Menschen hinterlegen Blumen in der Würzburger Innenstadt | AFP

Tödlicher Angriff in Würzburg Hintergrund unklar - Haftbefehl erlassen

Stand: 26.06.2021 16:28 Uhr

Die Hintergründe der Messerattacke von Würzburg sind weiter unklar. Die Ermittler gehen von einem Einzeltäter aus - gegen den Angreifer wurde Haftbefehl erlassen. Bei den Toten handelt es sich um drei Frauen.

Nach der tödlichen Messerattacke in Würzburg ist Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Täter erlassen worden. Er hatte am Freitag drei Frauen getötet und mindestens fünf Menschen schwer verletzt. Der Mann hält sich laut Staatsanwaltschaft im Zuge eines Asylverfahrens legal in Deutschland auf. Er wurde bei seiner Festnahme durch einen gezielten Schuss am Oberschenkel verletzt.

Wie der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf einer Pressekonferenz sagte, gehen die Ermittler von einem Einzeltäter aus. Unklar sei, ob der Täter psychische Probleme hatte und ob es ein islamistisches Motiv gab. Von den mindestens fünf Schwerverletzten des Messerangriffs kämpfen nach Herrmanns Angaben immer noch mehrere um ihr Leben. Er hoffe, dass sie genesen könnten.

Der unterfränkische Polizeipräsident Gerhard Kallert schilderte auf der Pressekonferenz, dass der Täter die Tatwaffe in der Haushaltswarenabteilung eines Kaufhauses genommen und mit dem Messer unmittelbar auf eine Verkäuferin eingestochen habe, die ihren Verletzungen erlag. Auch die zwei weiteren Todesopfer waren Frauen, die der Mann in dem Kaufhaus attackierte.

Verdächtiger verhaltensauffällig

Der Festgenommene ist nach Angaben der Polizei somalischer Staatsangehöriger, der in einer Obdachlosenunterkunft in Würzburg wohnt. Er sei in der jüngsten Vergangenheit unter anderem wegen eines Angriffs auf Mitbewohner aufgefallen, sagte der Bamberger Generalstaatsanwalt Wolfgang Gründler, und vorübergehend in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen worden. Der Somalier lebe seit 2015 in Deutschland, genieße subsidiären Schutz im Rahmen eines Asylverfahrens und halte sich somit legal im Land auf.

Georg Mascolo | picture alliance / SvenSimon
Einschätzung des ARD-Terrorismusexperten Georg Mascolo

Die Pressekonferenz hat es deutlich gemacht: Die Suche nach dem Motiv für die Bluttat in Würzburg ist schwierig. Bereits seit Jahren beobachten Ermittler nicht nur in Deutschland, dass die Grenzen zwischen klar terroristisch motivierten Taten und psychisch auffälligen Tätern bisweilen schwer zu ziehen sind. Manche Mörder laden ihre Tat mit einer vermeintlich größeren politischen oder religiösen Bedeutung auf - auch in der Hoffnung auf größtmögliche Resonanz und öffentliche Beachtung.

Die Frage nach dem Motiv so gut es denn geht zu klären, ist entscheidend: Nur die genaue Aufklärung liefert mögliche Antworten wie sich künftige Taten verhindern lassen.

Angesichts der schweren und bisweilen auch unmöglichen Abgrenzung zwischen Terror und Wahn hat der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul deshalb gerade erst auf der Innenministerkonferenz in der vergangenen Woche ein neues Konzept vorgestellt. Ziel ist es durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Polizei und Gesundheitsbehörden potentielle Attentäter mit psychischen Auffälligkeiten früh zu identifizieren - und an der Tat zu hindern.

Haftbefehl erlassen

Der Haftbefehl laute auf dreifachen Mord und sechsfachen versuchten Mord, sagte der Pflichtverteidiger des Verdächtigen, Hanjo Schrepfer. Sein Mandant sei haftfähig trotz des Beinschusses haftfähig. Nach Gesprächen mit dem 24-Jährigen könne er bisher kein islamistisches Motiv erkennen. Laut Zeugenangaben soll der 24-Jährige während der Tat "Allahu Akbar" gerufen haben.

Markus Söder äußert sich zur Messerattacke in der Würzburger Innenstadt.

Ministerpräsident Söder sprach von "schockierenden Ereignissen" und ordnete Trauerbeflaggung für den Freistaat an.

Söder ordnet Trauerbeflaggung an

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ordnete eine landesweite Trauerbeflaggung an. Wie die Staatskanzlei in München mitteilte, gilt sie bis einschließlich Montag für alle staatlichen Dienstgebäude in Bayern. Die Gemeinden, Landkreise und Bezirke werden demnach gebeten, in gleicher Weise zu verfahren. "Die Tat von Würzburg ist unfassbar und schockierend", erklärte Söder. "Bayern zeigt Solidarität. Wir trauern mit den Angehörigen der Opfer und bangen mit den Verletzten."

Trauerfeier im Dom

Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt sagte, die fränkische Stadt, die bereits im Jahr 2016 von einer Axt- und Messer-Attacke eines 17-Jährigen in einem Regionalzug erschüttert worden war, sei "mitten ins Herz" getroffen worden. Er kündigte eine Gedenkfeier für Sonntagnachmittag im Würzburger Dom an.

Bestürzt über die Tat äußerte sich auch die Bundesregierung. "Die Ermittlungen werden ergeben, was den Amokläufer von Würzburg antrieb", schrieb der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Steffen Seibert auf Twitter. "Sicher ist: Seine entsetzliche Tat richtet sich gegen jede Menschlichkeit und jede Religion."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach von einer "entsetzlichen Gewalttat". Der Täter habe äußerst brutal gehandelt. Dafür werde er durch den Rechtsstaat zur Verantwortung gezogen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer erklärte, er habe Bayern "jegliche Unterstützung zugesagt". Die Sicherheitskräfte täten alles, um eine schnelle Aufklärung der Hintergründe zu unterstützen. Auch Seehofer zeigte sich "tief erschüttert" von der Tat. "Nach allem was wir wissen, ist es dem couragierten Eingreifen mutiger Männer und Frauen in Würzburg und dem entschlossenen Handeln der Polizei zu verdanken, dass noch Schlimmeres verhindert wurde", erklärte er. "Dieser selbstlose Einsatz verdient höchste Anerkennung."

Über dieses Thema berichteten am 26. Juni 2021 tagesschau24 um 10:00 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.