht krank, lautet eines der Ergebnisse ihres umfangreichen Coca-Cola-Reports.

Übergewicht, Diabetes, Karies

Zuckerhaltige Getränke befördern demnach nachweislich Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Zahnkrankheiten wie Karies. Zudem werden sie mit einem erhöhten Risiko für Herzkrankheiten, Gicht oder einer Fettleber in Verbindung gebracht. Was foodwatch hier feststellt, ist nicht besonders überraschend oder neu. Auch die WHO hat längst auf die Schädlichkeit von Zucker und Süßgetränken aufmerksam gemacht und empfiehlt, nicht mehr als 25 Gramm Zucker pro Tag. Diese Menge ist mit einem Glas Coca-Cola (250ml) bereits überschritten: Darin stecken gut 26 Gramm Zucker, das entspricht etwa neun Stück Würfelzucker.

Zuckerhaltige Getränke seien für die Ernährung besonders bedenklich, weil sie quasi nur Kalorien, jedoch keine Nährstoffe enthielten. Sie sättigen also nicht und können so den ganzen Tag verzehrt werden. foodwatch, die Weltgesundheitsorganisation WHO und verschiedene Zusammenschlüsse von Ärzten und Experten fordern deshalb schon länger eine Zuckersteuer.

Foodwatch fordert Einführung einer Zuckersteuer
tagesschau 14:00 Uhr, 04.04.2018, Anke Hahn, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

WHO: 20 Prozent Steuer auf Süßgetränke

Zuckerhaltige Getränke sollten mit einer Sondersteuer von mindestens 20 Prozent des Verkaufspreises belegt werden, empfiehlt die WHO. In Frankreich, Ungarn, Finnland und Mexiko gibt es bereits Sondersteuern auf Süßgetränke. Großbritannien führt Ende dieser Woche ebenfalls eine ein: Etwa 20 Cent pro Liter werden dort künftig für alle Getränke fällig, die mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten.

Diese Maßnahme zeigte schon vor Inkrafttreten ihre Wirkung: Coca-Cola hat bereits jetzt den Zuckergehalt von zwei seiner Limonaden in Großbritannien verringert: für Fanta und Sprite. Eine Unternehmenssprecherin wies zudem darauf hin, dass der Konzern sich gemeinsam mit anderen Getränkeherstellern verpflichtet habe, in der EU bis 2020 den Zuckergehalt in seinen Limonaden um durchschnittlich zehn Prozent zu verringern. Und auch der zweitgrößte Hersteller in Großbritannien, Britvic, Orangina-Hersteller Lucozade Ribena Suntory und Lidl und Tesco änderten bereits den Zuckergehalt ihrer Getränke. Der Nestlé-Konzern will bei drei seiner Limonaden den Zuckergehalt auf weniger als fünf Gramm senken.

Effekt bislang ungewiss

Die Steuer zwingt die Unternehmen zu raschem Handeln, was freiwillige Selbstverpflichtungen vorher so nicht vermochten. Welchen Effekt solche Abgaben allerdings tatsächlich auf die Ernährung und Gesundheit der Menschen haben, ist noch nicht ausreichend untersucht. Immerhin, die Absatzzahlen von Süßgetränken sind nach Einführung der Steuer beispielsweise in Mexiko und Ungarn bereits gesunken. Unklar ist aber, was die Leute stattdessen trinken und ob sie sich insgesamt dadurch tatsächlich gesünder ernähren.

Auch Coca-Cola selbst will den Zusammenhang von zuckerhaltigen Getränken und ungesundem Übergewicht nicht ohne weiteres sehen: "Übergewicht ist ein komplexes Phänomen. Einfache Antworten sind verlockend, aber sie lösen das Problem nicht. Es braucht vielmehr den Willen zu gemeinschaftlichen Lösungen. Dabei gilt: Man kann Übergewicht nicht wegbesteuern", sagt Patrick Kammerer, aus der Geschäftsleitung von Coca-Cola Deutschland.

Dass eine solche Steuer aber auch in Deutschland einen starken Effekt haben könnte, zeigt die Verbreitung von zuckerhaltigen Getränken: 64,8 Prozent des Absatzvolumens machen sie bei Coca-Cola aus, wie der foodwatch-Report unter Berufung auf Angaben des Konzerns berichtet. Und Coca-Cola sei in Deutschland - so wie auch weltweit - Marktführer bei den Erfrischungsgetränken. Mit 3585 Millionen Litern pro Jahr, verkauft der Konzern fast das Dreifache des Branchenzweiten "Mitteldeutsche Erfrischungsgetränke" (1350 Liter).

Zuckersteuer in Deutschland?

Die Politik steht einer Zuckersteuer in Deutschland allerdings skeptisch gegenüber. "Wir arbeiten an einer gesunden Ernährung mit einer Gesamtstrategie", heißt es aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium. Einzelne Rohstoffe sollten dabei nicht im Fokus stehen. Auch im Koalitionsvertrag findet sich dazu nicht viel Konkretes: Für die "Nationale Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten" soll bis 2018 ein Konzept erarbeitet werden. Und zwar "mit allen Beteiligten", das heißt auch mit der Lebensmittelindustrie. Und dass die nichts von Abgaben auf Verkaufsschlager wie zuckerhaltige Lebensmittel hält, versteht sich von selbst. Doch auch die Bevölkerung ist mehrheitlich gegen eine solche Steuer: 49 Prozent lehnen sie einer Umfrage zufolge ab, nur 44 Prozent befürworten sie tendenziell.

Lebensmittel-Ampel
galerie

So könnte die "Lebensmittel-Ampel" aussehen.

Auch einer Ampelkennzeichnung für Zucker, Fett und Salz, wie sie von Verbraucherschützern seit Jahren gefordert wird, hat die neue Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner bereits eine Absage erteilt. "Eine vereinfachte Ampelkennzeichnung bringt Verwirrung", sagt sie. Und nennt das Beispiel von frisch gepresstem Orangensaft, der Zucker enthalte und so eine rote Kennzeichnung bekommen müsste. Eine Light-Limonade bekäme hingegen eine grüne Ampelkennzeichnung. "Ist das Naturprodukt wirklich ungesünder?", fragt Klöckner.

Dennoch soll es laut Koalitionsvertrag eine "verständliche und vergleichbare Lebensmittelkennzeichnung" geben. Allerdings nicht in den einfachen Kategorien "gesund" oder "ungesund". Stattdessen schwebt den Koalitionären eine erweiterte und transparente Nährwerttabelle vor. Das Modell dazu soll mit Verbraucherschützern und freilich auch mit der Lebensmittelindustrie erarbeitet werden.

Kommt die Zuckersteuer auch nach Deutschland?
Andreas Reuter, ARD Berlin
03.04.2018 12:48 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. April 2018 um 11:50 Uhr und Deutschlandfunk Kultur am 03. April 2018 um 08:10 Uhr.

Autorin

Sandra Stalinski  Logo tagesschau.de

Sandra Stalinski, tagesschau.de

Darstellung: