Wolf | Bildquelle: dpa

Schadensbilanz für 2017 Mehr Wölfe, mehr Angriffe auf Schafe

Stand: 16.02.2019 12:55 Uhr

Die Zahl der Wölfe in Deutschland steigt - und damit auch die Zahl der gerissenen Nutztiere. Die Agrarministerin setzt auf das Abschießen von Wölfen. Langfristig würden laut Experten aber nur ganz andere Maßnahmen helfen.

Die Zahl der Angriffe von Wölfen auf Nutztiere ist bundesweit stark gestiegen. Das geht aus der jetzt veröffentlichten Schadensbilanz der Dokumentationsstelle des Bundes (DBBW) für das Jahr 2017 hervor. Sie fasst alle gemeldeten Fälle aus den Bundesländern zusammen. Zunächst hatte die "Neue Osnabrücker Zeitung" darüber berichtet.

Demnach stieg die Zahl der Angriffe im vergleich zum Vorjahr um knapp 66 Prozent auf 472. Die Zahl der dabei getöteten, verletzten oder vermissten Tiere stieg um 55 Prozent auf 1667. Am meisten betroffen sind Schafe.

Klöckner: "Gemäßigte Bestandsregulierung"

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner forderte in der Zeitung erneut eine "gemäßigte Bestandsregulierung" der Wölfe durch Abschuss einzelner Tiere. "Der erhebliche Anstieg zeigt, dass wir jetzt Handlungsbedarf haben und sich das Bundesumweltministerium endlich bewegen muss", so die CDU-Politikerin.

Der Wolf war in Deutschland lange ausgerottet und steht deshalb unter strengem Schutz. Das SPD-geführte Umweltministerium will an diesem Schutzstatus bislang nichts ändern.

Zaun zur Abwehr von Wölfen | Bildquelle: dpa
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Elektrozäune reichen in der Regel zur Abwehr von Wölfen - außer der Wolf hat bereits gelernt, dass es dahinter lohnende Beute gibt.

DBBW: Abschuss hilft allenfalls kurzfristig

Die Experten der Dokumentationsstelle betonen, ein Abschuss von Wölfen helfe - wenn überhaupt - nur kurzfristig. Um die Probleme dauerhaft möglichst gering zu halten, müssten Schafe und Ziegen in Wolfsgebieten vielmehr flächendeckend geschützt werden. Die Art und Weise der Nutztierhaltung müsse "wieder an die Anwesenheit von Wölfen angepasst werden".

Die meisten Angriffe gebe es in der Regel dort, "wo Wölfe sich in neuen Territorien etablieren und sich die Schaf- und Ziegenhalter noch nicht auf ihre Anwesenheit eingestellt haben", heißt es in dem Bericht der Dokumentationsstelle. Meist gingen die Schäden in diesen Gebieten nach ein, zwei Jahren zurück, "wenn die Tierhalter Herdenschutzmaßnahmen richtig anwenden".

Der Wolf lernt schnell

Die Experten empfehlen, möglichst schnell Schutzmaßnahmen zu ergreifen, wenn sich Wölfe in einer Region niederlassen. Die Tiere könnten schnell lernen, dass nicht ausreichend geschützte Schafe oder Ziegen leichte Beute seien. "Je häufiger ein Wolf Erfolg hatte, desto mehr wird er 'insistieren' auch weiterhin Nutztiere zu erbeuten", so die DBBW. In der Folge würden ihn dann auch solche Elektrozäune nicht mehr abschrecken, die normalerweise als Schutzmaßnahmen ausreichen würden.

Die aktuellsten Zahlen der DBBW zum Wolfsbestand stammen aus dem November des vergangenen Jahres. Demnach sind 73 Wolfsrudel, 30 Wolfspaare und drei Einzeltiere in sieben deutschen Bundesländern nachgewiesen, die meisten davon im Südosten Brandenburgs.

Wölfe in Deutschland
BundeslandRudelPaareEinzeltiere
Bayern12
Brandenburg2612
Mecklenburg-Vorpommern432
Niedersachsen139
Sachsen184
Sachsen-Anhalt11
Thüringen1
(Quelle: DBBW)

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Februar 2019 um 07:00 Uhr.

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